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Post-Covid – Nachwirkungen sind therapierbar

Post-Covid Patientin Rebecca: „Die Reha hat mich gerettet!“

Von Petra Dettmer

Alltagsbegleiterin Rebecca K.
Alltagsbegleiterin Rebecca K.
Foto: Therapiezentrum Koblenz

Sie sprühte nur so vor Energie. Tatkräftig packte sie überall an, wo Hilfe gebraucht wurde. Sie liebte die ausgiebigen Spaziergänge mit ihren Hunden, machte drei Mal die Woche Sport. Jeder erlebte Rebecca K. als Powerfrau. Und dann infizierte sich die 42-jährige Betreuungskraft, die als Alltagsbegleiterin in einer geriatrischen Tagesstätte in der Gerontopsychiatrie arbeitet mit Corona. Das war im April 2020 während der ersten Welle. „Wir arbeiteten in Schutzkleidung, haben alle hygienischen Maßnahmen befolgt, wurden jeden Tag getestet und trotzdem habe ich mich und zwei weitere Kolleginnen sich bei einem Patienten angesteckt“, erzählt Rebecca.

Rebecca wurde an einem Freitag positiv getestet. „Ich hatte überhaupt keine Symptome, musste aber natürlich in Quarantäne.“ Am Montagvormittag fühlte sie sich etwas schwach. Ihr wurde schwindelig und alles war ein wenig anstrengend. Um 17 Uhr änderte sich ihre Situation schlagartig. „Man hätte die Uhr danach stellen können“, erinnert sich Rebecca, als wäre es gestern geschehen. „Von jetzt auf gleich ging es mir rapide schlechter. Ich dachte nur noch, was passiert mit mir? Ich hatte Atemnot, starken Schwindel, Gliederschmerzen, Husten, aber kein Fieber. Dafür tat mir die Haut überall weh. Ich konnte nur noch liegen und war bemüht, irgendwie den Abend zu überstehen.“

Am nächsten Tag rief sie sofort beim Gesundheitsamt an. Ihr Zustand hatte sich kein bisschen verbessert. Ganz im Gegenteil. Nun hatte sie auch noch ein Stechen in der linken Brust. Das Gesundheitsamt empfiehlt ihr ins Krankenhaus zu fahren. Doch Rebecca will noch nicht ins Krankenhaus. Die Angst vor einer künstlichen Beatmung ist zu groß. Stattdessen geht sie in eine Fieberambulanz. Dort wird sie beruhigt. Das seien alles ganz normale Symptome. Das werde zum Wochenende besser. Dem war aber nicht so.

„Zehn Tage lang habe ich auf dem Sofa gelegen und an die Decke geschaut. Ich habe noch nicht einmal fernsehen können. Selbst das war zu anstrengend. Ich war so mit mir selbst beschäftigt, bekam kaum Luft. Es fühlte sich an, als wenn meine Lunge platzen würde. Ernährt habe ich mich nur noch von Tiefkühlpizza. Ich hatte absolut keine Kontrolle mehr über meinen Körper.“ Wie ein Mantra beschwor sie sich immer wieder selbst: „Du musst überleben!“

Nach zwei Wochen ging es langsam bergauf. Die Quarantäne war beendet. Aber jede Bewegung war immer noch erschreckend anstrengend. Nach drei Treppenstufen war Rebecca total fix und fertig, aber sie konnte wenigsten wieder selbstständig einkaufen gehen. Zwar nur ganz langsam, aber immerhin. Sie wird zwei weitere Wochen krankgeschrieben und nimmt anschließend noch eine Woche Urlaub. Rebecca freut sich wieder auf ihre Arbeit, aber bemerkt recht schnell, dass sie nicht mehr so belastbar war wie früher. „Ich wollte es aber nicht wahrhaben, habe Ausreden gefunden, warum es mir nicht gut geht und mir immer wieder gesagt, dass das schon wieder weg geht.“ Doch die chronische Müdigkeit macht ihr schwer zu schaffen. Die sonst so kommunikative Alltagsbegleiterin zieht sich immer mehr zurück. Die Situation belastet sie nicht nur physisch, sondern auch psychisch. „Ich war nicht mehr die Alte.“ Was ist nur mit mir los, fragt sie sich vermehrt.

Für Dr. med. Bernhard Kügelgen, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, ist die Antwort ganz eindeutig. „Hierbei handelt es sich ganz klar um Symptome des Post-Covid bzw. Long-Covid-Syndroms. Dieses Syndrom tritt nach einer Infektion mit dem Corona-Virus auf. Nicht bei jedem, aber heute wissen wir, dass ungefähr zehn Prozent der Covid-Patienten davon betroffen sind.“ Die meisten leiden unter Funktionsstörungen wie dem Fatigue Syndrom, einer chronischen Müdigkeit. „Aber auch Konzentrationsstörungen und Atemnot, die eine eingeschränkte Mobilität nach sich zieht, gehören zu den klassischen Symptomen“, weiß Dr. Kügelgen aus Erfahrung mit seinen Reha-Patienten. Dauern diese Symptome länger als vier Wochen an, spricht man vom Long-Covid-Syndrom. Sind sie nach drei Monaten immer noch nicht verschwunden, leidet der Patient unter dem Post-Covid-Syndrom.

