Archivierter Artikel vom 09.09.2014, 12:36 Uhr
Pompeji

Italien will Pompeji vor zweitem Untergang bewahren

Langsam drängeln sich die Touristenmassen durch die holprigen Straßen Pompejis, schießen Fotos und bewundern staunend die Mauern der antiken Gebäude. Ein uneingeschränktes Vergnügen ist die Besichtigung der historischen Ausgrabungsstätte Pompeji in Süditalien aber nicht.

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Bauzäune und "Betreten verboten"-Schilder: Die Ausgrabungsstätte Pompeji, die 2013 rund 2,4 Millionen Besucher sahen, zerfällt zusehends.  Foto: dpa
Bauzäune und „Betreten verboten“-Schilder: Die Ausgrabungsstätte Pompeji, die 2013 rund 2,4 Millionen Besucher sahen, zerfällt zusehends.
Foto: dpa

Von Miriam Schmidt

Oranges Absperrband flattert im Wind, Baugerüste und „Zutritt verboten“-Schilder säumen den Weg. Laut einem Bericht der Zeitung „La Stampa“ ist etwa ein Viertel der einzigartigen Anlage für Restaurierungsarbeiten geschlossen, Dauerbaustellen und Sperrungen sind an der Tagesordnung – Folgen jahrelanger Vernachlässigung.

Dutzende Gebäude der antiken Stadt sind in den vergangenen Jahren eingestürzt. Vor allem Wind, Regen und die mangelnde regelmäßige Instandhaltung machen den historischen Bauten zu schaffen. Als „nationale Schande“ bezeichnete Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano den sichtbaren Verfall der Unesco-Weltkulturerbestätte sogar. Vor einigen Jahren wurde deshalb ein Großprojekt zur Restaurierung Pompejis ins Leben gerufen, insgesamt 105 Millionen Euro haben die EU und Italien für die Rettung zur Verfügung gestellt.

Störfaktoren verzögern die Arbeiten

Dennoch gehen die dringend notwendigen Arbeiten nur schleppend voran. Erst rund ein Viertel des von der EU zur Verfügung gestellten Geldes wurde abgerufen, Bürokratie, Korruption und Verstrickungen mit der regionalen Mafia, der Camorra, behindern die Restaurierung. Vor einigen Wochen unterzeichnete Italien immerhin ein neues Abkommen mit der EU, um die Arbeiten zu beschleunigen. Der Fortschritt soll nun regelmäßig überprüft, die Ressourcen verdoppelt werden.

„Mitarbeiter, Behörden und Regierung müssen das Bewusstsein haben, dass die Herausforderung Pompeji alle angeht“, forderte Italiens Kulturminister Dario Franceschini. „Die Herausforderung von Pompeji ist eine nationale Herausforderung.“ Auch das Engagement der EU für den Erhalt Pompejis ist enorm, Regionalkommissar Johannes Hahn bezeichnete die Ausgrabungsstätte als „eines der Kronjuwelen von Europas Kulturerbe“. „Es steht viel auf dem Spiel, und wir tun unser Möglichstes, damit das Projekt Pompeji Erfolg hat“, ergänzte er.

Tourismus trägt zu Zerstörung bei

Im Jahr 2013 besuchten mehr als 2,4 Millionen Menschen das 66 Hektar große Gelände – auch der Tourismus trägt zur Zerstörung Pompejis bei. Seit 1997 gehört die Stadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Überreste gäben ein komplettes Bild der damaligen Gesellschaft, das weltweit ohne Beispiel sei, hieß es zur Begründung. Pompeji war im Jahre 79 bei einem Vulkanausbruch verschüttet und unter einer Ascheschicht für Jahrhunderte konserviert worden. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Gelände nach und nach für Besucher zugänglich gemacht.

Trotz des Rettungspakets der EU und Italiens fürchten Kritiker einen zweiten Untergang Pompejis und werfen der Regierung Schlamperei vor. „Ich weiß genau, dass die Augen der internationalen Gemeinschaft darauf gerichtet sind, was wir in Pompeji tun“, räumte Franceschini ein. Doch der Regierung fehlt an vielen Stellen das nötige Geld, um sich intensiver für den Erhalt Pompejis einzusetzen – zahlreiche Kultureinrichtungen des hoch verschuldeten Landes verfallen zunehmend. Dennoch ist der Minister optimistisch: „Dank guter Teamarbeit bekommen wir die Probleme Pompejis Schritt für Schritt in den Griff“, lobte er.