Archivierter Artikel vom 14.11.2014, 07:08 Uhr
München

„Der Alte“ – jetzt ist er wirklich alt: Rolf Schimpf feiert 90. Geburtstag

Gut sieben Jahre ist es her, da war Rolf Schimpf zum letzten Mal „Der Alte“. Mit 83 Jahren verabschiedete er sich im Dezember 2007 aus der ZDF-Krimiserie, in der er als Hauptkommissar Leo Kress 20 Jahre lang Verbrecher in München gejagt hatte. „Ich habe es für richtig gehalten aufzuhören, nachdem der Altersunterschied zwischen der Rolle und mir so groß wurde, wie er jetzt ist“, hatte er damals den Ausstieg aus der Kultserie begründet.

„Der Alte“ und sein Team: Rolf Schimpf (vorn) als Hauptkommissar Leo Kress mit (von links) Ulf J. Söhmisch (Polizeiarzt), Michael Ande (Kommissar Heymann), Markus Böttcher (Kommissar Riedmann) und Pierre Sanoussi-Bliss (Kommissar Richter). Fast 21 Jahre blieb der „Alte“ als TV-Polizist im Dienst. Am 14. November 2014 feiert er seinen 90. Geburtstag. Foto: dpa

Rolf Schimpf verkörperte fast 21 Jahre lang Hauptkommissar Leo Kress.Am 14. November 2014 feiert er seinen 90. Geburtstag. Foto: dpa

„Der Alte“ und sein Asisstent: Rolf Schimpf (rechts) als Hauptkommissar Leo Kress mit Michael Ande als Kommissar Heymann. Foto: dpa

Dreharbeiten zur Folge „Das Attentat“ der ZDF-Krimiserie „Der Alte“ im September 1985 in München: Michael Ande als Gerd Heymann, Charles M. Huber als Henry Johnson und Rolf Schimpf als Hauptkommissar Leo Kress. Foto: dpa

Rolf Schimpf. Foto: dpa

Rolf Schimpf (links) alias Hauptkommissar Leo Kress und Michael Ande als Kriminalassistent Gerd Heymann stehen am 27. April 2004 in München für die 300. Folge der ZDF-Krimiserie „Der Alte“ mit dem Titel „Der Tangomord“ vor der Kamera. Foto: dpa

Mit feinem Lächeln, Einfühlsamkeit und Beharrlichkeit hat Rolf Schimpf (rechts) als Münchner Hauptkommissar Leo Kress in mehr als 220 Fällen für die ZDF-Reihe ermittelt. 2007 ging er in Pension. Nicht nur für deutsche Zuschauer endete damit eine Ära. In Abu Dhabi, Brasilien und Südafrika ist Schimpf ebenso bekannt wie in Italien, Frankreich und anderen europäischen Ländern. Die Ermittlungen übernahm Walter Kreye. Foto: dpa

„Wenn man 82 ist, hat man Hemmungen zu behaupten, man wäre 65 und sei kurz vor der Rente.“ Seitdem ist es ruhig geworden um den gebürtigen Berliner, der heute 90 Jahre alt wird. Ein Interview will der Münchner nicht geben.

Unauffällig, zurückhaltend, dabei gelassen und Bösewichten gegenüber unerbittlich – so beschrieb das ZDF den Hauptkommissar Kress. Sein Lebensinhalt: der Kampf gegen das Verbrechen. Ein bisschen mag das auch auf Schimpf selbst zutreffen, hatte er sich in den zwei Jahrzehnten als TV-Polizist doch einige Kenntnisse angeeignet. „Ich stelle mir einfach vor, ich wäre tatsächlich Kriminalbeamter, ohne natürlich gleich zu beamtenhaft zu wirken“, beschrieb er im Jahr 2000 nach 15 Dienstjahren seine Einstellung zu der Rolle.

Vier Jahre später fühlte er sich der Polizei noch mehr verbunden: „Wenn einer einen Revolver in der Hand hat und redet von einer Pistole, dann reißt es mich“, sagte er anlässlich seiner 200. Folge. In seine Ermittlererfahrung habe er so großes Vertrauen, dass er sich zweifellos zutrauen würde, auch im echten Leben einen Mord zu lösen. „Er ist, was man im altmodischen Sinne verschmitzt nennen würde“, beschreibt Schauspieler Pierre Sanoussi-Bliss seinen Kollegen. Gut zehn Jahre lang war Schimpf alias Leo Kress sein Chef in der auch international erfolgreichen Krimiserie.

Sanoussi-Bliss beeindruckte vor allem die Disziplin des fast 40 Jahre älteren Kollegen. „Ich habe ihn bewundert, wie er in seinem Alter durchgehalten hat, mit welcher eisernen Disziplin er sich durch Tage gekämpft hat, wenn es ihm mal nicht so gut ging“, erinnert sich Sanoussi-Bliss alias Axel Richter. Er hat die gemeinsame Zeit in guter Erinnerung, nicht zuletzt, weil Schimpf ihm schon am ersten Drehtag das Gefühl gegeben habe, Teil des Teams zu sein.

Dabei kam Schimpf seine Berufserfahrung zu Hilfe. Schon in den 1950er-Jahren stand er auf der Bühne und vor der Kamera. Im „Tatort“ spielte er ebenso mit wie in fast 50 Folgen der Krimiserie „Soko 5113“. Ein Glück war die Begegnung mit Helmut Ringelmann. Der Münchner Produzent holte Schimpf erst 1984 für die Samstagabendserie „Mensch Bachmann“ und dann 1986 für „Der Alte“ als Nachfolger von Siegfried Lowitz alias Kriminalhauptkommissar Köster. Allerdings sei seine Karriere als Schauspieler reiner Zufall gewesen, verriet Schimpf einmal. Eigentlich wollte er Arzt werden, bekam aber nach dem Zweiten Weltkrieg keinen Studienplatz. Auch die Forstwissenschaften interessierten ihn. Doch dann sei ihm dieses Studium als zu anstrengend und zu lang erschienen. So landete er beim Theater. „Da war's dann gelaufen, da wusste ich dann, wo ich hingehöre!“

Trotz seines Erfolgs gibt sich Schimpf, der 1968 die Schauspielerin Ilse Zielstorff heiratete, bescheiden: „Berühmtheit ist reine Glückssache. Man muss versuchen, anständige Arbeit abzuliefern“, sagte er mal auf die Frage, was er jungen Schauspielern raten würde. „Wenn man Glück hat, kommt eine schöne Aufgabe auf einen zu. Dann muss man allerdings auch zupacken. Ich habe es getan und bin heute zufrieden.“