Archivierter Artikel vom 11.11.2019, 20:03 Uhr

Kommentar: Quereinsteiger sind wichtig, aber keine Lösung

Natürlich können Seiten- und Quereinsteiger den Unterricht bereichern. Jedenfalls dann, wenn sie für den neuen Beruf brennen, Lust auf das Vermitteln von Wissen haben, pädagogisch geschult sind und mit Stress umgehen können. Das gilt für alle Lehrkräfte. Viele Seiten- und Quereinsteiger müssen aber zusätzlich damit umgehen können, dass sie vom Kollegium und von Eltern als Lehrkräfte zweiter Klasse angesehen werden.

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Jan Drebes kommentiert
Jan Drebes kommentiert

Jan Drebes zu Seiteneinsteigern in Schulen

Denn die Vorurteile sind noch immer groß, obwohl es in fast allen Bundesländern bereits seit vielen Jahren hinreichend Erfahrung mit diesen Lehrkräften im Unterricht gibt. Oder halten sich die Vorurteile etwa deswegen so hartnäckig?

Es ist nahezu bundesweit Konsens, dass insbesondere Berufsschulen vom Einsatz der Quereinsteiger profitieren können. Sie bringen als Profis bestimmter Fachgebiete wertvolle Impulse in den Unterricht ein und haben den meisten Lehrern in der praktischen Anwendung des Wissens etwas voraus. Es braucht diese Mischung, um die duale Ausbildung, um die Deutschland weltweit beneidet wird, mit Leben füllen zu können.

Weil sich Lehrkräfte die Schulen de facto fast aussuchen können, bleiben häufig Lücken an Brennpunktschulen oder Grundschulen, die mit Seiteneinsteigern gefüllt werden. Das wird über kurz oder lang schwerwiegende Folgen haben: Gerade an Schulen mit tendenziell lernschwachen Schülern braucht es besonders ausgeprägte pädagogische Kenntnisse für guten Unterricht. Die Bildungsziele müssen überall eingehalten werden, sonst drohen soziale Verwerfungen. Seiteneinsteigern kann ein Mangel pädagogischer Kenntnisse nicht vorgeworfen werden. Eine Bildungspolitik aber, die sich darauf verlässt, ist zum Scheitern verurteilt. In vielen Ländern sind bereits die Folgen schwerer Versäumnisse erkennbar: Es wurden zuletzt zu wenig Lehrer ausgebildet. Die Länder müssen daher noch viel stärker als bisher junge Menschen zu einem Lehramtsstudium bewegen und sie mit Anreizen in der Region halten.

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