Archivierter Artikel vom 17.03.2015, 15:15 Uhr

Hollywood-Filmstar aus Idar-Oberstein: Bruce Willis wird 60

Idar-Oberstein/New York – Nicht allzu viele Amerikaner wissen, dass es Idar-Oberstein gibt. Geschweige denn, wie man es ausspricht. Einer kann es, und der ist sogar berühmt:Bruce Willis ist in dem Städtchen am Hunsrück geboren. Der Hollywoodstar hat nach wie vor enge Kontakte nach Deutschland – und einen Verwandten, den wirklich niemand von dem „Stirb langsam“-Star erwartet. Jetzt wird er 60.

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Eine lebende Legende: US-Schauspieler Bruce Willis feiert am 19. März 2015 seinen 60. Geburtstag. In seiner Rolle als John McClane im Thriller „Stirb langsam“ (1988) wurde er weltberühmt. Foto: dpa

„Die Hard“ – stirb langsam: Die Rolle, die ihm auf das Unterhemd geschneidert scheint. Inzwischen laufen Arbeiten für Teil 6. Nach dem von Fans etwas enttäuscht aufgenommenen fünften Teil hatte er gesagt, er hoffe, dass Polizist John McClane nach dem sechsten Teil in Rente gehen wird. Foto: dpa/picture alliance

Bruce Willis erblickte am 19. März 1955 in Idar-Oberstein das Licht der Welt. Foto: dpa

In Selfielaune: Bruce Willis und seine Frau Emma Heming 2014 beim Finale des Tennismasters US Open. Foto: dpa

Kurz nach diesem Bild von den 50. Filmfestspielen von Cannes 1997 kam die Trennung für Demi Moore und Bruce Willis, 2000 dann die Scheidung. Weil Tochter Rumer (26) bei „Dancing with the stars“ auftritt, waren sie gerade wieder gemeinsam zu sehen. Foto: dpa

Humor und situatives Augenzwinkern versprach der neue TV-Spot der Veltins-Brauerei, der am 14. März 2009 erstmals über Deutschlands TV-Bildschirme lief. Im Mittelpunkt stand das Werbeduo Rudi Assauer (links) und Bruce Willis – zwei sympathische „Machos“ in Paraderollen. Foto: obs/Brauerei C. & A. Veltins GmbH

US-Schauspieler Bruce Willis stellte im Februar 2013 in Berlin seinen neuen Film «A Good Day to Die Hard» vor. Foto: Britta Pedersen/dpa

Er ist die deutsche Stimme von Hollywood-Star Bruce Willis: Schauspieler Manfred Lehmann. Foto: dpa

Bruce Willis stellte im Juni 2010 in Frankfurt am Main sein erstes Parfüm vor.

Seit 2006 hat Bruce Willis einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Ein Actionstar ist Willis nur im Kino. Im Gesprächen ist er eher still. „Meine Mutter ist aus Kaufungen“, sagt er dann leise über die Kleinstadt in Nordhessen. Mutter Marlene hatte kurz nach dem Krieg einen amerikanischen Soldaten kennengelernt und 1955 wurde als erstes Kind der kleine Walter Bruce geboren. Zwei Jahre lebte der Junge in Deutschland, dann ging es nach Amerika. Einige Wochen nach seinem 50. Geburtstag kehrte er zurück nach Idar-Oberstein, trank ein Bierchen – und wurde von der Wirtin nicht erkannt. Bei der Feier zum 50. in Hollywood war er zum Botschafter seiner Geburtsstadt ernannt worden. Mama Marlene Willis las ihrem Sprössling die Urkunde aus Idar-Oberstein vor.

Bruce Willis erblickte am 19. März 1955 in Idar-Oberstein das Licht der Welt. Foto: dpa
Bruce Willis erblickte am 19. März 1955 in Idar-Oberstein das Licht der Welt.
Foto: dpa

Und dann war er in der Stadt. “Der eine könnte der Bruce Willis gewesen sein„, erzählte damals Angelika Lorenz, Inhaberin von “Kanthack's Pils-Eck„ in Tiefenstein. Erst am Tag darauf erfuhr sie aus der Zeitung, dass er es wirklich gewesen ist. Bruce Willis hatte sich sein Geburtshaus angesehen und Edelsteine gekauft – und war dann mit Begleitern in ihre Kneipe gekommen.

Mit Schirmmütze: Bruce Willis verlässt 2005 die Pilskneipe in Tiefenstein, in der erst nach dem Verbleib seines Biers gefragt und dann brav die sieben Minuten abgewartet hatte. Die Wirtin ahnte nicht, dass der Star aus Hollywood vor ihr stand. Fotos: BILD/Michael Guyonnet
Mit Schirmmütze: Bruce Willis verlässt 2005 die Pilskneipe in Tiefenstein, in der erst nach dem Verbleib seines Biers gefragt und dann brav die sieben Minuten abgewartet hatte. Die Wirtin ahnte nicht, dass der Star aus Hollywood vor ihr stand. Fotos: BILD/Michael Guyonnet

“Ein gutaussehender Mann„, so erinnerte sich Inhaberin Angelika Lorenz, habe bei ihr vier Kirner Pils bestellt. Der Mann, der Bruce Willis war, war offenbar ungeduldig. Er fragte schon bald nach dem Verbleib der Biere erkundigte: “Sie sind noch nicht ganz fertig. Ein gut gezapftes Pils dauert eben sieben Minuten„, erläuterte die 53-Jährige. Der Gast ging daraufhin wieder an seinen Tisch zurück und wartete brav auf das Eintreffen der Bestellung wartete. Ein Mann, der Bodyguard, wie ihr später klar wurde, fischte sich einen Lolli und Bonbons aus der für Kinder an der Theke aufgestellten Naschdose. Das Quartett verließ nach rund 20 Minuten die Gaststätte wieder.

