Archivierter Artikel vom 28.10.2020, 20:18 Uhr

Kommentar zu den Folgen des „Lockdown light“: Zieht endlich die Verweigerer zur Rechenschaft

Die Regierungen in Bund und Ländern drohen mit ihrem neuen Maßnahmenpaket gegen die Verbreitung des Coronavirus viel Kredit bei Bürgerinnen und Bürgern zu verspielen. Der „Lockdown light“, wie die drastischen Einschränkungen genannt werden, trifft in vielen Fällen ganz undifferenziert die Falschen, während die wahren Pandemietreiber kaum zur Rechenschaft gezogen werden.

Manfred RuchLesezeit: 2 Minuten
Manfred Ruch, stellvertretender Chefredakteur der Rhein-Zeitung
Foto: Jens Weber
Manfred Ruch, stellvertretender Chefredakteur der Rhein-Zeitung
Foto: Jens Weber

Mehr als 80 Prozent der Menschen in Deutschland haben bislang treu und brav alle Abstands- und Hygieneregeln umgesetzt. Zahlreiche Gastronomen und Kultureinrichtungen haben im Vertrauen auf die Politik viel Zeit und Geld in aufwendige Hygienekonzepte investiert, um die Sicherheit ihrer Gäste zu gewährleisten. Sie alle müssen sich vor den Kopf gestoßen fühlen.

Gleichzeitig mussten wir mit ansehen, wie die Zahl der Corona-Verstöße stieg und stieg. Wie der Staat von Demonstranten ohne Maske vorgeführt wurde. Wie Großhochzeiten gefeiert wurden, als gäbe es keine Pandemie. Wie sich in einschlägigen Gaststätten das feiernde Publikum dicht an dicht drängte oder hinter verschlossenen Türen illegale Partys organisiert wurden. Haben wir danach von drakonischen Bußgeldern gehört?

Es ist ganz gewiss eine schwere Zeit für die Politik. Das Infektionsgeschehen hat sich so sehr beschleunigt, dass die Reißleine unausweichlich scheint. Doch etwas unterscheidet die aktuelle Lage erheblich von der Situation im Frühjahr: Im März wussten wir quasi noch nichts über das Coronavirus und konnten nur mit einem kompletten Lockdown reagieren. Jetzt wissen wir viel mehr über das Infektionsgeschehen – und letztlich auch, wer die Pandemietreiber sind. Es sind vor allem private Feiern und Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen, bei denen Hygiene- und Abstandsregeln unbeachtet bleiben. Es sind also bewusste Verstöße von Menschen, die sich nicht darum scheren, welche Folgen das für die Gesellschaft hat.

Ein Lichtblick: Die Politik hat wenigstens zusätzliche Hilfen für die von Schließung betroffenen Betriebe angekündigt. Aber sie muss endlich auch konsequent gegen diejenigen vorgehen, die die Corona-Regeln missachten. Gerade Letzteres erwarten die mehr als 80 Prozent, die sich daran halten.