Archivierter Artikel vom 26.02.2012, 10:35 Uhr

Bärbel Schäfer, die Durchschnittfrau

Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitetet Bärbel Schäfer vor und hinter der Kamera. Seit vielen Jahren bringt sie Karriere und Familie unter einen Hut. Wir haben uns mit ihr nach dem Frühstück zum Telefoninterview verabredet und reden über die Medienwelt und Modelmaße, Mamasein und Altwerden.

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Bärbel Schäfer.
Bärbel Schäfer.
Foto: DPA

Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitetet Bärbel Schäfer vor und hinter der Kamera. Seit vielen Jahren bringt sie Karriere und Familie unter einen Hut. Wir haben uns mit ihr nach dem Frühstück zum Telefoninterview verabredet und reden über die Medienwelt und Modelmaße, Mamasein und Altwerden.

Frau Schäfer, was haben Sie vorhin gefrühstückt?

Ein Müsli mit Banane und Vollkornbrot.

Das klingt aber gesund! Und das gibt’s bei Ihnen jeden Tag?

Nee, ich habe mir das Frühstücken gerade erst angewöhnt. Frühstücken war bei mir lange Zeit nicht normal. Ich war immer jemand, der morgens nicht so gern etwas isst.

Ich habe das immer vernachlässigt und dann in der Redaktion oder am Computer angefangen zu naschen. Das umgehe ich neuerdings, indem ich frühstücke.

Waren Sie zufrieden mit dem, was Ihnen Ihre Waage zuletzt angezeigt hat?

Ja. (lacht)

Na ja, viele Frauen hadern ja mit Gewicht und Figur …

Ich war nie unzufrieden. Ich habe mich auch noch nie mit Diäten oder so beschäftigt. Aber wenn ich jetzt mit den Kindern zusammen beim Sport oder in der Musikschule bin – und das kennen wahrscheinlich ganz viele Frauen –, dann sitzt man da und isst die halben Donuts auf, die die Kinder liegen lassen.

Das habe ich nicht mehr mit ausreichend Sport ausgeglichen und jetzt mal wieder mit dem Laufen angefangen. Ich plane das auch fest in den Kalender ein und mache nicht nur Sport, wenn ich einfach nur Lust habe. Denn Lust hat man ja nicht immer.

Wow, das klingt sehr diszipliniert. Bei Ihnen kommt nie ein Brötchen mit Schokocreme auf den Tisch?

Nee, ich bin sowieso kein Fan von Schokocreme auf Brot. (lacht) Marmelade oder Putenbrust oder Quark ist bei mir jetzt angesagt.

Sie standen früher täglich in Ihrer Talkshow vor der Kamera. Wie war das da: Haben Sie bewusst auf Figur und Ernährung geachtet?

Also Fernsehen macht ja bekanntlich ein bisschen kräftiger. Aber ich glaube nicht, dass ich für jemanden stehe, der eine ganz, ganz runde oder kräftige Figur hat. Ich stehe für die normale Durchschnittsfrau. Ich habe zwei Kinder bekommen, und nach einer Schwangerschaft ist es dann so, dass schon mal vier, fünf, sechs Kilo hängen bleiben.

Wenn man dann schnell wieder in den Beruf einsteigt, kümmert man sich um alles andere, aber nicht darum, sich selbst auch so ein bisschen zu umsorgen. Auf jeden Fall nicht, wenn man so wenig Zeit hat.

Wie wichtig sind Äußerlichkeiten für Sie?

Herzenswärme, Humor und innere Werte sind hundertmal wichtiger, als in ein Kleid der Größe 38 zu passen, aber wenn dann beides zusammenkommt, warum nicht? Ich bin in den Medien zwar in einem Beruf tätig, der natürlich auch mit Äußerlichkeiten zu tun hat. Aber ich finde, man sollte sich davon ein bisschen lösen und auch wieder mehr auf die Inhalte schauen.

Haben Sie in Ihrer Fernsehkarriere jemals den Druck verspürt, einem bestimmten Erscheinungsbild gerecht werden zu müssen?

Also mir ging es damals bei allen Formaten immer um Inhalte, nicht um die Wirkung. Egal, ob es nun politischer Talk war, unterhaltsame Formate am Abend oder das Daytime-Programm. Mir sind die Themen und Gäste wichtig, und es geht immer um redaktionelle Arbeit.

Das ist vielleicht etwas anderes, wenn man vom Teleprompter nur vorgegebene Texte abliest. Es gibt immer Formate, in denen man einem bestimmten Look entsprechen muss, und ich denke, wenn man ein Modelcasting moderiert, dann ist es falsch, wenn da jemand mit 150 Kilo sitzt. Jeder weiß, dass Topmodels so nicht aussehen. Bei Heidi Klum zum Beispiel ist das klar: Ihr Körper ist das, was sie repräsentiert, ihr Beruf.

Das war und ist bei mir nicht der Fall. Nein, ich wurde nie unter Druck gesetzt und habe mich auch selbst nie unter Druck gesetzt.

Beobachten Sie, dass sich die Medienwelt hier verändert hat?

Ich glaube, wenn man sich die Medienlandschaft heute anschaut, dann ist es so, dass Frauen und auch Männer aller Gewichtsklassen vor der Kamera agieren. Das ist gut so, denn so sind ja auch die Zuschauer. Von der Feder bis zum Schwergewicht ist alles dabei.

Wissen Sie noch, wie es war, als Sie sich das erste Mal im Fernsehen gesehen haben? Guckt man dann auf die Figur?

Nein. Also natürlich ist jeder eitel, aber mich hat das nie gestört, wenn ich mal drei, vier Kilo zu viel drauf hatte. Ich war nie eine von den Frauen, die gleich hysterisch werden, wenn sie abends mal mit anderen Freundinnen feiern und am nächsten Tag ein halbes Kilo mehr auf der Waage haben. Da bin ich ein durchaus entspannter Mensch.

Anna Lampert