Nicht oft bekommt man als Lokaljournalistin die Möglichkeit, mit einem echten Weltstar zu sprechen. Und noch seltener ist das Gespräch so ehrlich, offen, warm und lehrreich wie 2018 mit Melanie C. Als eines der Spice Girls war die Britin um die Jahrtausendwende ein Superstar, ein Vorbild für Millionen Mädchen auf der Welt. Doch in diesem Trubel voll Glitzer, Glamour und Geld verlor sie sich selbst aus dem Blick, berichtet Melanie C damals im Interview. Über viele Jahre muss die Musikerin hart lernen, mehr und mehr auf sich selbst zu hören, für sich selbst da zu sein, den Drang aufzugeben, anderen zu gefallen. Auch wenn sie dadurch nie mehr an den Erfolg der Megaband anknüpfen kann.
Heute, fast 30 Jahre später, ist Melanie C wieder erfolgreiche Sängerin – aber vor allem Mutter, was sie fast schon mehr geprägt hat als die Karriere in einer Girl-Band, wie sie berichtet. „Ein Kind ist ein Geschenk an einen selbst, mit dem man lernt, dass man auf sich selbst achten muss“, sagt sie. Und genau an der Stelle wird aus dem Spice Girl Mel C – ein Kunstprodukt im Fernsehen und auf „Bravo“-Postern – ein echter Mensch mit allen Sorgen und Nöten, die jeden umtreiben.

So berichtet sie, dass sie trotz Ruhm und Geld nie ihre Herkunft vergessen hat, ihre hart arbeitende alleinerziehende Mutter, ihr Aufwachsen im Nordwesten Englands im Milieu der Arbeiterklasse, Geldsorgen inklusive. Was sie dort gelernt hat, möchte sie an ihr eigenes Kind weitergeben. „Sie kann haben, was sie möchte. Aber ich möchte schon, dass sie Arbeit wertschätzt und versteht, was Geld bedeutet“, betont Melanie C. Als Mutter ein gutes Vorbild zu sein, darum geht es ihr.
Vorbild war Melanie C auch schon in frühen Jahren, vielleicht auch zu früh. Sie war Mitte 20, als sie als Mitglied der Spice Girls Verantwortung tragen musste dafür, dass Millionen junger Mädchen sie fast vergötterten, und das in einer Zeit, als die Spice Girls selbst noch mitten im Erwachsenwerden waren, „wir machten unsere eigenen Fehler“, sagt sie im Gespräch.
„Ein Traum wurde wahr, das war es, was wir erreichen wollten.“
Melanie C zum Erfolg der Spice Girls in den 90ern/2000ern
Die Zeit mit der Band sei wie ein Märchen gewesen, „ein Traum wurde wahr, das war es, was wir erreichen wollten. Aber jetzt bin ich älter, ich habe Familie wie auch die anderen Mädels, ich habe ein Privatleben und eine Karriere. Das, was ich jetzt mache, passt besser zu mir und in die jetzige Phase meines Lebens“, reflektiert die zum Zeitpunkt des Interviews 43 Jahre alte Sängerin, und ihre Stimme klingt stark, man hört keine Wehmut, eher Zufriedenheit.
Aus dem Interview ging ich beeindruckt von ihrem klaren Blick auf die wilde Zeit als Superstar, aber auch dem Blick auf das, was Melanie C für ihr neues Leben aufgegeben hat, um eine Familie zu gründen und die Musik zu machen, die sie glücklich macht. Auch in meinem Jugendzimmer hing einst ein Poster der Spice Girls: fünf Frauen, wild, unangepasst, frech, Vorbilder. Heute hängt das Interview mit Melanie C über meinem Schreibtisch – als Inspiration und Erinnerung daran, was wirklich zählt.
Die Autorin
Marta Fröhlich (Jahrgang 1983) ist seit 2010 bei der Rhein-Zeitung, schrieb seitdem als freie Mitarbeiterin unter anderem für die Region Koblenz und die Koblenzer Kultur. 2016 bis 2018 arbeitete sie im überregionalen Teil der RZ und durfte zahlreiche Interviews mit Promis aus der Region und darüber hinaus führen. Heute ist sie Chefreporterin des Verbunds Mittelrhein-Hunsrück und schreibt im Schwerpunkt über die Geschehnisse im Rhein-Lahn-Kreis und am Mittelrhein. Am Journalismus liebt sie, dass ihr Menschen die spannendsten Geschichten erzählen. Sie ist begeistert von Engagement und Ideen anderer und möchte das mit ihren Lesern teilen.


