Archivierter Artikel vom 22.11.2010, 14:04 Uhr
Koblenz

Kaninchen fressen Buga-Blumen weg – Rettung aus der Luft

Ein Falkner steht seit einigen Wochen auf der Gehaltsliste der Buga-GmbH: Mit seinen Greifvögeln soll er dem Kaninchenproblem in den Gärten und Parkanlagen rund um das Kurfürstliche Schloss Herr werden.

Koblenz. Ein Falkner steht seit einigen Wochen auf der Gehaltsliste der Buga-GmbH: Mit seinen Greifvögeln soll er dem Kaninchenproblem in den Gärten und Parkanlagen rund um das Kurfürstliche Schloss Herr werden. Die Nager drohen hier die Gartenschau zu einem Blüten-Fiasko werden zu lassen.

„Die bereits entstandenen Schäden sind immens“, klagt Rainer Berger, der Leiter der Gärtnerischen Abteilung der Buga 2011 in Koblenz. Blumenzwiebeln, Sträucher, Stauden und Rosenrabatte im Wert von mehreren Tausend Euro haben die Kaninchen zerstört, für die die Neuanpflanzungen ein perfektes Nahrungsangebot darstellen.

Wohl auch aus diesem Grund ist die Population der Tiere in den Gartenanlagen vor allem hinter dem Schloss in den Sommermonaten sprunghaft in die Höhe geschnellt. Tagsüber verstecken sich die Kaninchen dort in den Eibenhecken und unter den mit Efeu dicht zugewucherten Randbereichen der Buga-Ausstellungsflächen. In den Nachstunden machen sich die Tiere dann ans Werk: graben Blumenzwiebeln aus, fressen Wurzeln an und verwandeln die Beete in einen höhlendurchsetzten Schweizer Käse. Zunächst mit Fallen hat die Buga-GmbH bereits im Sommer versucht, das Problem in den Griff zu bekommen. „Ohne Erfolg“, wie Berger klagt.

Anders als bei den Bundesgartenschauen, die Berger bislang betreut hat und bei denen es auch immer wieder einmal Wildschäden gab, können gewöhnliche Jäger den Buga-Planern in Koblenz aber nicht zur Hilfe eilen.

„Die Fläche liegt zu zentral. Kaninchen hier abzuschießen, geht gar nicht, die Gefahr von Querschlägern wäre zu groß“, erklärt Berger. Aus dem Koblenzer Ordnungsamtes kam dann vor einigen Wochen der Vorschlag, Falkner mit ihren Greifvögeln einzusetzen. Eine entsprechende Genehmigung erteilte die Verwaltung wenig später. Die Jagd konnte jedoch erst vor Kurzem beginnen, weil Kaninchen im Sommer und bis Anfang Herbst ihren Nachwuchs aufziehen. Aus tierschutzrechtlichen Gründen dürfen sie in dieser Zeit nicht bejagt werden. Denn: Wird ein Muttertier getötet, würde der Nachwuchs elendig zugrunde gehen.

Nun allerdings wird es höchste Zeit, die Kaninchenplage aktiv und effektiv zu bekämpfen, wie Berger hinzufügt. Denn im Februar greift dann schon wieder der Tierschutz. Zwei- bis dreimal in der Woche patrouilliert deshalb Falkner Walter Zell aus Macken über die Gartenanlagen am Schloss. Mit dabei: sein Frettchen Freddy, das die Kaninchen aus ihren Bauten locken soll. „Bislang haben wir zwar nur zehn Tiere erlegen können“, berichtet Zell. Aber: Der Jäger setzt auch auf den Verdrängungseffekt. Zell weiß: „Kaninchen sind schlaue Tiere. Die haben schnell raus, was die Glocke des Frettchens bedeutet. Nämlich, dass hier ein Todfeind unterwegs ist. Und dann suchen sich die Tiere lieber einen anderen Garten und meiden diese Fläche hier.“

Noch schaut es aber nicht danach aus, dass diese Botschaft beim Gros der Kaninchen angekommen ist. Beim Rundgang über das Gelände traute Berger am vergangenen Sonntag seinen Augen nicht. Erst am Donnerstag zuvor hatte er die Pflanzungen alle von den ausführenden Firmen abgenommen. Am Wochenende dann: überall ausgegrabene Blumenzwiebeln, angefressene Wurzeln und von den Kaninchen gebuddelte Löcher in den Beeten.

„Eigentlich haben wir selbst dafür gesorgt, dass die Kaninchen etwas zu fressen bekommen“, ist sich Berger der durch die Buga zum Teil selbst geschaffenen Problematik bewusst. Resignieren kann die Gartenschau- GmbH vor den Nagern nun aber keineswegs – nicht zuletzt aus Kostengründen. Denn Tausende von Blumenzwiebeln wurden bereits für die Buga 2011 gepflanzt. 80 000 Euro liegen unter der Erde – und drohen jetzt Stück für Stück angenagt zu werden. Hinzu kommt: Die Besucher der Gartenschau – die Stadt hofft auch mehr als eine Million Gäste – wollen natürlich Blüten und keine abgestorbenen Sträucher sehen. Notfalls soll die Jagd deshalb mit weiteren Falknern und Greifvögeln noch intensiviert werden.

Zeitgenossen, die dies als grausames Spektakel werten, entgegnet Zell: „Klar. Jedes Tier lebt gern. Und keinem Karnickel macht es Spaß, von einem Greifvogel getötet zu werden.“ Aber, so fügt der Falkner hinzu: „Die Jagd mit Greifvögeln entspricht dem Kreislauf der Natur.“

Von unserer Mitarbeiterin Annette Hoppen