Mehr als 80 Verletzte
Unwetter besiegelt das Ende von Rock am Ring in Mendig
Das "Feld der Träume" versinkt im Matsch: Nach einem heftigen Unwetter wird das Festival Rock am Ring abgebrochen.
Das "Feld der Träume" versinkt im Matsch: Nach einem heftigen Unwetter wird das Festival Rock am Ring abgebrochen.
Thomas Frey. picture alliance / dpa

Rock am Ring in Mendig hätte eine ganz große Sache werden können. Nach der gelungenen Premiere im Jahr 2015 auf dem „Feld der Träume“, dem Mendiger Flugplatz, sah die Zukunft rosig aus. Doch dann kam das Unwetter.

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Es beginnt mit einem „Feld der Träume“, und es endet alles andere als traumhaft: In der Nacht zum 5. Juni 2016 fällt die Entscheidung, das Festival „Rock am Ring“ in Mendig abzubrechen – aus Sicherheitsgründen. Tags zuvor sind bei einem heftigen Gewitter auf dem Gelände mehr als 80 Menschen teils schwer verletzt worden. Weil weitere Unwetter drohen, zieht Mendigs Verbandsgemeindebürgermeister Jörg Lempertz die Reißleine. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll angefangen.

Mitte 2014 wird bekannt, dass sich Rock-am-Ring-Veranstalter Marek Lieberberg nach einem neuen Standort für sein Festival umsieht. In Mendig zögern sie keine Sekunde. VG-Bürgermeister Lempertz und Mendigs Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel bieten Lieberberg den Mendiger Flugplatz an, ein ehemaliges Areal der Bundeswehr, das umgenutzt und weiterentwickelt werden soll. Und Lieberberg ist angetan. Die Rahmenbedingungen auf dem Flugplatz hält er für optimal. „Wir könnten dort sofort ein Festival in vergleichbarer Größe wie Rock am Ring machen“, sagt der Konzertveranstalter unserer Zeitung. „Der Standort passt einfach.“

Hilko Röttgers
Hilko Röttgers
Jens Weber. MRV

Schon bald ist vom „Feld der Träume“ die Rede. Zur Pressekonferenz auf dem Flugplatz, bei der Mendig offiziell als neuer Standort für Rock am Ring verkündet wird, schwebt Lieberberg filmreif mit einem Doppeldecker ein. Die Verantwortlichen geben sich zuversichtlich, dass sie Großes auf die Beine stellen werden.

Tatsächlich fällt im Jahr 2015 die Bilanz nach der Premiere von Rock am Ring in Mendig weitgehend positiv aus. Dass bei zwei Gewitterereignissen mehrere Blitze auf dem „Feld der Träume“ einschlagen und mehr als 30 Menschen – überwiegend leicht – verletzt werden, gerät zu einer Randnotiz. Erst in der Rückschau wird klar, dass dieser Zwischenfall ein Vorbote dessen ist, was im Jahr darauf passiert.

Hinter den Kulissen wird gerungen

Rund 93.000 Musikfans feiern bei Rock am Ring 2016. Das Festival beginnt planmäßig am frühen Freitagnachmittag. Doch schon bald ziehen dunkle Wolken auf. Am Abend beginnt es heftig zu gewittern. Das „Feld der Träume“ versinkt im Matsch. Bei Blitzeinschlägen werden mehr als 80 Menschen verletzt, mindestens acht von ihnen schwer. Ein Besucher muss reanimiert werden, berichtet unsere Zeitung. Die Veranstaltung wird für eineinhalb Stunden unterbrochen.

Am Samstag wird der Konzertbetrieb auf Anordnung der Verbandsgemeinde zunächst stundenlang ausgesetzt, bevor dann doch auf allen vier Bühnen noch einmal Bands auftreten. Hinter den Kulissen wird darum gerungen, ob das Festival abgebrochen werden muss. Wie unsere Zeitung erfährt, möchte Marek Lieberberg das Programm durchziehen. Der nach Mendig gereiste rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz empfiehlt einen Abbruch.

Letztlich ist es VG-Bürgermeister Jörg Lempertz, der als Chef der Genehmigungsbehörde die Beendigung des Festivals anordnet. Es ist zugleich das Aus von Rock am Ring in Mendig, auch wenn das zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar ist. Doch im Jahr 2017 kehrt das Festival an den Nürburgring zurück.

Der Autor

Hilko Röttgers, Jahrgang 1976, hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Politik und Soziologie in Münster studiert. Aus dem Münsterland zog es den gebürtigen Ostfriesen ins Rheinland – zunächst 2002 zur „Kölnischen Rundschau“. Seit 2005 gehört er zum Team der Rhein-Zeitung. Seine erste Station war die Lokalredaktion in Mayen, von wo aus er auch die Verbandsgemeinde Mendig in den Blick nahm. Später wurde er Chefreporter und Mitglied der Redaktionsleitung im Redaktionsverbund Rhein-Ahr, und seit November 2024 ist er Redaktionsleiter für den Redaktionsverbund der Rhein-Lahn-Zeitung und der Rhein-Hunsrück-Zeitung. Journalist geworden ist er, „weil ich schreiben wollte – nichts Erfundenes, sondern wahre Geschichten über und für echte Menschen“.

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