Archivierter Artikel vom 30.09.2011, 15:16 Uhr

Caro Emerald: Typisch holländisch!

Caro Emerald aus Amsterdam sieht nicht aus wie die Klischeeholländerin Frau Antje aus der Werbung: keine Holzschuhe, kein weißes Flügelhäubchen, pechschwarze Haare statt blonder langer Zöpfe. Ein Vorurteil bestätigt die Sängerin im Interview mit uns dann aber doch noch.

Lesezeit: 8 Minuten
Foto: dpa

Frau Emerald, mit Holländern verbinden wir Tulpen, Käse, Windmühlen – und Wohnwagen. Haben Sie auch so ein Ding?

(lacht lauthals) Nein, ich habe keinen Wohnwagen – ich habe ein Wohnmobil! Ein ganz schönes, großes Wohnmobil.

Wunderbar! Das reicht bestimmt auch, um mir zu erklären: Warum machen Holländer so gern Campingurlaub?

(lacht) Wissen Sie was: Bis vor Kurzem wusste ich gar nicht, dass es dieses Klischee über uns Holländer überhaupt gibt. Ich dachte immer, es sind die Deutschen, die so gern Campingurlaub machen. Ich weiß nicht so genau, warum es viele Holländer mit Wohnwagen und Wohnmobil gibt. Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht … (überlegt) Also der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann: In Holland sind wir sehr viele Menschen auf engem Raum in einem kleinen Land. Also glaube ich, der Drang rauszukommen, raus in die Natur, ist bei uns einfach sehr groß. Das ist die einzige Erklärung, die ich habe.

Was mögen Sie denn so am Campingurlaub?

Ich liiiebe es einfach, Urlaub mit meinem Wohnmobil zu machen! Und ich dachte wirklich, ich bin da einzigartig … (lacht)

Oh nein, es gibt gerade im Sommer sehr viele von Ihrer Sorte auf deutschen Autobahnen …

(lacht) Ja, ich weiß, wir mit unseren gelben Nummernschildern. Aber ich muss klarstellen: Ich mag keine Wohnwagen. Da gibt es ganz klar zwei Campingfraktionen. Und ich gehöre zu der mit den Wohnmobilen. So ein Wohnmobil, das ist etwas ganz anderes als ein Wohnwagen. Viel besser! (lacht)

Ok. Also Wohnmobil. Dann brechen wir jetzt einmal eine Lanze für die Holländer und ihre Campingvorliebe. Was ist so toll am Campingurlaub mit dem Wohnmobil?

Also erstens ist da die Freiheit. Ich mag sehr am Reisen mit dem Wohnmobil, dass man absolut frei ist. Man kann hinfahren, wohin man will. Man kann übernachten, wo man will. Man kann so lange an einem Ort bleiben, wie man will. Es steht nur fest, wann man wieder zu Hause sein muss.

Zweitens?

Zweitens: Was ich total hasse – und eigentlich muss das doch jeder doof finden -, ist, wenn man im Urlaub nur Leute aus dem eigenen Land trifft. Und wenn ich einen Urlaub buche mit einem Flug, dann fliege ich in Holland ja nur mit anderen Holländern los. Außerdem hasse ich es zu fliegen. Das ist ein großes Problem bei meiner Arbeit. (lacht) Also wenn ich es mir aussuchen kann, dann fliege ich nicht zu Terminen, sondern fahre mit dem Zug oder dem Auto.

Aller guten Dinge sind drei. Gibt es noch ein Drittens?

Ähm … (überlegt) Ja! Drittens: das Fahren mit dem Wohnmobil an sich. Wenn man mit dem Wohnmobil fährt, dann ändert sich alles um einen herum ganz langsam. In Holland ist es noch ganz flach, ohne Berge. Dann fährt man zwei Stunden und sieht den ersten Berg, dann den nächsten. Es werden immer, immer mehr. Und man sieht mit dem Wohnmobil viel mehr von dem Land, in dem man ist. Denn wenn man fliegt, dann landet man nur auf einem Flughafen, nimmt ein Taxi zum Appartement oder Hotel, und da bleibt man dann. Aber wenn man mit dem Wohnmobil herumfährt, sieht man das Land, jede kleine Ecke.

