Archivierter Artikel vom 01.02.2016, 06:57 Uhr
Coolangatta

„Ich bin ein Start – Holt mich hier raus!“ – Menderes erobert den Dschungel-Thron

«Come on» – so sieht ein Gewinner aus: Mit Tränen in den Augen nimmt Sänger Menderes Bağci die Dschungelkrone entgegen. Der 31-Jährige kann es kaum fassen, dass das RTL-Publikum ihn im Finale der zehnten Staffel von «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» zum neuen «Dschungelkönig» gewählt hat.

81,11 Prozent der Zuschauer stimmen im Finale für ihn, ein starkes Ergebnis. Super-Menderes nennen ihn die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich bei seiner Krönung in der Nacht zum Sonntag. Er tritt die Thronfolge der einstigen «Glücksrad»-Buchstabenfee Maren Gilzer (55) an, die 2015 gewonnen hatte.

«Es ist ein unglaublich gutes Gefühl», erzählt Bağci tags darauf der Deutschen Presse-Agentur. «Es war eine unglaublich tolle Zeit im Camp und ich bin stolz drauf, dass ich das so überstanden habe.»

Der 31-Jährige wirkte im Dschungelcamp, das am 15. Januar gestartet war, stets ruhig, zuvorkommend und widerstandsfähiger als so mancher es erwartet hatte. «Ich hatte einige negative Phasen in meinem Leben. Die haben mich so geprägt und so belastet, dass ich die Phase, in der es mir wieder gut ging, viel mehr geschätzt habe», erklärt der Sieger. Bis dahin war Bağci nur durch sein ewiges Scheitern bei der Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» bekannt gewesen.

Nathalie Volk (19): Das Campküken wurde durch die Castingshow „Germany's Next Topmodel“ bekannt. Volks Auftreten dort galt als verbissen ehrgeizig. Wohl mit Erfolg: Sie arbeitet tatsächlich als Model – etwa für ein Dessous-Label – und entwirft nebenbei Schmuck.

Sophia Wollersheim (28): 2010 heiratete sie Rotlichtgröße Bert Wollersheim – kann sich „mit den Begebenheiten der Branche“ aber nicht anfreunden, wie es auf ihrer Homepage heißt. Sie singt und hat eine DJ-Ausbildung absolviert. Kameras scheinen für das It-Girl kein Problem zu sein: Die waren schon bei einer Schönheits-OP dabei.

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David Ortega (30): Der Schauspieler („Köln 50667“) mit spanischen Wurzeln erlebte schon bei „Big Brother“ Rund-um-die-Uhr-Überwachung. Nach eigener Aussage ist er ein Stück weit Macho, impulsiv und laut. Bei Frauen seien ihm das Äußere und „gewisse Intelligenz“ wichtig.

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Menderes Bagci (31): Er ist wie ein Running Gag bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Jedes Mal dabei, aber nie in der Hauptrunde – die Stimme überzeugte nicht. Auf seiner Homepage klingt das erfolgreicher. Unter 2010 steht etwa: „In der Jugendzeitschrift „hey!“ wird sogar ein erstes Poster von Menderes veröffentlicht.“

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Helena Fürst (41): Bei RTL hat sie erst als „Anwältin der Armen“ und später als „Kämpferin aus Leidenschaft“ Menschen zu Gerechtigkeit geholfen. Die Betriebswirtin will auch im Dschungel Klartext reden – weiß aber auch: „Manche Menschen haben damit ein großes Problem.“

Caroline Seidel/dpa

Jenny Elvers (43): Die Schauspielerin („Männerpension“) bezeichnete sich mal als „Queen-Mum der Luder“. Heute hat sie einen Sohn und beschreibt sich als bodenständig und humorvoll. Nach Alkoholabsturz, Scheidung und Negativschlagzeilen will sie „zeigen, wie ich bin“.

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Thorsten Legat (47): Der Ex-Fußballprofi wurde 2015 Trainer beim Landesligisten FC Remscheid. Dort fiel er vor allem mit saloppen Sprüchen („Man ballert sich den Arsch voll“) auf. Er sagt: „So wie ich mich einschätze, kann ich für alle im Camp ein Vorbild sein.“

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Brigitte Nielsen (52): Der Hollywood-Star ist als einzige Kandidatin in der deutschen Dschungelcamp-Geschichte ein zweites Mal dabei, hat sich die erneute Teilnahme im Sommer erspielt. 2012 überzeugte die die Schauspielerin mit guter Laune und gewann die sechste Staffel.

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Jürgen Milski (52): Er war bei der Deutschland-Premiere der Container-Sendung „Big Brother“ dabei. Das brachte ihm so viel Aufmerksamkeit, dass er seinen Job bei einem Autobauer an den Nagel hing und zum Moderator und Sänger unter anderem am Ballermann wurde.

