Kindheit, Jugend und Beruf
Wie die RZ ein Leben prägt – und zu Joan Baez führt
Die US-Folksängerin Joan Baez trat in den 1980er-Jahren auf Loreley auf - und die Rhein-Zeitung verloste Karten für das Konzert
Die US-Folksängerin Joan Baez trat in den 1980er-Jahren auf Loreley auf - und die Rhein-Zeitung verloste Karten für das Konzert auf dem berühmten Felsen am Rhein.
Dürrwald. picture alliance / dpa

Samstags die Kinderseite, später ein Gewinnspiel – und schließlich der eigene Schreibtisch in der Redaktion: Eine Lebensgeschichte, die ohne die Rhein-Zeitung anders verlaufen wäre.

Lesezeit 2 Minuten

Die Rhein-Zeitung warb lange mit dem Slogan „Die Zeitung fürs Leben“. Für ein Mädchen aus dem Hunsrück, Jahrgang 1963, sollte sich das auf besondere Art und Weise bewahrheiten.

Jeden Morgen brachte die Oma des Mädchens in den 1950er-/60er-Jahren zuverlässig die RZ in die Haushalte des Hunsrückdorfes. Mauerbau, Kennedy-Mord, Mondlandung: Hier erfuhr man alles schwarz auf weiß. Gegen Abend kamen Vater und Sohn von gegenüber vorbei, setzten sich auf die Treppe, lasen die Artikel und debattierten kurz über die große Politik, bevor sie zum Kuhmelken in den Stall entschwanden. Fasziniert beobachtete das Mädchen dieses Ritual, das sich jeden Werktag abspielte. Die Rhein-Zeitung, so viel ahnte es schon damals, eröffnet eine neue, unbekannte Welt.

Birgit Pielen
Birgit Pielen
Jens Weber. MRV

In den 1970er-Jahren entdeckte das Mädchen die Zeitung für sich. Es war ein Schulkind und las alles, was ihm in die Finger fiel. Einmal in der Woche, immer samstags, gab es die Kinderseite im Journal der RZ. Was für eine Freude war das, die Geschichten zu lesen, die Rätsel zu lösen, die Spiele umzusetzen!

Eine Postkarte an die Kulturredaktion

Anfang der 1980er-Jahre, das Mädchen war 16 Jahre alt, las es die Rhein-Zeitung fast so intensiv wie Großeltern und Eltern. Und das sollte sich lohnen: Die Kulturredaktion verloste Karten für ein Konzert von Joan Baez auf der Loreley. Joan Baez, die große US-Folksängerin, das Idol! Man musste nur das Lösungswort des 1979 veröffentlichten Studioalbums auf eine Postkarte schreiben („Honest Lullaby“, wie einfach!) und an die Redaktion senden. Schon wenige Tage später war ein Brief von der RZ da: Das Mädchen hatte zwei Karten für das Konzert gewonnen – und klimperte erwartungsvoll auf seiner Gitarre. Mit seiner besten Freundin verbrachte es einen bis heute unvergesslichen Abend auf der Loreley.

Das Mädchen vom Hunsrück studierte, tippte den ersten Artikel über eine Krötenwanderung auf der Schreibmaschine und wurde schließlich Redakteurin. Das ist 35 Jahre her – und die RZ noch immer „Die Zeitung fürs Leben“.

Die Autorin

Birgit Pielen (62) ist seit mehr als 35 Jahren bei der Rhein-Zeitung. Nach einem Volontariat arbeitete sie als Redakteurin im Ressort Journal. Besonders beliebt war ihre Kolumne „Typisch Birgit“, in der sie vom Leben mit vier Kindern berichtete. 2004 wurde sie Redaktionsleiterin in Cochem-Zell, wo sie unter anderem die Aktion „Mej schienst Wort“ ins Leben rief. 2011 zog es sie wieder in die Zentralredaktion. Sie wurde zunächst Regiochefin am News-Desk, 2015 dann Nachrichtenchefin. In der bis dahin 68-jährigen Geschichte der RZ war sie die erste Frau in dieser Position. Seit Februar 2024 ist sie Chefreporterin – mit einer ungebremsten Neugier auf Menschen, die etwas bewegt oder die etwas bewegen.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Zeitgeschichte

Top-News aus der Region