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    nitz hund

    Die vermeintliche Beute pickt auf dem Maisfeld arglos nach Essbarem. Zoe nimmt das schwarze Federvieh ins Visier, legt sich auf die Lauer und bereitet sich vor auf den großen Augenblick. Dann geht alles ganz schnell. Unser Dackel sprintet los, rast 50 Meter quer über den matschigen Acker und – wieder nichts. Unaufgeregt erhebt sich die Krähe rechtzeitig, fliegt entspannt davon, um sich nur ein paar Meter weiter erneut niederzulassen. Zurück lässt sie einen verdutzt dreinblickenden, dreckigen Hund. Nein, unsere Zoe ist keine Jägerin.

    Von unserem Redakteur
    Stefan Nitz

    Die vermeintliche Beute pickt auf dem Maisfeld arglos nach Essbarem. Zoe nimmt das schwarze Federvieh ins Visier, legt sich auf die Lauer und bereitet sich vor auf den großen Augenblick. Dann geht alles ganz schnell. Unser Dackel sprintet los, rast 50 Meter quer über den matschigen Acker und – wieder nichts. Unaufgeregt erhebt sich die Krähe rechtzeitig, fliegt entspannt davon, um sich nur ein paar Meter weiter erneut niederzulassen. Zurück lässt sie einen verdutzt dreinblickenden, dreckigen Hund. Nein, unsere Zoe ist keine Jägerin.

    Obwohl in unserer Mischlingsdame ein Großteil Dackel steckt, ist ihr Jagdtrieb und Jagdgeschick nicht sonderlich ausgeprägt. Sie buddelt gern und wirkt dabei auch verbissen. Hartnäckige Grasbüschel werden rausgerissen und zur Seite gespuckt. Die Erdklumpen fliegen, bis sie ihre kleinen Pfoten vor lauter Matsch nicht mehr richtig bewegen kann. Aber Beute? Nein, Beute hat sie noch nie gemacht. Einmal stieß sie im Schnee auf ein totes, gefrorenes Mäuschen. Sie nahm es kurz ins Maul, wusste aber nicht, was sie damit tun sollte. Ein Blick in Frauchens entsetzte Augen – und Zoe ließ die Maus fallen.

    Nein, ein Jäger hätte mit Zoe vermutlich keinen Spaß. Sie hat zudem die Eigenart, andere Tiere erst weit nach Frauchen oder Herrchen zu erspähen. Von einem Hund aus der Nachbarschaft weiß ich, dass er als Welpe eine Zahnspange tragen musste. Wenn es Brillen für Hunde gäbe, dann wäre Zoe vielleicht eine Kundin dafür. Beim Spaziergang sieht die ganze Familie im Feld eine dicke schwarz-weiße Katze hocken. Auch die Katze hat uns längst gesehen und beobachtet uns aufmerksam, vor allem beobachtet sie Zoe. Die wiederum bemerkt gar nichts. Sie läuft hin und her, schnüffelt hier und dort. Erst als wir schon fast an der Katze vorbei sind, hat Zoe das Tier entdeckt und sprintet wie von der Tarantel gestochen los. Die Katze ist natürlich viel schneller und längst im Gebüsch verschwunden, bis unsere Dackeldame sie auch nur annähernd erreicht hat.

    Wahrscheinlich hat sich unter der Katzenbevölkerung in unserem Dorf schon längst herumgesprochen, dass man vor diesem Hund keine Angst haben muss: zu langsam, zu harmlos. Manche Katzen lassen Zoe sogar ziemlich nah herankommen oder laufen gar nicht weg, was unseren Hund dann auch wieder verwirrt. Wieso rennt das Vieh nicht weg? Die hat wohl gar keine Angst? Das hat nichts Gutes zu bedeuten. Zoe bremst und tritt freiwillig den Rückzug an. Nicht, dass sie noch eins mit der Katzentatze abkriegt.

    Ein wenig Mitleid mit unserem verhinderten Jagdhund bekommt man, wenn Zoe auch noch auf Attrappen hereinfällt. Auf einem Waldweg schoss sie plötzlich aufgeregt vor, weil sie einen großen Stein mit einer zusammengekauerten Katze verwechselt hatte. Und neulich beim Spaziergang ging sie auf eine weiße Altkleidertüte am Straßenrand los. Okay, losgegangen ist übertrieben. Sie lief hin und bremste wie immer kurz vor ihrem nicht weglaufenden Ziel wieder ab. Zugegebenermaßen sahen die beiden Tütenzipfel tatsächlich ein bisschen aus wie Katzenohren. Wie gesagt, wenn es Brillen für Hunde geben würde ….

    Auf den Hund gekommen
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