Archivierter Artikel vom 13.04.2015, 19:22 Uhr
Interlaken

Erich von Däniken: Herr der Außerirdischen wird 80

Die Götter müssen Erich von Däniken mögen. Abgesehen von ein paar Zipperlein kann der Schweizer Bestsellerautor seinen 80. Geburtstag heute bei guter Gesundheit feiern. „Dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt er bei einem Besuch in seiner Werkstatt im malerischen Alpenstädtchen Interlaken.

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Von Thomas Burmeister (dpa)

„Ich rauche immer noch, und ich kann noch jeden Abend mein Fläschchen Bordeaux genießen.“ Verdientermaßen, denn tagsüber arbeitet Erich von Däniken immer noch hart.

Die Spuren der Götter

Unbeirrt wie vor einem halben Jahrhundert forscht und schreibt er auf den Spuren der Götter. Oder besser gesagt: der Astronauten aus fernen Welten. In grauer Vorzeit – so seine Hypothese – haben sie unseren Planeten besucht und die Erdweibchen durch künstliche Befruchtung zu Urmüttern der intelligenzbegabten Menschen gemacht. Intelligent, aber damals halt noch unwissend, weshalb sie die mächtigen Leute mit den Glashelmen über dem Kopf zu Göttern verklärt haben.

Der Schweizer Koch, Hotelier und damals noch Hobbyforscher von Däniken verblüffte die Welt mit seiner Deutung uralter Überlieferungen. Sein erstes Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ löste ein Science-Fiction-Fieber aus. Monatelang hielt sich das Werk in den Bestsellerlisten. Seine Theorien gingen um die Welt. Die „New York Times“ sprach vom Ausbruch der „Dänikenitis“.

Zum internationalen Erfolg trug bei, dass von Däniken seine Ansichten unterhaltsam mit Humor und Augenzwinkern darlegte. Schon in der Schule hatte der in Zofingen geborene Sohn eines Kleiderfabrikanten vieles infrage gestellt, was er im Latein- und Griechischunterricht bei Übersetzungen aus dem Alten Testament las.

Zum Beispiel den Bericht des Propheten Ezechiel über die Erscheinung Gottes auf dem Berg Sinai in einem Gebilde aus Rauch und Feuer. „Wie konnte es denn sein, dass ein allmächtiger Gott ein Fahrzeug brauchte, um sich fortzubewegen?“, fragt von Däniken in seiner Werkstatt, wo er unter anderem Tausende von Dias und ungezählte Aufzeichnungen rätselhafter Erscheinungen aus aller Welt zusammengetragen hat. Für den Götterforscher war das, was Ezechiel beschrieb, „nichts anderes als die Landung eines Raumschiffs“.

Glaubt er das alles heute noch, mit 80 Jahren? „Vehementer denn je“, sagt der breitschultrige Mann, der gern leuchtend blaue Sakkos trägt. „Es kommen doch immer neue Indizien hinzu.“ Die gilt es zu deuten. Die „Dänikenitis“ mag abgeklungen sein, aber unzählige Menschen verschlingen alle neuen Werke des Gottentlarvers. 38 Bücher sind es inzwischen. Gesamtauflage: rund 67 Millionen Exemplaren.

Massive Kritik für seine Hypothesen

Für seine Hypothesen ist der Schweizer oft massiv kritisiert und als Scharlatan oder gewissenloser Märchenonkel angefeindet worden. Dass er Fehler gemacht hat, manches ungeprüft und kritiklos aus zweifelhaften Quellen übernommen hat, räumt er ein.

Kraft tankt er zu Hause. Auf dem Beatenberg hat er ein Haus mit einem göttlichen Blick über Alpengipfel samt Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. „Ich bin seit 56 Jahren mit derselben Frau verheiratet“, erzählt er. Der gemeinsame Sonntagsbraten ist eine Familientradition. „Am Ende mache ich immer Händchenhalten und sage zu meiner Frau: Du, Elisabeth, gib mir noch ein wenig Zeit. Aus mir wird schon noch was.“