Als Volontärin hautnah dabei
Mit Blaulicht und Martinshorn den Rasern auf der Spur
Bei Blitzermarathons sind die Polizisten oft in Zivilfahrzeugen wie diesen unterwegs, um Temposünder auf frischer Tat zu ertappe
Bei Blitzermarathons sind die Polizisten oft in Zivilfahrzeugen wie diesen unterwegs, um Temposünder auf frischer Tat zu ertappen – und hoffentlich zu einem Umdenken zu bewegen. Unsere Autorin war bei einer solchen Fahrt dabei.
Jens Weber

Tatütata! Einmal mit der Polizei mitfahren, davon hat wohl jeder schon einmal geträumt. Für unsere Autorin wurde dieser Wunsch wahr, als sie noch in der journalistischen Ausbildung steckte. Dabei hatte das Erlebnis einen ernsten Hintergrund.

Lesezeit 3 Minuten

2814 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen . Ein großer Faktor bleibt dabei die Geschwindigkeit. Damit die vielen Raser im Land ihr Fehlverhalten zumindest im Geldbeutel spüren, führt die Polizei regelmäßig Blitzermarathons durch – auch verdeckt. Bei einem solchen Termin war unsere Autorin dabei, damals noch als angehende Journalistin. E in Tag, den man so schnell nicht vergisst.

Noch bevor die ersten Pendler auf den Straßen unterwegs waren, rückten die Beamten des Polizeipräsidiums Koblenz auf die Autobahnen und Bundesstraßen aus. Die berüchtigtsten Temposünder lassen sich schließlich nicht von etwas so Banalem wie der Uhrzeit abhalten. Schon Wochen vorher wurde die Aktion medial groß aufbereitet, dennoch kamen den Polizisten gleich mehrere Bleifüße vor die Linse. Sie hatten es wohl eilig.

Unsere Autorin Viktoria Schneider war damals noch als Volontärin bei dem Termin mit der Polizei dabei.
Unsere Autorin Viktoria Schneider war damals noch als Volontärin bei dem Termin mit der Polizei dabei.
Kevin Rühle. Kevin Ruehle

Immerhin: Die meisten Autofahrer verhielten sich an diesem Tag vorbildlich, doch den ein oder anderen Ausreißer gab es trotzdem. Den Negativrekord stellte ein schwarzer Mercedes auf, der statt den erlaubten 120 km/h sage und schreibe 203 km/h auf dem Tacho hatte. Als der Fahrer zu Beginn nicht auf die Polizisten reagierte, half nur noch das Martinshorn. Dann schlägt auch mal das Journalistenherz schneller – es war wie aus einem Fernsehkrimi.

Den ganzen Tag lang waren die Beamten im Einsatz. Das Ergebnis ihrer Sisyphusarbeit: Sieben Raser konnten gefasst werden. Sie wurden mit 3840 Euro und mehreren Punkten in Flensburg bestraft. Eine ernüchternde Bilanz, da viele doch wussten, dass kontrolliert wird. Immerhin zeigten sich die meisten einsichtig und versprachen Besserung – doch ein Blick in die Akten zeigte, dass es für viele nicht das erste Mal war.

Wie nachhaltig sind Aktionen wie diese also? Die Polizisten zeigten sich zufrieden. „Das sensibilisiert auf jeden Fall den Verkehrsteilnehmer“, sagte einer von ihnen. Eine Studie der Universität Passau belegt das Gegenteil: Demnach geht die Zahl der Unfälle zwar währenddessen um rund acht Prozent zurück, aber danach wird wieder fröhlich weitergerast. Blitzermarathons würden nur unangekündigt und dezentral funktionieren.

Dass Blitzen insgesamt etwas bringt, ist weitestgehend unumstritten. Schauen Autofahrer über einen längeren Zeitraum immer wieder ins rote Blitzlicht, kommt die Botschaft wohl an. Und so war die Fahrt mit der Polizei kein verschwendeter Tag, ganz im Gegenteil.

Denn obwohl einige der Autofahrer wohl wieder rasen werden, werden sich andere vielleicht die Zeit nehmen, um über ihr Verhalten nachzudenken. Immerhin wurden ihre Taten auf Kamera festgehalten – wenn auch unfreiwillig. Und wenn unsere Berichterstattung dazu beitragen konnte, dass zumindest ein Bleifuß sein Verhalten ändert und damit Menschenleben gerettet werden, kann es ja nur ein Gewinn gewesen sein.

Die Autorin

Viktoria Schneider (Jahrgang 1998) ist seit drei Jahren ein fester Teil der Rhein-Zeitung. Nach dem Volontariat nahm sie als Reporterin im Redaktionsverbund Rhein-Ahr die Geschehnisse in der Stadt Neuwied in den Blick. Zuvor arbeitete die gelernte Germanistin als Textredakteurin bei einem Reiseveranstalter und schnupperte beim SWR und bei einer Tageszeitung in ihrem Heimatort herein. Journalistin ist sie geworden, um Menschen bei ihren Problemen zu helfen (so klein sie auch sein mögen) und schöne und bewegende Geschichten zu Papier zu bringen.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Blaulicht

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