Es ist nicht immer nur der eine besondere Termin, der einem im Gedächtnis bleibt. Vielmehr sind es oft kleine Ereignisse, an denen man als Reporter teilnimmt und mittendrin statt nur dabei ist. Ein Beispiel ist der „Edschara Stohlgang“.
Jeweils am Montag nach dem Heimat- und Weinfest des „Ediger Osterlämmchens“ am zweiten Wochenende im August rüsten sich die Einwohner der Doppelgemeinde mit Klappstühlen und Proviant aus und ziehen durch den Ort. Was einst mit einer kleinen Gruppe Einheimischer begann, hat sich inzwischen zu einem Volksfest mit mehr als 2000 Gästen entwickelt. Der Brauch stammt aus den 1980er-Jahren und entstand auf Initiative von Norbert Krötz, der den Weinfest-Montag attraktiver gestalten und als „Feiertag für Einheimische“ erhalten wollte.

Den mitgebrachten Stuhl unterm Arm, den Proviant im Rucksack geht es unter Musikbeschallung per pedes durch den Ort. Schon nach kurzer Zeit steht die erste Pause an. Stühle werden ausgepackt, man setzt sich mit den Menschen zusammen, die sich gerade zufällig am selben Ort befinden, teilt Wein und Proviant und kommt miteinander ins Gespräch. Hier wird Gastfreundschaft gelebt ohne Vorbehalte Fremden gegenüber. Selten bin ich in so kurzer Zeit mit so vielen unterschiedlichen Menschen so ungezwungen ins Gespräch gekommen und habe echte Gemeinschaft erlebt, die mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist.
Der Edschara Stohlgang am Montag nach dem Weinfest zieht jedes Jahr aufs Neue mehrere Hundert Besucher an. Darüber hinaus genießt die Veranstaltung ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. RZ-Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz war dabei, um zu erfahren, was die Faszination des Stohlgangs ...
Edschara Stohlgang: Ein paar Schritte mit Stuhl und alles ist cool
Aber auch andere besondere Erlebnisse haben mein Reporterdasein geprägt. Unter dem Titel „Hinter verschlossenen Türen“ durfte ich beispielsweise im Innern eines Windrads bis ganz nach oben steigen und von dort durch die Luke in schwindelnder Höhe die Landschaft genießen. Besonders war auch die Unterquerung der Mosel an der Bruttig-Fankeler Staustufe und der Spaziergang durch den Eisenbahntunnel zwischen Cochem und Eller vor der Eröffnung der zweiten Röhre des 4,2 Kilometer langen Kaiser-Wilhelm-Tunnels, der immerhin bis ins Jahr 1988 der längst Eisenbahntunnel Deutschlands war.
Die Autorin
Ulrike Platten-Wirtz, Jahrgang 1965, hat in Kaiserslautern Innenarchitektur studiert und erst später ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt. Seit 2012 arbeitet sie für die Rhein-Zeitung. Nach elf Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion Cochem, gehört sie seit 2023 fest dem Redaktionsverbund Rhein-Mosel an. Sie schreibt überwiegend über Themen aus dem Kreis Cochem-Zell. Menschen und ihre Geschichten liegen ihr besonders am Herzen. Darum ist sie Journalistin geworden: „Ich bin von Natur aus neugierig und interessiere mich für alles, was in meiner Heimat passiert. Es macht mir Spaß, immer neue Menschen und deren Geschichten kennenzulernen und darüber zu schreiben. Der Beruf ist sehr vielseitig und da man nie weiß, was als nächstes auf einen zukommt, auch alles andere als langweilig.“


