Ehepaar wird grausam getötet
Koblenz ist nach dem Doppelmord von Horchheim im Schock
Polizeibeamte stehen im Juli 2011 vor dem Wohnhaus im Koblenzer Stadtteil Horchheim, in dem ein Ehepaar tot aufgefunden worden i
Polizeibeamte stehen im Juli 2011 vor dem Wohnhaus im Koblenzer Stadtteil Horchheim, in dem ein Ehepaar tot aufgefunden worden ist.
Thomas Frey/dpa. picture alliance / dpa

Bis heute ist der Doppelmord von Horchheim in Koblenz unvergessen – das Ehepaar, das im Sommer 2011 getötet wurde, war bekannt und beliebt in der Stadt, viele trauerten. Zudem verliefen Ermittlungen und Prozess spektakulär.

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Buchstäblich wie ein Lauffeuer verbreitet sich Anfang Juli 2011 die Nachricht, dass ein Ehepaar im Haus der Familie im Koblenzer Stadtteil Horchheim tot aufgefunden worden ist: Die 68-Jährige und der 75-Jährige starben an schweren Stichverletzungen. Wie unfassbar brutal die Angriffe tatsächlich waren, wurde erst später bekannt.

Als eine der ersten Journalistinnen und Journalisten war ich damals am Tatort. Durch Zufall, weil ein Kollege am Sonntag etwas gehört hatte und die Polizei auf Nachfrage bestätigte: Ja, da ist etwas passiert. Es habe ein „Tötungsdelikt zum Nachteil zweier Eheleute“ gegeben, hieß es schriftlich.

Doris Schneider
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Jens Weber. MRV

Und dann stand ich da an diesem Haus, sprach mit Nachbarn über den Gartenzaun, schwieg mit anderen – und hatte immer das Gefühl „Es hätten auch meine Eltern sein können“. Eine ruhige Wohngegend mit blühenden Gärten, das Ehepaar mit Ende 60 und Mitte 70 lebensfroh und beliebt bei den Nachbarn. Die für einen Buga-Besuch am kommenden Tag gepackten Rucksäcke standen schon in der Küche. Und dann wurden die beiden Koblenzer getötet, brutal, starben mitten in der Nacht.

Viele Menschen in Koblenz trauerten. Das Ehepaar war gut bekannt in der Stadt, hatte früher ein Lebensmittelgeschäft in der Nähe des Münzplatzes gehabt. Angst ging um im Stadtteil und in vielen anderen Wohngebieten in und um Koblenz: Waren die beiden Opfer eines Einbrechers geworden, weil sie aufwachten, als er ihr Haus ausräumen wollte? Andererseits: Die Tat war mit großer Brutalität verübt worden – passte das nicht besser zu einem persönlichen Motiv?

Im Landgericht Koblenz wurde die Schwiegertochter des getöteten Ehepaars verurteilt.
Im Landgericht Koblenz wurde die Schwiegertochter des getöteten Ehepaars verurteilt.
Fredrik von Erichsen. picture alliance/dpa

Monatelang ermittelte die Polizei, setzte eine hohe Belohnung aus, ließ Hunde nach Spuren suchen, ging schließlich in der Sendung „Aktenzeichen XY“ ungelöst an eine große Öffentlichkeit und Hunderten von Spuren nach. Neben all diesen öffentlichen Aktivitäten gab es ebenso viele geheime. Denn die Schwiegertochter geriet zunehmend in Verdacht, unter anderem, weil sie eine Nachbarin um ein falsches Alibi gebeten hatte. Um möglichst viele Details zu erfahren, wurden auch Telefone und Handys der Familienmitglieder abgehört, ebenso wie der Innenraum der Autos.

Im Mai 2012 wurde die Schwiegertochter dann verhaftet. Ganz unspektakulär, vor einem Supermarkt, erinnert sich Thomas Lauxen von der Soko einige Jahre nach dem Fall im Gespräch mit unserer Zeitung. Aus Sicht der Ermittler gab es genügend Beweise, dass sie die Eltern ihres Mannes, die Großeltern ihrer drei Töchter getötet hatte.

Und dann kam es zu dem aufsehenerregenden Prozess, der am 5. August 2013, etwas mehr als zwei Jahre nach dem Mord, mit einem Urteil endete: „Die Angeklagte wird wegen Mordes in zwei Fällen zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt“, heißt es im Urteil. Und: „Die Schuld der Angeklagten wiegt besonders schwer.“

Unumstritten war dieses Urteil in der Öffentlichkeit nie, weil es sich auf Indizien stützt. Denn es gab und gibt kein Geständnis – bis heute nicht.

Die Autorin

Doris Schneider, Jahrgang 1962, ist gefühlt „schon immer“ bei der Rhein-Zeitung und schon mehr als 25 Jahre in der Koblenzer Lokalredaktion. Dabei wusste sie nach dem Germanistik-, Politikwissenschafts- und Anglistikstudium in Heidelberg und Marburg eigentlich gar nicht genau, was sie machen wollte – bis zu ihrem ersten Praktikumstag im Journalismus, damals bei RPR in Mainz. Denn an diesem Tag hatte sie ihren Traumberuf gefunden. Das hat sich nie geändert. Seit 1994 lebt sie mit ihrem Mann in Koblenz, zur Familie gehören auch drei längst erwachsene Kinder und acht Enkel. Dass man im Lokaljournalismus so nah an den Menschen ist, sie in Freude und Leid begleitet und jeden Tag Neues lernt, macht den Beruf so spannend und erfüllend. Neben Familie, Beruf und Treffen mit Freundinnen und Freunden liebt sie es, am Wasser zu sitzen, was in Koblenz mit gleich zwei Flüssen wunderbar einfach ist. Gern mit einem Glas Wein. Und sie liebt es, mit dem E-Bike unterwegs zu sein.

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