An seinem Geburtshaus in der Keltenstraße hatte Willis die Bewohnerin Ilse Dreher sogar mit Lockenwickler im Haar erwischt, als er dort völlig überraschend vor der Tür stand. Bruce ließ sich mit seinem Vater David und seinem ebenfalls David heißenden Bruder auch jenes Zimmer im Keller zeigen, in dem er damals zwei Jahre mit seinen Eltern gewohnt hatte. Zur Erinnerung fotografierte er die bescheidene Unterkunft, in der die die Familie damals kurzzeitig sogar zu viert Bett und Tisch geteilt hatten. Das Angebot, noch eine Tasse Kaffee zu trinken, lehnte er in leidlichem Deutsch dankend ab und verabschiedete sich nach einer knappen Viertelstunde wieder.

2005: Plötzlich stand Bruce Willis vor der Tür bei Doris Busch (links) und ihrer Mutter Ilse Dreher. Das Porträt von ihm und seiner Mutter mit Widmung hatte die in Kassel geborene Mutter Marlene Willis bei einem früheren Besuch mitgebracht. Beim Besuch des Stars im Haus blieben die Kameras ausgeschaltet. Foto: Hosser
2005: Plötzlich stand Bruce Willis vor der Tür bei Doris Busch (links) und ihrer Mutter Ilse Dreher. Das Porträt von ihm und seiner Mutter mit Widmung hatte die in Kassel geborene Mutter Marlene Willis bei einem früheren Besuch mitgebracht. Beim Besuch des Stars im Haus blieben die Kameras ausgeschaltet.
Foto: Hosser

Wie war es ihm nach seinen ersten beiden Lebensjahren in Deutschland dann in den USA ergangen? War er dort schon bald der Star? Der Blender? Der coolste Schüler in der Klasse? Von wegen. Der schüchterne Bruce stotterte. Das Theaterspiel war nicht Leidenschaft, es war Therapie. Aus der Behandlung wurde eine Weltkarriere. Allerdings mit einem Umweg. Willis hatte sich zuvor in einem anderen Beruf versucht: Er war Privatdetektiv.

Als solcher wurde er auch bekannt in „Das Model und der Schnüffler“. Cybill Shepherd kannte damals jeder, aber wer war dieser große Dunkelhaarige (ja, damals hatte er noch welche) an ihrer Seite? Klar, er war vorher schon zu sehen, zum Beispiel als Randfigur in einer „Miami Vice“-Folge. Aber jetzt wurde Willis selbst zum Star und bekam einen Emmy und einen Golden Globe für seine Rolle als David Addison.

Nur selten rennt er im durchlöcherten Unterhemd durch den Film, während alles um ihn herum explodiert. Doch die „Stirb langsam“-Filme – im ersten jagte er deutsche Terroristen, die in der deutschen Synchronisation wieder irgendwie englisch wurden – haben nicht nur Willis berühmt gemacht, der New Yorker Polizist John McClane ist mittlerweile ein Stück Kulturgut. Das dreckige Unterhemd ist übrigens in Washington, im Museum für amerikanische Geschichte.

Klassiker wie „12 Monkeys“, „Das fünfte Element“, „Armageddon“ und „The Sixth Sense“ kamen dazu, und insgesamt haben die Filme des Bruce Willis etwa drei Milliarden Dollar eingespielt. Dabei ist er zuerst ein Familienmensch. Selten sah man ihn so glücklich wie im Mai des vergangenen Jahres, als seine jüngste Tochter geboren wurde. Fünf hat er – Rumer (26), Scout (23) und Tallulah (21) von Demi Moore, außerdem Mabel (fast 3) und Evelyn (im Mai 1) von Kollegin und Ehefrau Emma Heming, mit der er seit 2009 verheiratet ist.

Rumer ist selbst Schauspielerin, schon seit 1995 – da war sie gerade sieben. Wenn Willis darüber spricht, ist er ganz gerührt. Der Mann ist stolz auf seine Töchter. „Ich würde alles für sie tun“, sagt er.

Dabei hat man es manchmal nicht leicht mit der Verwandtschaft. Auch Bruces deutsche Verwandtschaft ist nicht leicht, wirklich nicht: Der Star ist mit Wilfried Gliem verwandt. Kennen Sie nicht? Kennen Sie doch: Das ist der bärtige Dicke der beiden „Wildecker Herzbuben“.

Die Verwandtschaft in Deutschland: Herzbube Wilfried Gliem (links) hat familiäre Bande mit dem "Die Hard"-Star. Foto: dpa
Die Verwandtschaft in Deutschland: Herzbube Wilfried Gliem (links) hat familiäre Bande mit dem “Die Hard"-Star.
Foto: dpa