Archivierter Artikel vom 04.03.2019, 19:58 Uhr

Kommentar: AKK muss sich für nichts entschuldigen

Es ist eine ernste Debatte an närrischen Tagen: Hat Annegret Kramp-Karrenbauer die Grenzen des guten Geschmacks verletzt, als sie sich in einer Fastnachtsrede über Toiletten für das dritte Geschlecht lustig gemacht hat? Nein! Karnevalsreden sind eine eigene Kunstform. Wer sie beherrscht, spitzt mehr zu als jeder politische Kommentator. Denn das ist das Wesen einer guten Büttenrede. Sie darf ihre Kritik über das politisch Korrekte hinaus verschärfen und damit gesellschaftspolitische Verhältnisse karikieren. In dieser Zeit – und nur in dieser – gibt es auch keinen Minderheitenschutz, keine Schonung für niemanden. Es gilt die Narrenfreiheit!

Redakteurin Birgit Pielen
Redakteurin Birgit Pielen
Foto: Jens Weber

Birgit Pielen zur Empörung über eine Fastnachtsrede

Von den fastnachtsfernen Metropolen Hamburg und Berlin aus betrachtet, mögen die flapsigen Äußerungen von AKK einen Skandal wert sein. So monierte Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), hinter Humor stehe immer eine Haltung. Vor allem hinter Humorlosen steht eine Haltung, möchte man ihm entgegnen.

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer stand nicht im Bundestag, sondern vor dem Stockacher Narrengericht, als sie die Latte-Macchiato-Fraktion zum Überschäumen brachte. Dass sie jetzt von einer Empörungswelle überrollt wird, zeigt, dass mit Büttenreden selbst in der Karnevalszeit nicht zu spaßen ist.