11. September 2001
Wenn die Tastaturen schweigen
Genau diese Szenen des Nachrichtensenders NTV wurden auch in der Koblenzer Stadtredaktion live mitverfolgt.
Genau diese Szenen des Nachrichtensenders NTV wurden auch in der Koblenzer Stadtredaktion live mitverfolgt.
picture alliance/dpa|epa

Von den 80 Jahren, seit die Rhein-Zeitung besteht, habe ich 29 mit erlebt. Seit ich bei der Zeitung arbeite, haben sich unzählige Geschichten angesammelt. Eine davon ist mir in schrecklicher Erinnerung geblieben.

Lesezeit 2 Minuten

Was am 11. September 2001 passiert ist, dürfte noch in sehr vielen Köpfen präsent sein. Um 14.46 Uhr mitteleuropäischer Zeit krachte ein Passagierflugzeug in den Nordturm des World Trade Centers, wenig später folgte ein zweites, welches den Südturm traf – der Auftakt für die folgenreichsten Terroranschläge der Nachkriegszeit.

Und auch in der Koblenzer Stadtredaktion, die sich damals noch in der RZ-Passage mitten in der City befand, wurden die erschreckenden Szenen live im Fernsehen mitverfolgt. „Schaltet schnell den Fernseher ein“, rief unser damaliger Redaktionsleiter, der aufgeregt aus dem ersten Stock die Treppe herunterkam. Ich konnte es kaum glauben und dachte ernsthaft, es sei eine Simulation oder einen Science-Fiction-Film. Schnell wurde ich eines Besseren belehrt.

Patricia Lind
Patricia Lind
Kevin Rühle. MRV

Die Erkenntnis, das ist alles live und echt, schockierte uns alle zutiefst. Ich erinnere mich noch gut daran, wie für einige Zeit das Klappern der Tastaturen erstarb und wir alle fassungslos auf unseren Redaktion-Fernseher starrten. Smartphones standen damals noch nicht zur Verfügung, um dem Geschehen zu folgen.

Die Nachrichten überschlugen sich und die ganze Redaktion war sprachlos. Für Redakteure ein eher seltener Zustand. Zumal es ja nicht bei den ersten beiden Flugzeugen blieb: Eine weitere Maschine krachte wenig später ins Pentagon, der Südturm des World Trade Centers kollabierte, der United Airlines Flug 93 stürzte bei Shanksville in Pennsylvania ab und schließlich fiel der Nordturm des World Trade Centers in sich zusammen.

Mit Schrecken in den Gliedern und eingeschaltetem Fernseher mussten wir uns weiter unserer Arbeit widmen und entscheiden, wie wir als Lokalausgabe in unserem Großstädtchen Koblenz mit diesen Fakten umgehen. „Denn bis jetzt ist die Rhein-Zeitung immer noch erschienen“ – ein Satz, der in unserer Redaktion bei vielen Anlässen fällt, auch bei den schrecklichsten, die man sich vorstellen kann.

Die Autorin

Patricia Lind (55) arbeitet seit 1997 bei der Rhein-Zeitung. In den Jahren zuvor als Mitarbeiterin in der Werbebranche und dem Marketing tätig, ging es für sie seinerzeit wieder zurück zu den Wurzeln, denn ihre Ausbildung hatte sie bei der Zeitung für Kleinanzeigen „Such und Find“ absolviert. Zunächst als Produktionsassistentin eingesetzt, folgte eine Position als Producerin, danach ein Einsatz als Blattmacherin, bevor sie ihre Stelle als Redakteurin antrat. Dass ihr das gedruckte Wort am Herzen liegt, wurde schon während ihrer Schulzeit klar. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit arbeitete sie in einer Druckerei, um ihr Taschengeld aufzubessern. Dass das gedruckte Wort über die Jahre durch das digitale Wort ergänzt wurde, macht ihre Arbeit für sie umso interessanter.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Zeitgeschichte

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