Umweltkatastrophe nach Unfall
Tragödie an Thürer Wiesen: Heizöl kontaminiert Natur
Die Einsatzmaßnahmen nach dem Heizölunfall dauerten tage- und monatelang an.
Die Einsatzmaßnahmen nach dem Heizölunfall dauerten tage- und monatelang an.
Kevin Rühle. Kevin Ruehle

Ein Tanklaster kippt auf der B262 bei Thür um. Seine Ladung, mehr als 30.000 Liter Heizöl, geraten in die Thürer Wiesen. Ein Feuchtgebiet in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet wird kontaminiert. Das hinterlässt nicht nur bei der Natur Spuren.

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Ölgeruch liegt in der Luft, auf dem Wasser schwimmt ein schillernder, regenbogenfarbener Film. Wir sind nicht etwa an einer Tankstelle, sondern mitten in der Natur – genau genommen, direkt am Naturschutzgebiet der Thürer Wiesen. Denn im Februar 2025 passiert hier ein Unglück, das seine Spuren hinterlässt: Ein Tanklaster, beladen mit mehr als 30.000 Liter Heizöl, kippt auf der B262 bei Thür um. Der Großteil der Ladung gerät über einen Gullydeckel in das Areal der Thürer Wiesen. Die Folgen sind fatal: Der Lebensraum zahlreicher Insekten, Fische, Vögel und anderer Tiere ist kontaminiert. Mehr als 200 von ihnen verenden.

Statt Vogelgezwitscher hört man also das laute Brummen von schweren Geräten, Stimmenwirrwarr von vielen verschiedenen Rettungskräften und ehrenamtlichen Helfern, die versuchen, sich zu koordinieren. Eine Frau stapft mit einem Kescher und Gummistiefeln durch das Feuchtgebiet, eine andere hält in ihren behandschuhten Händen einen Vogel. Das Tier liegt da kraftlos, ringt um sein Leben. Bilder wie diese gehen auch an einer Reporterin nicht spurlos vorbei.

Annika Wilhelm
Annika Wilhelm
Jens Weber. MRV

Was einem allerdings ebenfalls im Gedächtnis bleibt, ist der Zusammenhalt. Hunderte Helfer kommen zusammen, ob sie nun von der Feuerwehr, dem THW, der Wildvogel-Pflegestation Kirchwald oder der Kreisverwaltung sind, ob es der Verbandsgemeindebürgermeister oder der Kreisbeigeordnete sind. Sie alle sind da, um anzupacken, um die Situation zu wuppen.

Ölsperren sind schnell auf dem Thürer Bach errichtet. Die Schadstoffe sollen damit nicht ins Trinkwasser geraten oder weiter in das Wasser treiben, das durch das angrenzende Naturschutzgebiet fließt – dort, wo auch die Publikumslieblinge grasen, die Wasserbüffel. Um das Öl aus dem Feuchtgebiet zu bekommen, sind Pumpen im Einsatz. Etwa zwei Wochen nach dem Unfall ist ein Amphibienfahrzeug auf dem Thürer Bach unterwegs, schneidet das Schilf zurück.

Es sind Vorbereitungen für einen ganz besonderen Einsatz, denn kurz darauf überfliegt ein Hubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel Winningen das Gebiet: Er vertreibt das Öl, das sich in der Schilflandschaft festgesetzt hat, mithilfe von dem Rotor erzeugten Wind. Ein halbes Jahr lang werden die Ölsperren stetig ausgetauscht, dann heißt es abwarten.

Es ist ein Jahr später, dieselbe Stelle. Die Vögel zwitschern, Enten schwimmen auf dem Thürer Bach, die Wasserbüffel grasen im Naturschutzgebiet. Gute Nachrichten: Das Naturschutzgebiet bleibt von schwerwiegenden Schäden verschont. Doch im Feuchtgebiet gibt es weiterhin punktuell Kontaminationen mit Kohlenstoff. Die Schäden, die im Untergrund lauern, sind nur schwer zu beurteilen. Die Libellen sind aus dem kontaminierten Gebiet vollständig verschwunden. Die Wasserbüffel sollten eigentlich hierhin umgesiedelt werden, das wird vorerst nicht möglich sein. Doch es geht ihnen gut. Die Natur erholt sich langsam. W as bleibt, sind Spuren, die diese Geschichte nicht nur bei Flora und Fauna, sondern auch bei mir hinterlassen hat.

Die Autorin

Annika Wilhelm, Jahrgang 1995, ist während ihres Studiums der Anglistik und Germanistik durch ein Praktikum 2019 zur Rhein-Zeitung gekommen – und geblieben. Zunächst war sie zweieinhalb Jahre als freie Mitarbeiterin im Einsatz und stellte fest, dass der Lokaljournalismus genau ihr Ding ist. Im Juli 2021 hat sie ihr Volontariat bei der Rhein-Zeitung begonnen. Seit Juli 2023 ist sie nun festes Redaktionsmitglied und schreibt hauptsächlich über Themen aus der Region rund um Koblenz. „Früher war es die Journalistin, wie sie in Filmen und Serien dargestellt wurde: die taffe Frau, die Dinge hinterfragt, mit ihrem Roller durch die Straßen kurvt, und immer zuerst an Ort und Stelle ist. Leider habe ich bis heute keinen Roller wie Karla Kolumna, aber dafür noch viele weitere Gründe gefunden, warum ich mich für den Journalismus entschieden habe“, beschreibt sie ihre Motivation.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Zeitgeschichte

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