Dafür wird man beim Camping nicht bedient wie im Hotel. Man muss selbst die Betten machen, selbst kochen …

Ach, wissen Sie, für die Arbeit bin ich ganz oft in Hotels. Ich genieße das schon sehr, denn ich bekomme richtig, richtig tolle Zimmer – mit Badewanne! Ich habe nämlich keine Badewanne zu Hause. Und es gibt tolles Essen. Und ich kann den Zimmerservice rufen. Ich genieße das sehr, und so ein Campingurlaub steht da in totalem Kontrast. Aber das mag ich auch. Wenn ich beim Camping keine Lust habe zu kochen, dann kann ich mir ja immer noch ein nettes Restaurant suchen. Und am nächsten Tag koche ich dann eben wieder was auf meinem winzig kleinen Herd in meiner winzig kleinen Küche im Wohnmobil (lacht). Ja, auch dieses einfache Leben mag ich sehr.

Sie brauchen also keinen Luxus?

Mhm, ich weiß nicht. Meine Mutter sagt immer, ich lebe ein Leben mit viel Luxus. Keine Ahnung, wie sie darauf kommt. Ich finde nicht, dass ich Luxus brauche (lacht). Gutes Essen, guter Wein, das ist mein Luxus. Und in gewisser Weise auch Reisen mit dem Wohnmobil. Mein Wohnmobil ist sehr komfortabel. Alles, was man so braucht, ist da. Also ich nehme am liebsten ein bisschen von beidem. Ein bisschen Luxus, ein bisschen Campingurlaub. Ich mag nur nicht diesen Klischeeurlaub.

Sagen Sie, wird Campen in Holland vielleicht anerzogen? Haben Ihre Eltern mit Ihnen schon Campingurlaub gemacht?

Na ja, sie sind damals mit mir mit dem Fahrrad in den Urlaub gefahren – zum Zelten! (lacht) Daran kann ich mich noch gut erinnern. Ich galt in der Schule deshalb immer als Freak, denn alle coolen Kinder sind mit ihren Eltern nach Frankreich oder so gefahren. Und ich war mit meinen Eltern auf verregneten Campingplätzen in Holland – mit dem Fahrrad!

Diese Campingplätze meiden Sie jetzt mit ihrem Wohnmobil?

(lacht) Ich fahre jetzt sehr gern nach Italien und nach Frankreich. Ja, das sind meine beiden Favoriten. Ach, aber wenn man fährt, dann kommt man durch so viele schöne Länder mit tollen Landschaften. Dieses Jahr ging es durch Frankreich, nach Italien, dann zurück durch die Schweiz und Deutschland. Überall haben wir ein bisschen Urlaub gemacht, das war sehr schön.

Wo in Deutschland haben Sie Ihr Wohnmobil denn schon geparkt?

Oh, ich war ja erst dieses Jahr in Deutschland. Aber wo war das noch? (überlegt) Es gab auf jeden Fall viel Bier … (überlegt weiter) Ich weiß es nicht mehr. Es war irgendwo mitten im Nichts. (lacht) Aber bei Ihnen in der Gegend war ich auch schon: an der Mosel!

Oh, wirklich?

Ja, vergangenes Jahr sind wir in Rheinland-Pfalz an der Mosel herumgefahren. Allerdings nicht mit dem Wohnmobil, sondern mit dem Auto. Wir haben nach diesen „Zimmer frei“-Schildern Ausschau gehalten und sind dann dort eingekehrt. Das war sehr schön und irgendwie ja auch ein bisschen wie Campingurlaub. Wir sind viel herumgereist, waren jeden Tag woanders. Wir haben in den privaten Räumlichkeiten der Vermieter frühstücken dürfen. Herrlich! Und das Beste: Der Vermieter war meist auch Besitzer eines Weingutes, und da haben wir dann immer gleich noch einige Kisten Wein mitgenommen.