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Ricky Harris (53): Ob als Moderator seiner täglichen Talkshow oder von Verkaufssendungen – der Amerikaner mit den Dreadlocks wirkt stets ein wenig schrill. Fürs Dschungelcamp kündigt er eine harte Seite an: „Da muss jetzt mal ein Mann reingehen, der sagt, wie es läuft und der alles mitmacht und alles mitfrisst.“

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Gunter Gabriel (73): Der Country- und Schlagersänger („Komm unter meine Decke“, „Hey Boss, ich brauch' mehr Geld“) hat viele Höhen und Tiefen erlebt: zwischen Millionen auf dem Konto und wirtschaftlichem Ruin, Alkohol, Drogen und vier Scheidungen. Das hat ihn wohl abgehärtet für Australien: „Da habe ich mich immer durchgekämpft.“

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Rolf Zacher (74): Sein Gesicht kennt vermutlich jeder TV-Zuschauer – vorzugsweise als markante Gangster-Visage. Der Schauspieler („Endstation Freiheit“) war im Knast und hatte Probleme mit Drogen. Zum letzten runden Geburtstag kündigte er an: „Ab 70 geht's los.“

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«Ich bin einfach völlig baff jetzt», sagt der «Dschungelkönig» direkt nach der Krönung im TV. «Das ist ein tolles Gefühl, dass man jetzt hier gewonnen hat, weil ich bisher noch nie was gewonnen habe.» Auf das Glas Sekt, das ihm gereicht wird, verzichtet er, weil er keinen Alkohol trinkt.

Mit dem Ausspruch «Come on» (dt.: Auf geht's) motivierte sich Bağci immer wieder bei seinen Dschungelprüfungen. Mit Erfolg: It-Girl Sophia Wollersheim (28) verdrängte er im Finale auf Platz zwei, Dritter wurde Ex-Fußballprofi Thorsten Legat (47).

Bei der Jubiläumsausgabe hatte RTL neue Regeln eingeführt: Es gab zeitweise zwei Camps – bislang waren alle Dschungel-Kandidaten stets in einem Pritschenlager zusammen gewesen. Und dieses Mal traten zwölf Kandidaten an – einer mehr als sonst.

Vielen wird nach der zehnten Staffel der Erfolgsshow neben den Finalisten auch TV-Anwältin Helena Fürst in Erinnerung bleiben, die sich zu einer Art ungekrönter Zoff-Queen entwickelte. Vor allem mit Thorsten Legat (sein Leitspruch: «Kasalla») lag die 41-Jährige im Dauerstreit. Die Fernsehfrau legte es erst gar nicht darauf an, besonders beliebt bei den Mitcampern zu sein. Sie landete immerhin auf dem vierten Platz.

8,6 Millionen TV-Zuschauer verfolgten das Finale der Show von 22.15 Uhr an. Das entsprach einem Marktanteil von 34,2 Prozent. Zuvor hatten die Zuschauerzahlen der zehnten Staffel, die am 15. Januar begonnen hatte, zwischen 6 und 8 Millionen geschwankt. Im Vorjahr hatten 7,43 Millionen Menschen das Finale eingeschaltet – der Schnitt der Vorjahres-Staffel lag bei 6,8 Millionen Menschen. Damals hatte es viel Kritik gegeben: zu oft Langeweile, zu wenig Kracher.

Casting und Dramaturgie seien in der jetzigen Staffel deutlich besser gewesen, sagt die Fernsehforscherin Joan Kristin Bleicher von der Universität Hamburg. Einzelne Teilnehmer wie Bağci hätten die Zuschauer überrascht – oder wie TV-Anwältin Fürst polarisiert. Aber es gibt auch Kritik: Immer gleiche Dschungelprüfungen hätten sich nach zehn Staffeln abgenutzt, resümiert Bleicher.

Einen bestimmten Lebenszyklus für Reality-TV-Shows wie das Dschungelcamp gebe es nicht, sagte die Journalistik-Professorin Margreth Lünenborg von der Freien Universität Berlin der «Augsburger Allgemeinen». Manche Sendungen würden nach der ersten Staffel abgesetzt, andere liefen über Jahre. «Aber der Peak, der Höhepunkt des Reality-TV, dürfte hinter uns liegen», sagte sie generell über solche Formate.

In den Dschungelcamp-Staffeln der vergangenen Jahre war so einiges vor den Kameras herumgeflogen und -gekrochen. 1,8 Millionen Kakerlaken, 705 Ratten und 800 000 Heuschrecken, wie die Moderatoren diese Woche in der Show aufzählten. Hinzu kamen 23 Tierhoden und: jede Menge Kopfschmerztabletten für die Teilnehmer.

RTL setzt weiter auf das Dschungelcamp: Nach Senderangaben ist für Januar 2017 nach derzeitigem Stand wieder eine Dschungelshow geplant. In diesem Sommer sei aber, anders als 2015, keine Variation vorgesehen. Bei «Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein!» hatte Schauspielerin Brigitte Nielsen gewonnen und sich damit das Ticket für das jetzige Dschungelcamp gesichert.

Von Anna Ringle, dpa