Interview mit Gesellschaftern
Was die Rhein-Zeitung bis heute prägt
Gesellschafter Dr. Olaf Theisen
Gesellschafter Dr. Olaf Theisen
Reuther

Gesellschafter Dr. Olaf Theisen spannt im Gespräch mit Chefredakteur Lars Hennemann den Bogen von der Lizenzerteilung bis zu den aktuellen Herausforderungen der regionalen Tageszeitung. Er ordnet ein, wo die Rhein-Zeitung steht. 

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Der Qualitätsjournalismus ist aktuell unter Druck: kaum regulierte Plattformkonzerne, steigende Kosten im Print-Bereich. Wo die Rhein-Zeitung in dieser Entwicklung steht – darüber spricht Gesellschafter Dr. Olaf Theisen im Interview mit Chefredakteur Lars Hennemann.

Herr Dr. Theisen, woran denken Sie spontan, wenn Ihnen jemand sagt „Die Rhein-Zeitung wird 80 Jahre alt?“ Und warum?

Ich denke zuerst an die Neuordnung des Pressewesens in der Lizenzzeit 1945 bis 1949, als die Herausgabe einer Tageszeitung in den westlichen Besatzungszonen einer Lizenz der Alliierten – in unserem Fall der französischen Militärregierung – bedurfte. Denn diese Lizenzen wurden nur Persönlichkeiten erteilt, die nicht aus der Zeit des Nationalsozialismus vorbelastet waren und Gewähr für eine demokratische Gesinnung boten. Das prägt die Rhein-Zeitung bis heute.

Welche Bedeutung hat ein Medium wie die Rhein-Zeitung insbesondere aufgrund seines regionalen Charakters?

Wir informieren uns über jeden Vorgang auf der Welt in Echtzeit aus einer schier unbegrenzten Anzahl unterschiedlichster Quellen. Aber wir brauchen auch belastbare Informationen über Themen „vor der Haustür“, die uns unmittelbar betreffen und auf die wir Einfluss nehmen können. Das ist nach wie vor die Domäne der regionalen Tageszeitung. In den USA etwa kann man eine Korrelation zwischen der Einstellung von Lokalzeitungen und erhöhten Ausgaben der öffentlichen Hand sowie Unregelmäßigkeiten bei der Amtsführung beobachten. Derartige Entwicklungen zulasten des Gemeinwesens lassen sich nur mit unabhängigem investigativem Journalismus einhegen. Digitales und Papier sind bei der Rhein-Zeitung schon lange kein Gegensatz mehr.

Wie sehen und bewerten Sie die Entwicklung der digitalen Angebote unseres Hauses? Und: unabhängiger Journalismus wird ungebrochen als wichtig für die Gesellschaft erachtet. Allerdings werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um ihn herzustellen, immer anspruchsvoller. Welche Erwartungen haben Sie in diesem Zusammenhang an Politik und/oder Gesellschaft?

Qualitätsjournalismus bietet die Rhein-Zeitung in der Print-Ausgabe sowie als E-Paper, Digitalangebot, Podcast und auf Social Media. Zur Verbesserung ihrer Angebote widmet sie sich zudem den Anwendungsmöglichkeiten generativer künstlicher Intelligenz (KI). Damit ist sie „State of the art“. Die Erlösmodelle des Qualitätsjournalismus aber sind angesichts der Geschäftspraktiken der nicht sonderlich stringent regulierten Plattformkonzerne und ständig steigender Kosten im Print-Bereich schon länger unter Druck. Wegen der KI-Revolution wird die Bedeutung des unabhängigen Journalismus aber noch deutlich zunehmen. Denn KI ist in erster Linie auf Textgenerierung ausgerichtet, nicht auf Erzeugung zutreffender Informationen. Sie berechnet Wahrscheinlichkeiten der Aufeinanderfolge von Wörtern und Wortteilen, da ist die Möglichkeit von Fehlern, insbesondere vorgeblicher Fakten ohne Wirklichkeitsbezug, systemimmanent. Zudem werden KI-Systeme anhand urheberrechtlich geschützter hochwertiger Informationen trainiert. Ohne ausreichenden Urheberrechtsschutz versiegen aber nicht nur Erlösströme, sondern langfristig auch Anreize zur Kreativität. Wenn künftige KI-Modelle daher zunehmend anhand KI-generierter synthetischer Inhalte trainiert werden, sinkt durch diese Rückkopplung die Qualität der Ergebnisse. Im gleichen Maß steigt die Bedeutung von menschengemachtem Journalismus. Die Landespolitik scheint diese Zusammenhänge erkannt zu haben. Jedenfalls senden die Bildung eines neuen Ministeriums, in dem die Medienpolitik angesiedelt sein wird, und die entsprechenden Vereinbarungen im Koalitionsvertrag interessante Signale.

Zu welchem Teil der Rhein-Zeitung greifen oder navigieren Sie als erstes oder besonders gerne? Und warum?

Generell konsumiere ich alles gern, was kommentierenden Charakter hat, unabhängig von der Rubrik und egal ob elektronisch oder auf Papier. Wer kommentiert, muss begründen, und das trägt zur eigenen Meinungsbildung bei. Die „Meinung“ lese ich immer. In meiner Funktion als Intendant des Musik-Instituts interessieren mich besonders die Rezensionen unserer Konzerte. Die sind eine Instanz, zumal ein Gesellschafterbonus weder verlangt noch gewährt wird.

Welche Themen und Recherchen der Rhein-Zeitung sind Ihnen bis heute besonders im Gedächtnis geblieben? Und warum?

Die Berichterstattung über den erfolgreichen Kampf um das Oberlandesgericht und die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz 2011/2012 war nicht nur journalistisch ein Lehrstück. Das alle Dimensionen sprengende Ereignis war aber die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Die Leistungen der Redaktion in dieser Zeit fand ich angesichts der ungeheuren Größe und Schwierigkeit der Aufgabe beeindruckend.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Zeitgeschichte

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