Werden Sie beim Urlaub auf den Campingplätzen eigentlich erkannt?

Das versuche ich zu vermeiden, indem ich Holländern aus dem Weg gehe.

Oh, das ist aber doch schwierig …

Na ja, in Italien ist das nicht ganz so schwer. Denn viele Italiener lieben Campingurlaub. Die Campingplätze sind voll mit Italienern. Aber in Deutschland oder in der Schweiz, ja, da ist das echt kompliziert. Ein wahrer Sport! (lacht) Ich erinnere mich noch an eine Situation, als ich mit meinem Freund in der Schweiz war: Wir haben unser Wohnmobil auf den Campingstellplatz gestellt und unsere Markise ausgefahren – und dann haben wir gemerkt, dass die Markise ein bisschen auf den Nachbarplatz herüberragt und dass wir sie besser auf der anderen Seite ausgefahren hätten. Denn wir saßen total auf dem Präsentierteller. Die Nachbarn konnten uns beim Essen auf die Teller gucken! (lacht) Zum Glück waren sie Deutsche. Also das war immer noch eine unangenehme Situation, aber immerhin kannten sie mich nicht.

Glück gehabt!

Na ja, sie sind am nächsten Tag abgereist. Den ganzen Tag, als der Platz frei war, habe ich gehofft und gehofft, dass keine Holländer kommen. Und dann abends um acht Uhr, wir saßen gerade beim Abendessen, kam eine ganze holländische Familie angereist. (lacht) Ich konnte ja nicht einfach aufstehen und wegrennen, das hätte blöd ausgesehen. Also saß ich da und habe meinen Kopf hängen lassen und auf den Boden geguckt, in der Hoffnung, dass sie mich nicht erkennen.

Und, haben sie Sie erkannt?

Ja, ich vermute schon. Sie haben nichts gesagt, aber bei Holländern kann ich mir immer sehr sicher sein, dass sie wissen, wer ich bin.

Sie sollten so einen großen Sonnenhut kaufen und den demnächst ins Gesicht ziehen.

Oh ja, das ist eine gute Idee! Merke ich mir für den nächsten Campingurlaub! (lacht)

Sie haben es ja gerade erwähnt: Hier in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern kennt man Sie noch nicht so lange. Sie sind erst Anfang des Jahres mit dem Song „A night like this“ bekannt geworden. In den Niederlanden sind Sie dagegen schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich. Gibt’s die Angst, im Ausland als „One Hit Wonder“ zu enden?

Nein. Nein, überhaupt nicht. Nicht mehr. Ich war in ganz Europa schon unterwegs. Aber wenn ich einmal England als Beispiel nehme: In England, auf diesem sehr schwierigen Musikmarkt, da hatte ich zwar keinen Hit, doch mein aktuelles Album war für zehn Wochen in den Top-Ten-Album-Charts. Also war im Grunde das ganze Album erfolgreich und nicht nur einzelne Lieder. So ähnlich ist es überall gelaufen. Ich habe damit Frieden geschlossen. Natürlich zweifelt man am Anfang, ob es nur einen Hit geben wird und dann wieder alles vorbei ist. Aber das glaube ich heute nicht mehr.

Wie sieht denn die „Night like this“, die perfekte Nacht für Caro Emerald, aus?

Die perfekte Nacht für mich? Mhm … (überlegt) Eine romantische Nacht vielleicht. Das ist sehr einfach. Da brauche ich nur meinen Freund, denn wo immer er ist, ist es romantisch. Wir würden wahrscheinlich zusammen essen gehen, dann in die Stadt etwas trinken oder einen Spaziergang machen – ach, es ist eigentlich egal, wo wir sind und was wir machen. Auf einem Campingplatz in Campingstühlen vor dem Wohnmobil sitzen – auch das kann die perfekte Nacht sein. (lacht)

Ein Video von Caro Emerald finden Sie im Internet unter http://ku-rz.de/17sg

Von unserer Reporterin Anna Lampert