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Hells Angels haben Profit und Macht im Sinn

Rheinland-Pfalz Das Motto zeigt die Richtung klar an: "When in doubt, knock them out!" – im Zweifel einfach zuschlagen. Motorradrocker halten sich nicht lange mit Reden und Diplomatie auf, wie sie vor einiger Zeit auf einer ganzseitigen Magazinanzeige kundtaten. Und den Worten folgen seit Jahren immer wieder Taten – selten bleibt es beim Faustkampf.

Die Gemein­schaft geht den "Höl­lenen­geln" über alles: Ob bei Pro­zes­sen gegen Mit­glie­der oder Beer­digun­gen – Mas­sen­auf­
Die Gemein­schaft geht den "Höl­lenen­geln" über alles: Ob bei Pro­zes­sen gegen Mit­glie­der oder Beer­digun­gen – Mas­sen­auf­läufe sind für die Rocker­klubs Ehren­sache.
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Rheinland-Pfalz Das Motto zeigt die Richtung klar an: "When in doubt, knock them out!" – im Zweifel einfach zuschlagen. Motorradrocker halten sich nicht lange mit Reden und Diplomatie auf, wie sie vor einiger Zeit auf einer ganzseitigen Magazinanzeige kundtaten. Und den Worten folgen seit Jahren immer wieder Taten – selten bleibt es beim Faustkampf.

Denn die Klubs sind hochgerüstet: Bei Razzien werden regelmäßig Waffen vom Schlagring, über die Maschinenpistole bis hin zur Handgranate sichergestellt. Im aktuellen Fall – in Anhausen (Kreis Neuwied) wurde am Mittwochmorgen, 17. März, ein SEK-Polizist von einem Hells Angel durch die Tür erschossen – hatte der Mann offenbar legal eine Schusswaffe.

Statt um Motorrad-Folklore und Easy-Rider-Spiele geht es bei einigen der großen Bikerklubs um knallharte geschäftliche Interessen. In vielen Städten sind Hells Angels und Bandidos feste Größen in der Unterwelt. Über die Türsteherszene haben sie Tritt gefasst. Wer die Eingänge kontrolliert, kontrolliert zugleich den Drogenhandel in den Discos. Bis zur Prostitution samt Waffenhandel und -schmuggel ist es da nur noch ein kleiner Schritt. Bundesbehörden sprechen in diesen Fällen eindeutig von Organisierter Kriminalität (OK). Dabei nimmt die Intensität offensichtlich zu: Gab es 2005 nur ein beziehungsweise 2006 zwei OK-Verfahren gegen Rockgruppen, ist die Zahl 2008 laut Bundeskriminalamt (BKA) auf 15 angestiegen – darunter 9 gegen Bandidos sowie je zwei weitere gegen Hells Angels und Gremium-Mitglieder.

"Alle großen Gruppierungen sind auch bei uns im Land präsent", bestätigt das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt (LKA). Auf genaue Zahlen will man sich allerdings nicht festlegen. Diese sind auch nicht wirklich aussagekräftig, denn in den vergangenen Jahren hat sich ein System entwickelt, an dessen Spitze zwar internationale Gruppen wie Hells Angels und Bandidos stehen, die jedoch von einer Vielzahl kleinerer Klubs – sogenannter Supporter – unterstützt werden. Diese sind von der "Manpower" sogar teilweise größer, den Ton geben allerdings die "Großen" an. Zugleich wechseln diese Kooperationen immer wieder, wobei es sehr häufig zu Allianzen gegen die Hells Angels kommt.

Grundsätzlich sprechen die Experten des LKA von Organisiertem Verbrechen, wenn zum Beispiel Gewalt, Drogenhandel und Einflussnahme auf verschiedenste Art auf einer gut organisierten und vernetzen Struktur basieren. Im Fall Drogenhandel wären es die Beschaffung aus dem Ausland, der Vertrieb sowie die anschließende Verwertung der Profite. "Die große Mehrheit dieser Verbrechen passiert allerdings in einem Dunkelfeld, das nur schwer zu durchschauen ist", heißt es beim LKA. Erst bei besonders schweren Delikten, wie dem Mord im Donnersbergkreis, würden die Rockerkonflikte auch an der Oberfläche sichtbar. "Nichts schadet dem Organisierten Verbrechen so sehr wie öffentliche Wahrnehmung", analysieren die Ermittler.

Doch muss die Polizei den Banden ihre Verbrechen jeweils nachweisen. Wenn ein Ableger – Chapter oder Charter genannt – überführt und verboten wird, kann deshalb noch nicht die bundesweite Vereinigung verboten werden. "Wir können dann zwar das Guthaben des Vereins einziehen", erklärt ein LKA-Fachmann, doch könnte sich der Klub wenig später unter neuem Namen wieder gründen.

Die Landespolizei setzt deshalb – wo möglich – auf Prävention und Dialog. Die Rocker kalkulieren derweil sehr nüchtern, was für sie von Vorteil und welches Auftreten geschäftsschädigend ist: so auch heute wieder in Kaiserslautern. Klare Absprachen sollen zumindest eine bewaffnete Eskalation zwischen den verfeindeten Gruppen verhindern. Denn eines ist sicher: Die tief sitzende Solidarität innerhalb der Gruppen wird immer wieder für Massenaufläufe sorgen. Meist in Form eines lauten Motorradkorsos, der vor allem ein Ziel hat: eine Demonstration der Präsenz und Stärke.

Peter Lausmann

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