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    Koblenz

    Die Enthusiasten: Kurzweilige Spurensuche nach dem Ich

    Woher kommt die eigene Persönlichkeit? Wieso ist man gerade so und nicht anders? Wer und was hat einen geprägt? Die Frage nach der Identität kann sich schnell als ein ansehnlicher Irrgarten entpuppen, denn wer kann schon entscheiden, was auf „Fremdeinflüssen“ beruht und was dem eigenen freien Willen geschuldet ist? Das Ensemble Die Enthusiasten, eine Gruppe von Laienschauspielern am Koblenzer Stadttheater, ist mit seiner jüngsten Produktion „Images“ nun der Frage nach dem eigenen Selbst nachgegangen. Und hat eine kurzweiliges Stück auf die Bühne gebracht, das dennoch zum Nachdenken einlädt.

    Von unsererm Mitarbeiter Peter Karges

    Die Evolution des Menschen, ist sie eine Fehlentwicklung? Die Enthusiasten geben hierauf nicht unbedingt eine klare Antwort, doch skeptisch sind sie schon. „Seit Ötzi ist alles immer schlechter geworden, die Luft und das Wasser sowieso, aber auch die Manieren und die Politik“, sagt beispielsweise eine Darstellerin des Ensembles eingangs des Stücks „Images“ mit einem Anflug von Ironie. Allerdings relativiert sie ihr Urteil gleich mit dem ironischen Nachsatz, „natürlich aber auch das Herrentennis“. Und die eigene Entwicklung? Die Darsteller der Enthusiasten, deren Altersspanne von 26 bis 73 Jahren reicht, geben auch hier keine klare Antwort. Vielmehr stellen sie die Gegenfrage, wer man überhaupt selbst ist und was einem lediglich von außen angetragen wurde? „Images“ meint jede Menge, wobei vieles davon vor allem aus der Unterhaltungsbranche stammt. Wie auf dem Laufsteg präsentieren die Enthusiasten dabei die einstmals prägenden Medienstars ihrer Kindheits- und Jugendtage, von Winnetou über Boris Becker, Hans Rosenthal, Tarzan, Pippi Langstrumpf bis hin zu E.T. Anna Zimmer, die das Konzept von „Images“ entwickelt hat, versteht es dabei, dieses Spiel sehr kompakt und bilderreich zu inszenieren.

    Stück wirft jede Menge Fragen auf

    Die Sozialisierung fand natürlich nicht nur über das Fernsehen oder Kino statt, wie „Images“ zeigt. Das Elternhaus mit dem jeweiligen Erwartungshorizont und den ständigen Ermahnungen wie „Das tut man nicht“ oder „Das sagt man nicht“ stand gleichsam Pate. Und, zumindest für die etwas älteren der Gruppe, auch die katholische Kirche mit dem Sündenkatalog und der Beichte hatte ihren Stellenwert bei der Sozialisierung.

    Wenngleich die Enthusiasten solche Prägungen kritisch beleuchten, überlassen sie dem Publikum das Urteil hierüber. Mit Blick auf die 70er-Jahre, in denen nicht wenige der Darsteller groß geworden sind, macht sich gleichwohl allerdings auch etwas Nostalgie breit.

    Aufbruchstimmung versiegt

    Denn von der enthusiastischen Aufbruchsstimmung, dem Gefühl, alles ist „easy“, ist wenig geblieben. Vielmehr blüht, wie es eine Textpassage ironisch beschreibt, die Intoleranz gegen Laktose, Getreide oder Gluten. Die Enthusiasten blicken mit „Images“ und der Frage nach der Persönlichkeit allerdings nicht nur zurück, beispielsweise auf Kindheit oder Pubertät, sondern gleichfalls auch nach vorn, auf den Tod. Und die Skepsis, die an anderen Stellen im Stück durchschimmerte, hat hier wenig Raum. Nicht umsonst steht Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“ („Nein, ich bedaure nichts“) am Ausgang des sehr kurzweiligen und nachdenklichen Stücks. Gleich, ob Fremdprägung oder nicht, es war „mein“ Leben.

    Das Stück „Images“ ist noch an folgenden Tagen jeweils um 20 Uhr auf der Probebühne 4 zu sehen: 17., 18., 22., 24. und 25. Februar. Infos und Tickets unter Telefon 0261/129 28 40 sowie online unter www.theater-koblenz.de

     

     

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