An einem kalten Wintersonntag im Januar 2004, mitten in der Karnevalszeit, begann meine ganz persönliche Buga-Geschichte: Damals fiel die Entscheidung, dass Koblenz die Bundesgartenschau 2011 ausrichten wird. Eigentlich wollte die Rhein-Mosel-Stadt erst 2013 oder 2015 Ausrichterin sein. Doch für diese Jahre erhielten andere Städte den Zuschlag. Als Duisburg sich dann aber kurzfristig von den Plänen für 2011 zurückzog, schlug die Stunde von Koblenz. Heute wissen wir: Es war eine goldrichtige Entscheidung, ein riesiger Erfolg, der bis heute nachwirkt.
An jenem Sonntag hatte ich gemeinsam mit mehreren Kollegen Sonntagsdienst in der Koblenzer Lokalredaktion. Die Nachricht war am Rande eines Karnevalstermins durchgesickert, der damalige Oberbürgermeister Eberhard Schulte-Wissermann (SPD) hat es uns dann bestätigt. Also lief an jenem Sonntag die Recherchemaschine an. Wir planten alles um, begannen, Reaktionen zu sammeln. Ich telefonierte unter anderem mit Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Er erhoffe sich landschaftliche und städtebauliche Impulse „über den Tag hinaus“, wie er sagte.

Diese Hoffnung sollte erfüllt werden. Was in den folgenden Jahren mit Koblenz geschah, kann nur als atemberaubend beschrieben werden. Die Buga hat diese Stadt in gewissem Maße aufgeweckt, wie wir Koblenzer es uns an jenem kalten Wintersonntag kaum hätten vorstellen können. Koblenz wurde herausgeputzt, Schloss und Rheinanlagen sowie der Bereich rund ums Deutsche Eck verwandelt.
Und: Die Buga hat uns Koblenzern die Festung neu geschenkt. Hand aus Herz – früher hat man den beschwerlichen Weg mit dem Auto doch nur alle Schaltjahre mal in Angriff genommen, wenn man Besuch von auswärts hatte. Dank Buga aber dauert die Strecke von der Altstadt hinauf auf die spektakulärste Sehenswürdigkeit von Koblenz nur noch ein paar aussichtsreiche Minuten mit der Seilbahn. Überhaupt, die Seilbahn! Sie ist uns allen ans Herz gewachsen. Dass sie anno 2026 immer noch da ist, habe ich lange nicht für möglich gehalten. Aber irgendwie ging auch das. Buga wirkt.
Koblenz - Dr. Beate Reifenscheid hat gerade den Blumenhof betreten, da spricht sie einer der Buga-Gärtner an, die fleißig für die neue Bepflanzung des großen Beets sorgen: „Sie sind vom Ludwig Museum, gell?
Kunst gedeiht prächtig in den Paradiesgärten: Ein Buga-Rundgang mit Kuratorin
Gern denke ich an den Sommer 2011 zurück. In der Erinnerung war nur gutes Wetter, und mein Journalisten- wie mein Privatleben spielte sich zum großen Teil auf dem Buga-Gelände ab. Es gab so viel zu schauen und zu erleben. Ich war damals Kulturredakteur, die Buga auf ihre Weise auch ein kulturelles Konjunkturpaket.
Und es ist einfach nur schön, zu sehen, wie viel davon noch übrig ist. Man nehme nur die große Bühne im Hauptgraben der Festung, die auch heute noch ambitioniert bespielt wird. Wenn es Sommer ist, da eine Band spielt, die ich mag, und es langsam Abend wird – dann ist immer noch so ein Buga-Flair da.
Mehr als 20 Jahre sind vergangen, seit die Buga-Geschichte für mich persönlich begann. Zu Ende ist sie immer noch nicht. Das zeigt, wie dauerhaft ein Lokaljournalistendasein sein kann. Viele von uns Zeitungsleuten begleiten solche Themen nicht nur tage- oder wochenweise. Manchmal geht es endlos weiter. Das liebe ich so an unserem Beruf.
Der Autor
Tim Kosmetschke, geboren 1979 in Koblenz, schrieb seinen ersten Artikel für die Rhein-Zeitung 1996. Nach Stationen in den Lokalredaktionen im Kreis Neuwied, im Rhein-Lahn-Kreis, wo er 2001/2002 auch sein Volontariat absolvierte, und Koblenz arbeitete er acht Jahre lang als Kulturredakteur. Er kehrte dem Ressort 2011 kurz vor Ende der Buga den Rücken, als der Ruf zum stellvertretenden Redaktionsleiter der Koblenzer Lokalredaktion kam. Von 2018 bis 2022 leitete er die Lokalredaktion Neuwied, d anach wechselte er wieder in die Zentrale der Rhein-Zeitung nach Koblenz und verantwortet seitdem gemeinsam mit seiner Kollegin Anke Mersmann das Themenmanagement. „Ich bin vor allem aus Neugierde Journalist geworden – ich interessiere mich für Dinge, Themen, Menschen. Und für meine Heimat an Rhein und Mosel. Die Menschen, die hier leben, mit für sie wichtigen Informationen zu versorgen, jeden Tag, immerzu, immer wieder; sie außerdem zu unterhalten – das treibt mich an.“


