Archivierter Artikel vom 29.03.2016, 17:21 Uhr
Berlin

ARD-Dreiteiler startet Mittwoch: Auf Spurensuche des NSU-Terrors

Es gibt da eine Szene mit einer wandgroßen Deutschlandkarte, relativ am Anfang des neuen ARD-Dreiteilers. Beate Zschäpe (gespielt von Anna Maria Mühe) trifft Anfang der 90er-Jahre zum ersten Mal Uwe Mundlos. Der hat einen Pinsel in der Hand und malt etwas mit schwarzer Farbe auf eine Wand. „Soll das 'ne Deutschlandkarte sein?“, fragt Zschäpe. Er antwortet: „Klar, 1937.“ Da nimmt das Unheil seinen Anfang.

Lesezeit: 3 Minuten

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Von Julia Kilian

Dreiteiler zeigt NSU-Geschichte

Die ARD bringt jetzt nach Ostern das Filmprojekt „Mitten in Deutschland: NSU“ über den rechtsradikalen Untergrund und seine Drahtzieher ins Fernsehen. Der erste von drei Spielfilmen, „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“, läuft am heutigen Mittwoch ab 20.15 Uhr. Weitere Teile werden am Montag, 4. April, und am Mittwoch, 6. April, ausgestrahlt. Erzählt wird, wie aus Menschen rechte Gewalttäter werden können. Während Zschäpe in Realität also vor Gericht steht, fragt der Film: Wie kann so etwas passieren?

Regisseur Christian Schwochow („Novemberkind“) sagt, dass er versuchte, sich dem Fall ohne Ideologie zu nähern. So als ob die Drei Klassenkameraden sind, die man nicht richtig gekannt hat. Der Zuschauer lernt Beate Zschäpe also 1989/1990 in Thüringen kennen. Da freut sich Zschäpe, als ihr Fremde einen Walkman schenken. Bei Mutti im Plattenbau gibt's Geburtstagskuchen. In einer Szene hört man Kanzler Helmut Kohl von den „blühenden Landschaften“ sprechen, die er dem Osten voraussagt.

Dann taucht Beates Cousin mit kurz geschorenen Haaren und Bomberjacke auf: „Willste mitkommen, mal 'ne Aktion machen?“ Was sich dann entwickelt, ist in manchen Szenen schwer auszuhalten. Uwe Mundlos (gespielt von Albrecht Schuch) redet bald von Ariern, die in ihrer Reinkultur bedroht seien. Und auf einer Neonazi-Party singt dann irgendwann einer, dass die Beate Geburtstag hat, da „knallen wir den Ali mit 'nem Schießgewehr“ ab.

Uwe Mundlos (Albrecht Schuch, l- r), Beate Zschäpe (Anna Maria Mühe) und Uwe Böhnhardt (Sebastian Urzendowsky) in einer Szene des SWR- Films „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“. Der erste von drei Spielfilmen des ARD- Projekts „Mitten in Deutschland: NSU“ wird am 30. 03. 2016 im Ersten ausgestrahlt.

ARD/dpa

Uwe Mundlos (Albrecht Schuch, l- r), Beate Zschäpe (Anna Maria Mühe) und Uwe Böhnhardt (Sebastian Urzendowsky) in einer Szene des SWR- Films „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage “. Der erste von drei Spielfilmen des ARD- Projekts „Mitten in Deutschland: NSU“ wird am 30. 03. 2016 im Ersten ausgestrahlt.

ARD/dpa

Maria Mühe als Beate Zschäpe in einer Szene des SWR- Films „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“.

ARD/dpa

Szenenfoto aus dem ARD-Dreiteiler „Mitten in Deutschland: NSU“.

ARD/dpa

Die Schauspieler Sebastian Urzendowsky (l- r), Albrecht Schuch, Almila Bagriacik, Tom Schilling und Sylvester Groth kommen zur Premiere der Spielfilmtrilogie „Mitten in Deutschland: NSU“

ARD/dpa

Schauspielerin konnte nicht abschalten

Dem “Nationalsozialistischen Untergrund„ wirft die Anklage heute zehn meist rassistisch motivierte Morde vor. Der Film versucht, einen Ansatz zu liefern, warum es so gekommen sein könnte. Sie wollten nicht eine historische Geschichte aufarbeiten, sagt Produzentin Gabriela Sperl. “Wir erzählen eine deutsche Geschichte„, sagt sie. “Wir werfen Fragen auf.„ Was hat dazu geführt, dass sie in Parolen, Hass und Gewalt aufgeht? Für die Schauspielerin Mühe war es nach eigenen Angaben schwer, beim Dreh abzuschalten. “Schwierig war für mich, einen ruhigen Schlaf zu finden. Tagsüber ,Heil Hitler' durch Jena zu grölen, lässt sich nicht so einfach abschütteln„, sagte die 30-Jährige.

Mühe, sonst blond, sieht Zschäpe mit dunklen Haaren ein wenig ähnlich, aber sie sieht doch so anders aus, dass man sie wenig mit den Bildern aus dem Gericht zusammenbringt. Insgesamt umfasst das ARD-Projekt “Mitten in Deutschland: NSU„ drei Spielfilme und eine Dokumentation. Auch das ZDF hat bereits einen Film über Zschäpe gemacht. Teil zwei des ARD-Projekts befasst sich mit der Sicht der Opfer. Es ist die Verfilmung des Buchs von Semiya Simsek, deren Vater Enver 2001 in Nürnberg ermordet worden war.

Sehr aufwendiges ARD-Projekt

Teil drei nimmt Pannen bei der Aufklärung der Mordserie in den Blick. Alle drei Filme sind von unterschiedlichen Regisseuren, es gibt vereinzelt Verbindungen. Die Filme sind “eines der aufwendigsten, auch eines der schwierigsten Fernsehfilmprojekte", die die ARD in den vergangenen Jahren gezeigt habe, sagte Fernsehfilmkoordinator Jörg Schönenborn. Die Filme arbeiteten sehr persönlich, sehr nah. Beim Thema NSU habe er zunächst die Aufnahmen vom Prozess in München im Kopf.