Im Rheinstadion gefeiert
Mit Königin im Schlepptau erobert König Fußball Herzen
Die Fußballer des SC Idar-Oberstein stemmten sich um die Jahrtausendwende herum gegen die Größen des nationalen Fußballs. In die
Die Fußballer des SC Idar-Oberstein stemmten sich um die Jahrtausendwende herum gegen die Größen des nationalen Fußballs. In diesem Fall wirft sich Torwart Sascha Nicolay einem Spieler von Rot-Weiß Essen entgegen.
Adolf Sopper

Fußball verbindet Menschen, Fußball verbindet Regionen, Fußball verbindet Leidenschaft – all das wurde sichtbar und spürbar an einem Freitagabend im Düsseldorfer Rheinstadion. Mittendrin: der SC Idar-Oberstein und die Edelsteinkönigin.

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Im Zeitalter der großen Leichtathletik-Arenen war das Düsseldorfer Rheinstadion ein bundesweites Monument. Doch am 19. Mai 2000 wurde es eingenommen von einem sympathischen Provinzstädtchen inklusive majestätischem Beistand.

Die Fußballer des SC Idar-Oberstein zelebrierten das letzte Auswärtsspiel ihrer außergewöhnlichen Drittliga-Saison am Rhein und in dem Stadion, das 2002 abgerissen wurde und dem WM-Stadion von 2006 Platz machen musste. Im Schlepptau hatten die Kicker von der Nahe die Edelsteinkönigin. Nadine Härter, die seit ihrer Hochzeit May heißt, und die Fußballer spielten sich dabei den perfekten Doppelpass der Sympathie zu. Die Edelsteinkönigin rockte die Tribüne und verteilte an das verwunderte Düsseldorfer Publikum kleine Edelsteine. Sogar den Anstoß durfte die Edelsteinkönigin machen – im heutigen, auf die Sekunde durchgetakteten Fußball-Business völlig undenkbar, damals eine angenehme Abwechslung.

Olaf Paare
Olaf Paare
Jens Weber. MRV

Doch nicht nur Nadine Härter eroberte die Herzen der Düsseldorfer, die Fußballer auf dem grünen Rasen eiferten ihr nach und wurden zu wahren Lieblingen der Fortuna-Fans, die zu dem Zeitpunkt mit dem Auftreten der eigenen Spieler ganz und gar nicht einverstanden waren. Während die Fortuna-Recken sich nach dem Abpfiff in die Katakomben trollten, setzten die Idarer Spieler zur La-Ola-Welle vor dem Fanblock der Gastgeber an. Der sehr rhythmische Schlachtruf „Idar, Idar-Oberstein“ der Fortuna-Anhänger geht den Beteiligten seit mehr als 25 Jahren nicht mehr aus dem Ohr.

Die Atmosphäre war auch deshalb so besonders, weil eine Saison hinter den Idar-Obersteinern lag, die es in der Form nie wieder geben wird. Das Team war über eine Dekade von ganz unten bis in die Drittklassigkeit aufgestiegen, es bestand nahezu ausschließlich aus Fußballern, die mit dem Fahrrad zum Training kommen konnten. Amateure forderten über eine lange Saison Profis heraus.

Ein bunter Farbtupfer

Durch die besondere Saisoneinteilung damals, die den Westen und den Südwesten zusammenführte, durften die Idarer die zahlreichen Fußball-Hochburgen an Ruhr und Rhein aufmischen. Neben der Fortuna gab es auch legendäre Gastspiele in Essen, Münster, Paderborn, Uerdingen und Wattenscheid – ein Grünkohlessen mit dem damaligen Trainer Hannes Bongartz inklusive. „Wir waren nur ein Farbtupfer, allerdings ein bunter“, stellte Rückrunden-Trainer Gerd Hoffmann nach dem Spiel in Düsseldorf treffend fest.

Die TuS Neuendorf/Koblenz, der SC Birkenfeld oder Eintracht Bad Kreuznach – sie und andere erlebten ähnliche Höhenflüge. Der des SC Idar hatte aber seinen ganz eigenen Charme. Der Auftritt im Düsseldorfer Rheinstadion unterstrich dabei, welches Lebensgefühl, welche Leichtigkeit und welche Liebenswürdigkeit über König Fußball vermittelt werden kann. Das erleben wir Sportreporter der Rhein-Zeitung an jedem Wochenende auf ganz vielen Sportplätzen der Region, wenn auch nicht so markant wie an diesem Freitagabend im Düsseldorfer Rheinstadion und mit charmanter Untermalung durch eine Königin.

Der Autor

Olaf Paare, Jahrgang 1972, hat bereits für verschiedene Titel und Ressorts beim MRV gearbeitet. Gestartet ist er schon während der Schulzeit 1989 als freier Mitarbeiter beim Oeffentlichen Anzeiger. Von 1992 bis 1995 hat er dort als fester Mitarbeiter gearbeitet, ehe er für sein Volontariat von 1995 bis 1997 zur Nahe-Zeitung wechselte. Im Anschluss hat er als Sportredakteur mit viel Herzblut an der oberen Nahe gearbeitet. 2010 ist er zurück nach Bad Kreuznach gewechselt und hat die Leitung des Regionalsports für die Region Nahe und Hunsrück übernommen. Seit 2024 leitet er den gesamten Regionalsport der Rhein-Zeitung. Darum ist er Journalist geworden: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Mein Interesse für Regionalsport war schon als Jugendlicher riesig, heute berichte ich über den regionalen Sport und norde die Ereignisse für unsere Leser ein.“

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