Archivierter Artikel vom 14.09.2011, 17:46 Uhr
Köln

Einstand mit Biss: Dirty Harry ist zurück

Harald Schmidt ist wieder da. Der bissige, der gute, der alte. Der Schmidt, der die Grenzen des guten Geschmacks bis zuletzt ausreizt. Dirty Harry ist zurück. Als wäre er nie weg gewesen, gibt er nach acht Jahren sein Comeback bei Sat.1 und hat die Behaglichkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens abgelegt. Die Fans danken es ihm.

Wieder da: Harald Schmidt
Wieder da: Harald Schmidt
Foto: dpa

Köln – Harald Schmidt ist wieder da. Der bissige, der gute, der alte. Der Schmidt, der die Grenzen des guten Geschmacks bis zuletzt ausreizt. Dirty Harry ist zurück. Als wäre er nie weg gewesen, gibt er nach acht Jahren sein Comeback bei Sat.1 und hat die Behaglichkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens abgelegt. Die Fans danken es ihm: Rund 1,39 Millionen (11,6 Prozent Marktanteil) schalteten ein.

Schon zum Beginn der Sendung wurde deutlich, dass Harald Schmidt brannte. Als wollte er die Kritiker verstummen lassen und sich selbst und der Welt noch einmal beweisen, dass er der deutsche Altmeister der Late-Night-Show ist. Schmidt wirkte frisch, erholt und hatte durchweg gute Laune. Ein Bild, das es zuletzt im Ersten nur noch selten gab.

Und so teilte er in seiner starken Einleitung auch kräftig aus. Allen voran bekam Günther Jauch sein Fett weg. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass es wie ,Stern TV’ gewesen sein soll. Es gab keine Tiere – nicht mal einen Hund, der den 11. September überlebt hat“, witzelte Schmidt. Auch Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich für 3 Millionen Euro eine Villa in den USA gekauft hat, ging nicht leer aus. „Guttenberg lässt dort ... Pardon! ... will dort ein Buch schreiben. Der Titel ist noch nicht bekannt, es soll aber von einem Zauberlehrling aus Hogwarts handeln.“ An die Grenzen des guten Geschmacks ging aber ein Einspieler zu Beginn. Anne Will erbrach sich darin auf den Fernseher, als sie Jauch auf ihrem alten Sendeplatz sah.

Zu Gast war Entertainer Hape Kerkeling (46), doch Olli Dittrich (54) als Überraschungsbesucher stahl ihm die Show. Schmidt und Dittrich erzählten sich alte Kalauer, sinnierten über den Gemüsebrüheautomaten von Rudi Carell und parodierten die Legende der Fernsehunterhaltung – eine nette Hommage an den verstorbenen Altmeister. „Rudi hätte gesagt, nach zehn Jahren kann man die Witze noch mal erzählen“, scherzte Dittrich.

Trotz des hervorragenden Einstands ist Schmidt noch nicht bis an seine Leistungsgrenze gegangen. In der Show fehlte die Zeit für Spontaneität und Spiele. Immer wenn Dirty Harry improvisiert, zeigt sich das wahre Genie von Harald Schmidt.

Von unserem Reporter Christian Weihrauch