Mit der journalistischen Distanz ist das ja manchmal so eine Sache. Natürlich wollen wir als Reporter Themen möglichst seriös aufzubereiten. Doch hier und da darf es auch etwas menscheln – gerade wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht.
Entsprechend kann ich als Fußballfan keinen Hehl daraus machen, dass ein Telefonat mit einem Protagonisten gewissermaßen hervorsticht, wenn ich über die vielen Gespräche nachdenke, die ich in den vergangenen Jahren im beruflichen Kontext führen durfte. Im Mai 2019 gastierte die Traditionsmannschaft des FC Schalke 04 zu einem Freundschaftsspiel im Westerwald beim SV Schwarz-Weiß Salz. Passend dazu wurde ich im Vorfeld damit betraut, ein Interview mit Olaf Thon zu führen.

Uefa-Cup-Sieger, zweifacher DFB-Pokal-Gewinner sowie Meister der Herzen mit „meinen“ Schalkern: Nein, komplett ohne Emotionen bin ich nicht in dieses Gespräch gegangen. Schließlich handelte es sich, ohne übertreiben zu wollen, um einen Kindheitshelden, mit dem ich da zu tun hatte.
Damit das Interview über die Bühne gehen konnte, mussten durchaus spezielle Maßnahmen ergriffen werden. Denn wie das bei Telefonaten gerne mal so ist, waren mehrere Versuche nötig, ehe beide Seiten auch tatsächlich erreichbar waren. So erwischte mich der Rückruf von Olaf Thon, wie sollte es anders sein, auf dem Nachhauseweg aus der Redaktion. Genau genommen war ich im Begriff, in einem Supermarkt in Montabaur den Wocheneinkauf zu erledigen, als sich mein Handy energisch zu Wort meldete.
Königsblaues Gefährt statt Redaktionsbüro
Da blieb nur eine Option: schnell zurück ins Auto, Block und Stift in die Hand genommen und Herrn Thon so begrüßen, als ob ich noch ganz normal am Schreibtisch sitzen würde. Komfortabel war es vielleicht nicht, aber immerhin war mein damaliges Gefährt königsblau lackiert. Es gab also wahrlich schlechtere Orte, um den Kapitän der legendären „Eurofighter“ zu seinem bevorstehenden Besuch im schönen Westerwald zu befragen – und gleichzeitig mit ihm über den großen FC Schalke 04 zu sprechen...
Der Autor
Lukas Erbelding, Jahrgang 1991, ist seit 2008 für die Rhein-Zeitung tätig. Seine ersten beruflichen Schritte machte er als freier Mitarbeiter in der Bad Kreuznacher Regionalsport-Redaktion. Nach abgeschlossenem Anglistik/Amerikanistik-Studium in Mainz folgte ab 2018 ein Volontariat bei der RZ. Ab 2020 arbeitete er für ein Jahr als Regionalsport-Reporter, ehe es ihn für rund vier Jahre in die Digitalredaktion verschlug. 2026 schloss sich gewissermaßen der Kreis: Seither ist der gebürtige Bad Kreuznacher wieder als Regionalsport-Reporter im Einsatz. Darum ist er Journalist geworden: „Hobby und Beruf schließen sich bei mir nicht aus. Diese Kombination nehme ich immer wieder als äußerst spannend wahr.“


