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    BerlinVolkskrankheit Diabetes: Kommt jetzt auch noch die Zuckersteuer?

    Die Volkskrankheit Diabetes breitet sich immer mehr aus. In den vergangenen fünf Jahren ist der Anteil der Diabetes-Patienten unter den Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg von weniger als 9,5 Prozent auf nunmehr 11 Prozent gestiegen. Das geht aus dem bisher noch unveröffentlichten Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg hervor, der unserer Zeitung vorliegt.

    Bewegungsmangel, Übergewicht und schlechte Ernährung aus zu kalorienreicher Nahrung kann zur Diabetes führen.
    Bewegungsmangel, Übergewicht und schlechte Ernährung aus zu kalorienreicher Nahrung kann zur Diabetes führen.
    Foto: dpa

    Selbst wenn man einrechnet, dass die Lebenserwartung steigt und damit auch das Diabetes-Risiko, ist der Anstieg um 1,5 Prozentpunkte alarmierend. Der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, fordert deshalb eine "gesamtgesellschaftliche Strategie". Dazu gehören seiner Ansicht nach viel Bewegung und gesunde Ernährung in Kitas und Schulen sowie gut sichtbare und klar verständliche Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen. Man müsse auch weg von der XXL-Kultur. "Auch eine Zuckersteuer muss in Betracht gezogen werden", sagte Wältermann.

     

     

     

    Der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann.
    Der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann.

     

    Besonders Schwangere betroffen

     

    Die Diabetes-Fälle bei Schwangeren sind besonders stark angestiegen. Litten im Jahr 2010 noch etwa 13 Prozent an Zucker, waren es 2015 bereits 19 Prozent. Eine Rolle könnte dabei auch die Zunahme älterer Mütter spielen. Von den 40- bis 44-jährigen Schwangeren erkranken knapp 30 Prozent an Diabetes. Bei den werdenden Müttern über 45 Jahren sind es sogar mehr als 40 Prozent.

    Diabetes zieht viele andere Leiden nach sich. So ist das Herzinfarktrisiko dem AOK-Report zufolge für Diabetiker achtmal so hoch wie für nicht Erkrankte. Auch chronische Wunden und Nierenleiden treffen Diabetiker häufiger. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verweist darauf, dass Diabetiker zudem ein erhöhtes Risiko haben, an Demenz zu erkranken.

    Es gibt auch Erfolge zu vermelden

    "Es gibt aber auch positive Entwicklungen", sagt Lauterbach. So ist es durch die Chronikerprogramme der Krankenkassen seit Anfang des Jahrtausends gelungen, typische Diabetes-Komplikationen wie das Fußsyndrom, Augenleiden und Nierenschwäche systematisch zu erkennen und konsequent zu behandeln.

    Die Hauptursachen von Diabetes sieht Lauterbach in Bewegungsmangel, Übergewicht und schlechter Ernährung aus zu kalorienreicher Nahrung. Der Gesundheitsexperte forderte, die umstrittene Ampel auf Nahrungsmittelverpackungen verpflichtend einzuführen. "Das ist die simpelste Art zu erkennen, wie hoch die Kaloriendichte eines Produkts ist", sagte Lauterbach, der auch Ernährungslehre und Sport als Bestandteil des Schulunterrichts fordert.

    Die Zuckerkrankheit ist auch ein soziales Problem. Hartz-IV-Empfänger werden viermal so häufig wegen Diabetes ins Krankenhaus eingeliefert wie Menschen mit Job.

    Von unserer Berliner Korrespondentin Eva Quadbeck

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