„Die schießen!“ – das ist der letzte Funkspruch, den Yasmin Bux und Alexander Klos ihren Kollegen noch übermitteln können. Dann werden die beiden jungen Polizisten brutal und aus nächster Nähe erschossen. Es ist die Nacht zum 31. Januar 2022, es ist ein kleiner, unscheinbarer Parkplatz an einer Landstraße bei Ulmet nahe der Kreisstadt Kusel. Die beiden haben ein Fahrzeug wegen des Verdachts auf illegale Wilderei kontrolliert. Einer der beiden Insassen richtet die Waffe gegen sie. Für Yasmin Bux und Alexander Klos kommt in den frühen Morgenstunden jede Hilfe zu spät.
Die 24-Jährige war noch in der Ausbildung, studierte an der Polizeihochschule, hätte ein paar Wochen später ihre Graduierung erhalten. Der 29-Jährige war Polizeikommissar, beide waren in der Kollegenschaft beliebt, galten als lebensfroh und optimistisch. Den Dienst am Bürger haben sie an diesem Morgen mit ihren noch jungen Leben bezahlt.

Es ist ein kaltblütiges Verbrechen, das ganz Deutschland betroffen macht. In Kusel schreiten wenige Tage nach der Tat rund 200 Trauergäste durch den Nieselregen in die Fritz-Wunderlich-Halle, um in einer Trauerfeier der beiden getöteten Polizisten zu gedenken, darunter Familie, Freunde und Kollegen von Yasmin Bux und Alexander Klos. Die Tragödie trifft auch erfahrene Ermittler tief.
Die Stimmung ist bedrückend. Die damalige Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz sind dabei, ganz in Schwarz gekleidet. Allen ist die Erschütterung ins Gesicht geschrieben. Vor der Halle stehen zahlreiche Kollegen der Getöteten. Man grüßt und umarmt sich, tröstet die Angehörigen, deren Leid unermesslich ist. In diesen Tagen stehen die Menschen zusammen. Ganz besonders, als um 10 Uhr die Kirchenglocken läuten. In einer Schweigeminute senken die Polizisten den Kopf, halten ihre Mützen in den Händen.
Rund 500 Menschen haben am Montagnachmittag Abschied von den beiden Polizisten genommen, die Ende Januar brutal erschossen worden waren. Kollegen erinnerten an das Wesen der beiden Opfer.
Trauerfeier in Kusel: Bewegendes Gedenken an getötete Polizisten Alex und Yasmin
Ein paar Wochen später wird in einer Zeremonie erneut der beiden gedacht. Es ist ein bewegender Moment, als das Bläserquintett des Landespolizeiorchesters sanft zu spielen beginnt und damit die öffentliche Trauerfeier einläutet, zu der rund 500 Menschen kommen. Zum Abschluss bilden zahlreiche Polizisten für Alex und Yasmin ein großes A und Y auf dem Platz neben der Halle, bevor sie weiße Luftballons gen Himmel steigen lassen. Am Parkplatz zeugen Gestecke und Kerzen von dem Verbrechen, das dort geschah. Auch ein Kreuz. „Du lebst in unserem Herzen“ steht darauf geschrieben.
Die beiden Männer, die sich im kontrollierten Wagen befanden, werden noch am Abend des 31. Januar 2022 gefasst. Der damals 38 Jahre alte Andreas S. wird Ende des Jahres wegen Doppelmordes mit besonderer Schwere der Schuld zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Sein damals 32-jähriger Mitfahrer Florian V. bleibt als Kronzeuge straffrei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden jungen Polizisten mit Kopfschüssen ermordet wurden, um Jagdwilderei zu vertuschen.
Der Autor
Markus Kilian, Jahrgang 1990, hat in Würzburg Musikwissenschaften und Philosophie studiert. Während seines Volontariats beim Meininger Tageblatt (Südthüringen) hat er neben seiner Begeisterung für Kultur- auch die für Lokaljournalismus entdeckt. 2020 zog es ihn nach Rheinland-Pfalz, wo er zunächst als Redakteur der Neuwieder Lokalausgabe Teil der RZ-Familie wurde. Seit 2022 recherchiert und schreibt er für die Bad Kreuznacher Lokalredaktion. Seine Motivation, Journalist zu werden, beschreibt er so: „Schon als ich noch ein Kind war, hat mein Grundschullehrer bemerkt, ich würde so viele Fragen stellen. Als Erwachsener darf ich das nun beruflich machen und dabei die Menschen der Region kennenlernen – mit ihren Leidenschaften, ihren Themen, ihren Schicksalen. Es macht mir unheimlich Spaß, ihre Geschichten in Buchstaben und Bildern einzufangen. Als Journalist ist kein Tag wie der andere. Und ich bin heute schon neugierig, worüber ich morgen schreiben werde.“


