Archivierter Artikel vom 31.01.2019, 20:03 Uhr

Kommentar zum Burkini-Verbot: Eine völlig unausgegorene Entscheidung

Da haben wir den Salat! Der in seinen Wirkungen nicht zu Ende gedachte Beschluss des Koblenzer Stadtrats, Burkinis in den Schwimmbädern zu verbieten, führt zu absurden Nebenwirkungen.

Manfred Ruch, stellvertretender Chefredakteur der Rhein-Zeitung
Foto: Jens Weber
Manfred Ruch, stellvertretender Chefredakteur der Rhein-Zeitung
Foto: Jens Weber

Manfred Ruch zum Burkini-Verbot und den Folgen

Triathleten, die ihren Sport intensiv betreiben, können in Koblenz nicht mehr sinnvoll trainieren, weil sie mit ihren Neoprenanzügen auf die knappen offiziellen Trainingszeiten beschränkt werden. Doch bevor jetzt die Triathleten ihren Ärger auf die nicht einmal eine ganze Handvoll zählenden Burkini-Trägerinnen richten, sollten sie registrieren, wer ihnen das wirklich eingebrockt hat – eine Mehrheit im Stadtrat, die für die neue Badeordnung hygienische Gründe angibt, aber etwas anderes im Sinn hatte – ein Signal an die Vertreter des erzkonservativen Islam, dass dieser nicht zu unserem Land passt.

So verständlich das ist: Im Burkini-Fall schießt man über das Ziel hinaus, denn diese Badeordnung rüttelt am Grundrecht der Freiheit und nimmt Burkini-Trägerinnen zumindest die potenzielle Chance auf Kontakte zur westlich geprägten, liberalen „Außenwelt“.

Wie unausgegoren diese Badeordnung ist, zeigt sich jetzt auch im Fall der davon betroffenen Triathleten. Ob die Entscheidung des Stadtrats auch rechtlich fragwürdig ist, das wird vielleicht irgendwann ein Gericht entscheiden müssen.