Archivierter Artikel vom 17.01.2011, 08:29 Uhr
Köln

Dschungelshow – Die Reste-Rampe des Ruhms

Rainer Langhans war mal wer. Sarah Knappik war es nie. Langhans war Bürgerschreck, Kommunengründer, Prototyp der wilden 68er. Sarah Knappik – schwer zu sagen. Sie trat mal erfolglos in Heidi Klums Model-Show auf, mehr war da nicht. Doch nun: Vor dem Dschungel sind alle gleich...

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Der Kölner Privatsender RTL schickt in diesem Jahr elf Kandidaten in sein TV-Dschungelcamp mit dem Titel «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!». Wir stellen sie vor.

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Der Alt-Kommunarde Rainer Langhans (70) ist ebenso dabei…

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… wie Schauspieler Mathieu Carrière (60)…

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…und Eva Jacob (r), mit 67 Jahren die jüngste der drei noch lebenden Jacob Sisters.

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Die weiteren Kandidaten, die beim Start dabei sind: Model Gitta Saxx (45)…

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…Schauspielerin Katy Karrenbauer (48)…

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…Sängerin Indira (31)…

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…Model Sarah Knappik (24)…

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…Sänger Jay Khan (28)…

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…Schwimmer Thomas Rupprath (33)…

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…Wedding-Planner Frank Matthée (42)…

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….und Moderator Peer Kusmagk (l) (35).

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Köln. Rainer Langhans war mal wer. Sarah Knappik war es nie. Langhans war Bürgerschreck, Kommunengründer, Prototyp der wilden 68er. Sarah Knappik – schwer zu sagen. Sie trat mal erfolglos in Heidi Klums Model-Show auf, mehr war da nicht. Doch nun: Vor dem Dschungel sind alle gleich, Langhans und Knappik, Mathieu Carrière und Eva Jacob, Indira Weis und Gitta Saxx. Sie alle sind Gestrandete im Strom des Promi-Lebens. Sie sitzen jetzt in Australien auf feuchten Pritschen in einer zur Dschungel-Simulation umgebauten Farm, umgeben von saftigem Grün, ein paar Tieren und zwei grandiosen Lästermäulern, die die ganze Chose moderieren.

Der Jahrmarkt der Eitel- und Ekligkeiten ist eröffnet. Der Kölner Privatsender RTL startete mit Sensationsquote (7,28 Millionen Zuschauer, Marktanteil 28,2 Prozent) in die fünfte Staffel seiner Ruhmes-Reste-Rampe, in der diesmal elf sogenannte Prominente um Zuschauergunst und Essensrationen kämpfen. Und vor allem um Gagengeld, das sie dringend brauchen. Das darf man so schonungslos und indiskret festhalten, denn ihre Würde haben alle Ex-Stars in Deutschland gelassen. Mitleid verbietet sich. Sie alle wissen, worauf sie sich hier eingelassen haben.

Noch in keiner Staffel wurden die wahren Beweggründe so offen diskutiert und bespöttelt wie diesmal – und zwar nicht von medienkritischen Medien im Heimatland, nicht von TV-Zynikern, Kritikern, Kommentatoren oder Satirikern, sondern von der Sendung selbst. Genauer: von den beiden Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach, die so böse wie nie den kümmerlichen Rest an Bedeutung ihrer Lagerinsassen demontieren, dass das Zuschauen zur schadenfrohen Freude wird.

Denn in Wahrheit geht es genau darum: Es geht nicht um eklige Dschungelprüfungen, in denen fieses Getier geschluckt werden muss. Klar, diese Momente hat die Show auch, und sie ist zu Recht deswegen umstritten. Bei den oft spektakulär inszenierten Prüfungen, bei denen von Zuschauern ausgewählte „Promis“ um das Essen für die Gruppe kämpfen, werden Grenzen verletzt, mindestens die des guten Geschmacks; vom Tierschutz ganz zu schweigen.

Interessanter ist aber, was Bach und Zietlow daraus machen, wie hemmungslos sie über die verarmten Ex-Berühmtheiten herziehen. Über den notorisch aufgedrehten Hochzeitsplaner Frank „Froonck“ Matthée etwa: „Aber warum ist der Froonck jetzt hier? Ist Froonck etwa bloonk? Hat er kein Geld auf der Boonk?“ Vielen Doonk.

Hübsch auch, dass Dirk Bach immer wieder nach dem Nachnamen dieser Sarah fragt, um dann zu murmeln „Kenn' ich nicht“: Man muss sich über die fehlende Prominenz dieser Promis nicht mehr lustig machen, wenn es die Show schon selbst tut. Hier kommt die Glamour-süchtige deutsche Mediengesellschaft bei sich selbst an, also ganz unten – in der vegetationsreichen Abwesenheit von Glamour werden konstruierte Stars der Marke Indira Weis oder Jay Khan, die in Castingshows erst „gemacht“ wurden, wieder vom wackligen Sockel gerissen. Keine andere Show leistet das. Überall sonst wird die Prominenz auch dann noch behauptet, wenn sie nur noch eine Farce ist – siehe „Promi-Dinner“, siehe „Let's dance“ und andere Merkwürdigkeiten.

Höchstens Langhans ist ein Sonderfall – und er macht sich zum Sonderling, streift einsam durchs Camp, schaut griesgrämig in den Busch, entzieht sich der zickigen Gruppendynamik, so wie sich seine Lockenpracht wegen der hohen Luftfeuchtigkeit jeder Bändigung entzieht. Doch dann zieht er gegen seine Anti-Tierquäler-Überzeugung seine Kakerlaken-Prüfung durch: Der Dschungel macht eben alle einst großen Stars gleich klein.

Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke