Archivierter Artikel vom 06.11.2019, 19:46 Uhr

Kommentar: Es fehlt der Mut zur Veränderung

Am liebsten verkauft die Autoindustrie das, was sie seit jeher am besten bauen kann: mechanische Wunderwerke der Ingenieurskunst. Da lässt sich auch noch schnell ein Elektromotor dranschrauben. Zwar fehlt nun der Platz für die Batterie, und so ein Plug-in-Hybrid fährt deshalb nur schlappe 50 Kilometer weit elektrisch, wird aber dennoch mit 5000 Euro gefördert, darf ein E-Kennzeichen führen und ist als Firmenwagen ein rollendes Steuerparadies, weil der geldwerte Vorteil steuerlich halbiert wird. Die Kfz-Steuer entfällt weitgehend dank geschönter Verbrauchswerte.

Jochen Magnus

Jochen Magnus zur E-Auto-Förderung

Das Beispiel zeigt, wie weit der Einfluss der Autoindustrie auf die Gesetzgebung reicht. Ökologisch ist ein Hybrid eher unsinnig, denn nur wenige werden den Wagen in diesem Sinne nutzen. Aber die Förderung erlaubt es, alle Elektroprivilegien mitzunehmen und dennoch wie gewohnt mit Benzin weiterzufahren. So erreicht man keine Klimaziele. Dazu braucht es mehr Mut zu Veränderungen, auch beim Bürger.

Freilich bedarf es dazu auch ausreichend Lademöglichkeiten. Die beschlossene finanzielle und gesetzliche Förderung von Ladestationen ist richtig und notwendig. Ohne Dieselsubventionen und zweifelhafte Hybridförderung wäre der finanzielle Spielraum aber noch größer geworden.

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