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    Berlin

    Experte: "Neue Qualität" der Kriegsführung in Syrien

    Seit 25 Jahren gab es keinen Giftgas-Einsatz dieser Größenordnung, ist der Chemiewaffenexperte Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik überzeugt.

    Oliver Meier
    Oliver Meier
    Foto: frei

    Das Interview zur Lage in Syrien:

    Wie bewerten Sie die Bilder von Verletzten aus Syrien?

    In Syrien hat wahrscheinlich der größte Chemiewaffeneinsatz seit 25 Jahren stattgefunden. Wir müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass chemische Kampfstoffe in großem Umfang und an mehreren Orten freigesetzt worden sind.

    Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

    Wir haben in diesem Fall sehr viele Berichte, die überwiegend gleichzeitig auftauchten. Wir haben Fotos, Videos und Zeugenberichte aus ganz verschiedenen Quellen. Es ist kaum vorstellbar, dass all diese deckungsgleichen Berichte manipuliert sind.

    Was bedeutet das völkerrechtlich?

    Der Einsatz von Chemiewaffen ist ein Kriegsverbrechen, das als solches geächtet ist. Man kann die Verantwortlichen vor dem Internationalen Strafgerichtshof zur Verantwortung ziehen. Darüber hinaus hat Syrien, falls der Einsatz durch die syrische Regierung erfolgt sein sollte, sich mit seiner Unterschrift unter dem Genfer Protokoll dazu verpflichtet, Chemiewaffen nicht einzusetzen. Das wäre ein Bruch des Völkerrechts.

    Eine Reaktion darauf ist zwingend?

    Der Einsatz von Chemiewaffen kann Grundlage für den UN-Sicherheitsrat sein, militärische Sanktionen zu beschließen. Man muss jetzt allerdings erst abwarten, was die Inspektoren berichten.

    Was für ein Mittel der Kriegsführung ist ein Giftgas-Anschlag?

    Was vorige Woche in Damaskus geschehen ist, hat eine neue Qualität. Vor Syrien sind wir eigentlich davon ausgegangen, dass Giftgas-Waffen militärisch keine große Rolle mehr spielen. Während des Kalten Krieges sollten Chemiewaffen vor allem gegen große militärische Truppenverbände eingesetzt werden. Hier liegt möglicherweise eine neue Form des Einsatzes vor.

    Inwiefern?

    Zumindest bis zu dem Einsatz in der vergangenen Woche wurden Chemiewaffen offenbar punktuell und in kleinem Rahmen eingesetzt. Möglicherweise geschah dies auch, um Angst und Schrecken zu verbreiten und um international die Spaltung im Umgang mit dem Konflikt voranzutreiben. Wenn die Schilderungen der Betroffenen stimmen, erfolgte der massive Einsatz von Chemiewaffen am vergangenen Mittwoch im Rahmen einer konventionellen Militäroperation gegen die Rebellen.

    Die Fragen stellte unsere Berliner Korrespondentin Rena Lehmann

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