Archivierter Artikel vom 28.05.2017, 12:25 Uhr

Kommentar: So nicht, Justizministerium!

Es ist an und für sich schon schier unglaublich, dass das Justizministerium nicht selbst bestimmt, wer als muslimischer Gefängnisseelsorger in den Haftanstalten im Land arbeiten darf. Immerhin geht es hier um die Arbeit in einem hochsensiblen Bereich, mit kriminellen Menschen, die weggesperrt werden mussten.

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Nina Kugler
Nina Kugler
Dass das Land diese Aufgabe aber aus der Hand gibt und ausgerechnet die Türkei, die sich immer mehr in einen autokratischen Staat verwandelt und die auch schon in Deutschland ihre Ditib-Imame als Spitzel eingesetzt hat, diese Gefängnis-Imame bestimmt und entsendet, ist nicht hinnehmbar.

Das Justizministerium gibt sich damit zufrieden, dass ihm von türkischer Seite die Namen der Gefängnis-Imame mitgeteilt werden. Welche Strömung des Islam vertreten sie? Haben sie einen Arbeitsauftrag aus Ankara? Sollen sie womöglich in rheinland-pfälzischen Gefängnissen die beim türkischen Staat so verhassten Gülen-Anhänger bespitzeln? Eine Sicherheitsüberprüfung, wie Nordrhein-Westfalen sie nach der Spitzelaffäre für seine Ditib-Gefängnisseelsorger durchgeführt hat, hält Mainz trotz dieser Fragen nicht für notwendig.

Liebes Justizministerium, ist euer Nichtstun einfach nur Bequemlichkeit, oder seid ihr tatsächlich so blauäugig und denkt, dass gerade Ditib keiner gesonderten Überprüfung bedarf? Ein Land darf eine so wichtige Aufgabe wie die spirituelle Betreuung seiner Gefangenen nicht in die Hände eines anderen Staats legen und darauf vertrauen, dass der schon gutes Personal schicken wird. Das Justizministerium muss genau wissen, wer sich um die Gefängnis-Insassen kümmert. Eine Sicherheitsüberprüfung der Gefängnis-Imame muss zur Regel werden.

E-Mail an: nina.kugler@rhein-zeitung.net