Wann meine Freundinnen und Freunde in mein Leben gekommen sind, kann ich in den seltensten Fällen an einem konkreten Ereignis festmachen, an einem Datum schon gar nicht. Kindergarten, Schulzeit, Uni lauten grob gefasste Orientierungspunkte: Irgendwann kannte und mochte man einander. In jenen jungen Jahren finden sich solche Bindungen ja auf nahezu magisch leichte Weise – und viele halten bis heute.
Später habe ich unter anderem über meinen Beruf Menschen kennengelernt, die mir privat ans Herz gewachsen sind. Auch hier kann ich kaum sagen, wann, wo und wie aus einem anfänglich beruflichen Kontakt einer für meine Freizeit wurde. Es gibt wenige Ausnahmen, von einer möchte ich hier erzählen. Denn das Ganze hängt mit einem Termin zusammen, den ich im Ende Oktober 2014 ausmachte, damals arbeitete ich noch als Redakteurin im Kulturressort: Deshalb kann ich den Beginn dieser Freundschaft, anders als bei den meisten, also auf Jahr und Tag festmachen. Traurigerweise gilt das auch für ihr Ende. Die Freundin lebt nicht mehr. Ein Grund, hier an sie zu erinnern.

Es ging seinerzeit darum, eine neu in unserer Region in Erscheinung getretene Autorin zu porträtieren, eine gewisse Anne von Canal. Ihr Debütroman „Der Grund“ war kürzlich im renommierten Hamburger Mare Verlag erschienen. Die Autorin selbst war wegen der Liebe von der Elbe an die Mosel gezogen, in Koblenz stand eine erste Lesung an.
Für den Termin mit der Presse waren wir in ihrer Bürowohnung verabredet, idyllisch an der Mosel gelegen. Unser Gespräch ging zügig über den eigentlichen Anlass – ihr Buch und ihre Arbeit als Schriftstellerin – hinaus. Auf voller Wellenlänge. Am Ende stand fest: Wir setzen es alsbald ein anderes Mal fort, dann ohne Notizblock, ohne Blick auf die Uhr, ohne dass in der Redaktion noch Arbeit wartete. Aus diesem Termin entstand letztlich nicht nur ein Artikel. Anne wurde eine gute Freundin, die leider ziemlich genau acht Jahre später krankheitsbedingt starb. Sie fehlt mir.
Vor einigen Tagen meldete sie sich mit einem beeindruckenden Text noch einmal auf Facebook zu Wort, berichtete von einem Ausflug ins geliebte Norwegen, den sie trotz massiver gesundheitlicher Einschränkungen unternommen hatte - am 20.
Winninger Schriftstellerin gestorben: Anne von Canal stirbt im Alter von 49 Jahren
Warum ich just auf diesen Termin zurückblicke? Weil ich lange überlegt habe, über welche meiner vielen Begegnungen mit interessanten Menschen ich hier schreiben möchte. Es sind unzählige, weil es nun einmal ein Privileg unseres Berufs ist, viele Menschen zu treffen, mit ihnen zu sprechen, ihnen zuzuhören, um Einblicke in ihr Leben, in ihr Tun zu bekommen, eben in das, was sie bewegt und was sie bewegen. Das waren und sind teils inspirierende, prägende Gespräche. Gleichzeitig fordert unser Job eine professionelle Objektivität, um zu berichten.
Es geht darum, zu dem Gehörten, Gesehenen und Erlebten und zu Gesprächspartnern eine gewisse Distanz zu wahren. Die bröckelte damals an der Mosel direkt – und ich bin heute noch froh darüber.
Die Autorin
Anke Mersmann, Jahrgang 1979, fing bereits in der Oberstufe an, für ihre Heimatzeitung im Sauerland als freie Mitarbeiterin zu schreiben, auch während ihrer Studienzeit in Münster arbeitete sie frei. Es folgten ein Volontariat im WAZ-Verlag (heute Funke Medien) und erste Jahre als Redakteurin im Stammhaus der „Westfalenpost“ in Hagen. 2009 zog es sie nach Rheinland-Pfalz und bald darauf als Redakteurin zur „Rhein-Zeitung“ in Koblenz. Mehrere Jahre arbeitete sie in der Kulturredaktion, bevor sie in die Zentrale unserer Zeitung in Koblenz wechselte. Mittlerweile ist sie leitende Redakteurin und verantwortet mit ihrem Kollegen Tim Kosmetschke das Themenmanagement. Journalistin ist sie geworden, weil sie die Vielseitigkeit dieses Berufs schätzt. Und sie findet es wichtig, dass Menschen nicht nur über das Geschehen in der großen weiten Welt informiert werden, sondern auch das, was unmittelbar mit ihrem Leben im eigenen Ort, der eigenen Stadt und unserem Bundesland zu tun hat.


