Journalismus und Sperrfristen
Wie „Germany’s Next Topmodel“ ein Exempel statuierte
Sie war die Gewinnerin von "Germany's Next Topmodel" 2017: Celine Bethmann aus Koblenz
Sie war die Gewinnerin von "Germany's Next Topmodel" 2017: Celine Bethmann aus Koblenz
Marcel Kusch. picture alliance / Marcel Kusch/

Wie wichtig es für Journalisten ist, sich an faire Absprachen zu halten, hat Celina de Cuveland beim Finale der Pro-Sieben-Serie „Germany’s Next Topmodel“ im Jahr 2017 erleben dürfen.

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Auch im Journalismus – oder vielleicht gerade im Journalismus – gibt es Absprachen, Regelungen und juristische Leitplanken. Und es ist wichtig, dass sich ein Journalist an diese hält. Entweder wegen der Ethik, weil veröffentlichte Texte sonst justiziabel werden können, um gewisse Vorgänge einordnen zu können oder auch um Menschen nicht zu schaden. Wie wichtig und empfindlich solche Regelungen sein können, habe ich als Volontärin erfahren.

Kürzlich begegneten mir diese Regeln wieder. Und zwar im Kontext der Berichterstattung des Magazins „Der Spiegel“ über den Fall Collien Fernandes. Eine der beteiligten Journalistinnen berichtete über ein sogenanntes Hintergrundgespräch. Über Hintergrundgespräche „unter drei“ berichten wir Journalisten nicht. Sie dienen der reinen Einordnung. Es gibt auch Gespräche „unter zwei“, dann dürfen wir die Informationen veröffentlichen, aber die Quelle nicht nennen. Festgelegt sind diese Begriffe in der Satzung der Bundespressekonferenz. Journalisten halten sich in der Regel an diesen ethischen Kodex.

Celina de Cuveland
Celina de Cuveland
Jens Weber

Ähnlich ist es mit Sperrfristen. Schickt uns ein Pressesprecher eine Information mit Sperrfrist zu, heißt das, dass wir sie erst danach veröffentlichen dürfen. Für uns ist das gut, so können wir sie vorher besser aufarbeiten. Daran halten wir uns. Meistens.

Ich war Volontärin bei der Rhein-Zeitung im Mai 2017. Das Finale der ProSieben-Serie „Germanys next Topmodel“ stand an – im Centro Oberhausen. Mit dabei: die damals 18 Jahre alte Céline Bethmann aus Koblenz. Wenn eine Koblenzerin im Finale steht, muss die RZ natürlich hin. Also saß ich in der pompösen Liveshow – als eine der jüngsten Medienvertreterinnen. Entsprechend beeindruckt war ich von dem Aufwand, mit dem das Finale durchgeführt wurde.

Von ProSieben eingenordet

Bevor die Show losging, nordete uns jemand von ProSieben ein. Es handele sich zwar um eine Live-Übertragung, aber um bei Problemen reagieren zu können, gab es eine Verzögerung bei der Ausstrahlung von rund fünf Minuten. An diese Angabe sei sich zu halten. Wer rausfliegt und wer weiterkommt, ist nur mit einem Versatz von rund fünf Minuten zu veröffentlichen – ab dem Moment, wenn sie auch die Live-Übertragung zeigt. 

Eine meiner Kolleginnen war für ein Boulevardmagazin beim Finale. Bis zur ersten Entscheidung. Sie veröffentliche die Info als Erste. Und zu früh – bewusst, ohne den Zeitversatz. Umgehend – wirklich umgehend – kamen zwei Ordner, packten sie und begleiteten sie unter großem Protest nach draußen. Bei mir hat dieses Erlebnis Eindruck hinterlassen. Ich habe mich gefragt: War es das wert? Diese noch unbedeutende Entscheidung zu verraten, um danach gar nichts mehr veröffentlichen zu können? Nein, das war es wohl nicht. Wenn wir als Journalisten uns bewusst nicht an Absprachen halten, sollte das einen triftigen Grund haben oder das öffentliche Interesse sollte die Entscheidung rechtfertigen. Das hat nichts mit Angst oder Einflussnahme zu tun – sondern vielmehr mit Fairness, die in unserem Beruf relevant ist. 

Die Autorin

Als Nachrichtenchefin der Rhein-Zeitung für den Kreis Ahrweiler koordiniert Celina de Cuveland, Jahrgang 1991, seit 2022 Redakteure, freie Mitarbeiter und Producer. Zuvor war sie fünf Jahre lang als freie Journalistin vor allem als Radio-, Online- und Social-Media-Reporterin für den WDR tätig, absolvierte die Reportageschule in Reutlingen und ihr Volontariat bei der Rhein-Zeitung 2016/2017. Mit ihrer Vermisstengeschichte „Wo ist Karl?“ war sie für den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Lokalreportage nominiert. Darum ist sie Journalistin geworden: „Ich möchte mit meinen Texten etwas bewirken. Und ich denke, dass wir gerade in der heutigen Zeit guten, fundierten und ausgeruhten Journalismus brauchen.“

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Zeitgeschichte

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