Angeleitete Medizinische Trainingstherapie
Angeleitete Medizinische Trainingstherapie
Foto: Therapiezentrum Koblenz

Doch im Jahr 2020 war dieses Wissen um das Post- bzw. Long-Covid-Syndrom unter Ärzten noch nicht weit verbreitet. Rebecca sucht Rat bei Hausärzten, Kardiologen, Lungenfachärzten, erzählt von ihrer Schlaflosigkeit, ständigen Müdigkeit, ihrer Antriebsarmmut und Vergesslichkeit. „Doch kein Arzt konnte mir helfen. Diese Zeit war ganz schlimm für mich. Mir ging es nicht gut. Ich habe um Hilfe geschrien. Das war nicht ich, aber ich war verzweifelt und wusste nicht, wer mir helfen konnte.“ Im Mai 2021 kommt Rebecca selbst auf die Diagnose. „Ich glaube, ich habe Spätfolgen. Meine Symptome passen eindeutig“, kombiniert sie, nachdem immer häufiger über das Syndrom berichtet wird.

Im Juli 2021 erfährt Rebecca durch Zufall von der Post-Covid-Ambulanz in Wiesbaden. Ihr erster Gedanke „Ich bin nicht allein!“. In der Ambulanz hört man ihrer Krankengeschichte staunend zu und fragt sie fassungslos, weshalb sie noch arbeiten gehe? „Weshalb waren Sie noch nicht in Reha. Sie müssen unbedingt in die Reha!“

Zwei Monate lang kämpft Rebecca um die Anerkennung bei der Berufsgenossenschaft und konnte endlich Ende Oktober 2021 eine ambulante Rehabilitation im Therapiezentrum Koblenz anfangen. „Schon nach dem Erstgespräch wusste ich, dass ich mit Dr. Kügelgen endlich einen Arzt gefunden hatte, der mich verstand“, sagt sie glücklich. „Ich habe mich das erste Mal wirklich verstanden gefühlt und wurde von Kopf bis Fuß als Mensch wahrgenommen.“

„Bei der Reha gehen wir individuell auf die Probleme des Patienten ein, wobei aber immer der Mensch als Ganzes wahrgenommen wird“, erklärt Dr. Kügelgen. „Wir werden das Syndrom nicht komplett heilen können. Die Patienten lernen hier aber, wie sie in Zukunft mit ihrer Erkrankung leben können. Sie lernen, sie zu akzeptieren und dass sie wieder Freude am Leben haben können.“

Gezielte Übungen zur Steigerung der Belastbarkeit
Gezielte Übungen zur Steigerung der Belastbarkeit
Foto: Therapiezentrum Koblenz

Die Therapie setzt insbesondere auf die Stabilisierung des Nervensystems, indem folgende Maßnahmen erlernt und regelmäßig umgesetzt werden: Erholsamer Schlaf, Wechselduschen, Bewegung, keine Nutzung von Schmerzmitteln, Lösung chronischer Konflikte im sozialen Umfeld.

Was so einfach klingt, ist harte Arbeit. „Die ersten drei Tage konnte ich keine Treppenstufe steigen“, sagt Rebecca und ergänzt mit strahlendem Blick, „Heute brauche ich keinen Fahrstuhl mehr und nehme jede Treppe.“ Für die sportbegeisterte 42-Jährige eine Leistung, die sie sich vor vier Wochen nicht in ihren kühnsten Träumen hätte vorstellen können. „Ich habe viel Gerätetraining gemacht und mit Gewichten gearbeitet“, erzählt sie. In der Logopädie hat sie Atemtechniken erlernt. „Wenn ich nachts nicht schlafen kann, mache ich jetzt Atemtraining. Das funktioniert prima.“ Auch die Vergesslichkeit hat durch gezieltes Gedächtnistraining extrem nachgelassen. Ebenso wurde der extreme Schwindel weniger.

Da Rebecca an einer ambulanten Rehamaßnahme teilnahm und regelmäßig nach Hause fuhr, bekam sie auch Hausaufgaben auf. „So hat mir die Psychologin zum Beispiel aufgetragen, am Wochenende wieder Kontakt zu Freunden und Bekannten aufzunehmen“, sagt Rebecca lachend. „Das ist auch wichtig, denn ich hatte mich ja komplett zurückgezogen.“ Oder sie sollte Fahrrad fahren, aktiv werden. Hintergrund ist der, dass Rebecca erkennen soll, dass man vieles machen kann, auch wenn es nicht mehr so ist wie früher. „Ich weiß, dass ich nicht mehr hundert Prozent Luft bekomme, aber das ist in Ordnung. Ich bin mir mit im Reinen und mache trotzdem wieder alles wie früher.“ Zu ihrer großen Freude kommt auch der Geruchssinn langsam wieder.

Spielerisches Training von Koordination und Aktivität
Spielerisches Training von Koordination und Aktivität
Foto: Therapiezentrum Koblenz

Die Rehamaßnahme dauerte sechs Wochen. Die Behandlungseinheiten begannen um 9 Uhr und endeten um 16.30 Uhr. Anschließend begann die Wiedereingliederung von Rebecca in der Gerontopsychiatrie als Alltagshelferin. Wer Rebecca heute sieht, kann sich kaum vorstellen, dass sie noch vor ein paar Wochen komplett am Ende war. In ihren Augen ist der Glanz von früher zu erkennen, die Lebensenergie, die Freude am Leben. Rebecca ist wieder die Powerfrau, die sie einmal war. „Die Reha hat mich gerettet. Ich bin so glücklich, keine Angst mehr zu haben.“

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