Für den Sport um die Welt
Mit einem Satellitentelefon und 50 Unterhosen
Zu den hochdekorierten Athleten, die sich in den neunziger Jahren regelmäßig auf den Sportseiten der Rhein-Zeitung wiederfanden,
Zu den hochdekorierten Athleten, die sich in den neunziger Jahren regelmäßig auf den Sportseiten der Rhein-Zeitung wiederfanden, gehörte auch Ringe-Spezialist Andreas Wecker. Der Berliner führte zehn Jahre lang die Nationalmannschaft der Turner an.
Arne Dedert/dpa. picture-alliance / dpa

Regionalsport findet nicht nur vor der eigenen Haustür statt: Mitunter begleiten Reporter die Athleten auch zu internationalen Großereignissen im Ausland.

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Es sind durchaus besondere Autorenzeilen, die der Verfasser dieses Textes im Herbst des Jahres 1999 an den Anfang seiner Artikel schreiben darf. „Aus China berichtet unser Redakteur Dirk Kurz“ steht eine Woche lang auf den Sportseiten dieser Zeitung. Dahinter die Ortsmarke Tianjin. In der 9,5-Millionen-Menschen-Metropole werden damals die 34. Turn-Weltmeisterschaften ausgetragen. Und ich bin live dabei. „Dirk Kurz / Rhein-Zeitung Koblenz / Reporter“ ist auf der Presse-Akkreditierung mit der Nummer 1500041 aufgedruckt.

Tianjin in China, 160 Kilometer südöstlich von Peking. Es sind meine zehnten Turn-Weltmeisterschaften in Folge. 1987 in Rotterdam in den Niederlanden bin ich das erste Mal bei einem globalen Championat vor Ort. Es folgen 1989 Stuttgart (mit dem Ringe-Titel von Andreas Aguilar/BRD vor Andreas Wecker/DDR) und Indianapolis 1991 (mit der ersten gesamtdeutschen Riege). Weil der Weltverband anschließend für kurze Zeit zu einem jährlichen Modus wechselt, folge ich in den darauffolgenden Jahren Andreas Wecker & Co. nach Paris (1992) und Birmingham (1993), 1994 im Frühjahr nach Brisbane in Australien (Einzel-WM) und im Herbst nach Dortmund (Team-WM). 1995 bringen mich Flugzeug und Eisenbahn ins japanische Sabae, zwei Jahre später nach Lausanne (1997) in die Schweiz. Und schließlich, im Oktober 1999, in die Volksrepublik China.

Es ist, abseits der Titelkämpfe, eine besondere, eine nachhaltige Erfahrung im Reich der Mitte, das justament in jenem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. „Zwischen Reck und Stäbchen“ ist das journalistische Tagebuch betitelt, in dem ich tagtäglich zusätzlich zum sportlichen Geschehen meine Eindrücke von Land und Leuten schildere. Vom Bezwingen der Chinesischen Mauer, vom Platz des Himmlischen Friedens und der Verbotenen Stadt, von Garküchen, Slums und Smog-Glocken...

Dirk Kurz
Dirk Kurz
Kevin Rühle

Nun habe ich, aufgrund eigener sportlicher Erfahrung, damals nicht nur ein Faible für das Kunstturnen. In Koblenz gehören in den neunziger Jahren auch ein Triathlet namens Zäck und die Fechter Kothny und Bauer zu meinem journalistischen Betätigungsfeld. Der eine bereits Weltklasse, die anderen auf dem Weg dorthin (beziehungsweise nach Olympia).

In jenem Herbst 1999 ist der internationale Wettkampfkalender mir besonders hold. Eine Woche nach der Turn-WM in China (9. bis 16. Oktober) steht der Ironman Hawaii (23. Oktober) auf dem Programm, wiederum eine Woche später finden die 47. Fecht-Weltmeisterschaften in Südkorea (2. bis 9. November) statt. Und so lautet mein fein ausgetüftelter Reiseplan, mit dem ich Freundin, Familie und Kollegen im Frühjahr überrasche: Frankfurt – Peking – Tianjin – Tokio – Hawaii – Seoul – Frankfurt. Fünf Wochen on Tour, nonstop, ausgestattet mit dem Notebook sowie einem überdimensionalen Satellitentelefon für die Datenübertragung. Und 50 Unterhosen.

Triathlet Jürgen Zäck aus Vallendar, hier im Startbereich des Ironman auf Hawaii am Pier von Kailua-Kona, gehörte zu den prägend
Triathlet Jürgen Zäck aus Vallendar, hier im Startbereich des Ironman auf Hawaii am Pier von Kailua-Kona, gehörte zu den prägenden Figuren der Ausdauer-Szene.
Thomas Frey/dpa. picture-alliance / dpa/dpaweb

Dass Jürgen Zäck seinen Start auf Big Island in jenem Jahr wegen eines Bandscheibenvorfalls kurzfristig absagen muss, geschenkt. So kann ich mich verstärkt den Altersklassen-Startern von Rhein und Mosel widmen. Das besondere Flair dieses einwöchigen Happenings im Triathlon-Mekka habe ich schon 1992 und 1993 genießen können, als Zäck jeweils unter die Top 5 ins Ziel am Pier des Küstenstädtchens Kailua-Kona schwimmt-radelt-läuft.

Wiradech Kothny aus Koblenz kämpfte sich in den neunziger Jahren mit dem Säbel bis in die Weltspitze - und in Sydney 2000 zu Oly
Wiradech Kothny aus Koblenz kämpfte sich in den neunziger Jahren mit dem Säbel bis in die Weltspitze - und in Sydney 2000 zu Olympia-Bronze.
Oliver Multhaup/dpa. picture-alliance / dpa

Wenige Tage nach dem Dreikampf-Spektakel geht’s also wieder zurück über den Pazifik nach Südkorea, wo mit Wiradech Kothny und Dennis Bauer sowie Sabine Thieltges von der CTG-Königsbacher gleich drei aktive Koblenzer (und in Marc-Konstantin Steifensand ein gebürtiger) auf der Planche stehen. Eine Medaille für die Schängel kann ich damals nicht vermelden, wohl aber die erfolgreiche Olympia-Qualifikation der Säbelmänner. Im Jahr darauf, bei den Sommerspielen 2000 in Sydney, wird „Mungo“, so Kothnys kämpferischer Spitzname, seine Karriere dann mit zwei Bronzemedaillen krönen. Doch das ist eine andere Geschichte …

Der Autor

Dirk Kurz (Jahrgang 1966) leitet als Chef vom Dienst das Redaktionsmanagement bei der Rhein-Zeitung – und koordiniert mit einem kleinen Team die abteilungsübergreifenden Belange wie Druckpläne, Seitenumfänge und Anzeigenbelegungen der einzelnen Lokalausgaben oder die Honorierung der freien Mitarbeiter. Die journalistische Laufbahn des früheren Turners und Trainers begann vor mehr als 30 Jahren als freier Mitarbeiter der Westerwälder Zeitung, er volontierte beim Mittelrhein-Verlag und war anschließend zunächst als Sportredakteur in Koblenz sowie als Stellvertretender Sportchef tätig. Im Jahr 2004 wechselte er ins sogenannte CvD-Büro; seit 2022 ist er zudem Mitglied der Chefredaktion.

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