
Nächstenliebe, Respekt, Hilfsbereitschaft, ein offenes Auge und Ohr für den Menschen neben mir – das empfinde ich als lohnendes Lebenskonzept. Und man kann sich durchaus mit den Werten Christis verbunden fühlen, ohne Mitglied einer Kirche zu sein. Als Mensch mit einer 19-jährigen DDR-Vergangenheit bin ich in diesem Geiste des Miteinanders und gegenseitigen Helfens in gewisser Weise aus einer Not heraus sozialisiert worden („Wir hatten ja nüscht!“).
Damals wusste ich allerdings noch nichts über Mutter Rosa (Margaretha Flesch), einen Menschen, für den Nächstenliebe und Hilfe für Schwache über allem stand. Die Geschichte ihres Lebens im Wiedtal sollte mich als Journalist noch fesseln. Denn ich durfte einige Jahre des Prozesses der Seligsprechung für die bekannte Waldbreitbacher Franziskanerin inklusive des eindrucksvollen Abschlusses im Dom zu Trier als Reporter begleiten.

Schwester Engeltraud Bergmann sollte dabei einige Male meinen Rechercheweg kreuzen. Denn sie war es, die den Seligsprechungsprozess für den Orden begleitete. Von ihr erfuhr ich, warum sich das ziemlich komplizierte Verfahren über Jahre hinzieht, welche Schritte dabei zu gehen sind, damit am Ende die Entscheidung der Verantwortlichen in Rom steht: Ja, Mutter Rosa wird seliggesprochen. Und dieses erworbene Wissen dann auch mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen, empfand ich als wertvollen Dienst.

Als uns in der Redaktion schließlich die Nachricht erreichte, dass die Seligsprechung Mutter Rosas auf deutschem Boden, in Trier, dem Bistumssitz, stattfinden würde, liefen die Vorbereitungen eines denkwürdigen Tages rund um den Trierer Dom an. Ein Team aus acht Reportern und Fotografen kam am Sonntag, 4. Mai 2008, in der alten Römerstadt an, wild entschlossen, den Lesern aktuell so viele Informationen, Emotionen und Stimmen zu bieten, wie uns möglich war. Immer in dem Bewusstsein verfangen, dass wir und alle anderen einen solchen Tag wohl nur einmal erleben.

Tausende Menschen, die irgendwie am Leben und Wirken von Mutter Rosa Anteil nahmen, versammelten sich am Dom, darunter auch direkte Nachfahren aus dem Wiedtal. Glückseligkeit war überall zu spüren, der Kontakt zu uns Journalisten fiel vielen leicht. Der eigentliche Akt, von Joachim Kardinal Meisner zelebriert, wurde zum erwarteten Höhepunkt.

Dass Journalisten auch gut und fruchtbar mit PR-Kollegen zusammenarbeiten können, den Beweis traten Heribert Frieling und sein Team an, die damals in der Unternehmenskommunikation der Marienhaus GmbH gearbeitet haben. Sie haben uns in Trier ein Büro samt Internetanschluss zur Verfügung gestellt, sodass wir bis in den späten Abend hinein eine aktuelle Zeitungsausgabe mit einigen Sonderseiten für unsere Leser produzieren konnten.

Ein weiteres Aha-Erlebnis für uns Reporter: Immer war in der provisorischen Redaktion eine helfende Hand zur Stelle, wenn es mal klemmte. Auch da war der Geist der Seligen zu spüren. Die Rückmeldungen aus der Leserschaft zeigten: Der Aufwand hatte sich für alle gelohnt.
Der Autor
Ralf Grün, Jahrgang 1970, ist „sportbekloppt“, interessiert sich aber auch für Kultur, das Reisen, er liest gern, mag es an der frischen Luft zu sein und glaubt immer noch an das Gute im Menschen. Während seines Studiums der Sozialwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen wagte er sich auf das weite Feld „Journalismus“ vor. Das Stadtradio Göttingen zählte ebenso zu seinen ersten Stationen wie ein kleines Sportmagazin in Magdeburg. Bei der „Magdeburger Volksstimme“ volontierte er, ehe es ihn 2002 zur Rhein-Zeitung und da in die Lokalredaktion Neuwied verschlug. Heute leitet er den Redaktionsverbund Rhein-Ahr, der die beiden Lokalausgaben für die Kreise Neuwied und Ahrweiler umfasst – und kann dennoch seiner beruflichen Passion nachgehen und Menschen kennenlernen, deren Geschichten lauschen, um diese dann einem größeren Publikum weiterzuerzählen.

