1954, in den sogenannten Wirtschaftswunderjahren, gelang den Deutschen auch auf dem Fußballfeld ein Wunder: Das Nationalteam holte sich den Weltmeistertitel. Warum? Unter anderem, weil die Spieler einen neu entwickelten Schraubstollen-Fußballschuh trugen, der auf nassem Rasen für guten Grip und so für einen Vorteil gegenüber der gegnerischen Mannschaft aus Ungarn sorgte. Auf diese Erkenntnis stieß ich, als ich für die RZ-Jubiläumsausgabe „75 Jahre Grundgesetz“ zum Themenschwerpunkt Erfindungen recherchierte.
Das Patent hält der Schuhmachermeister Alexander Salot aus Bremen. Es ist eine von derzeit 41 Erfindungen seit 1877, die das Deutsche Patent- und Markenamt online in einer Postergalerie würdigt. Neugierig durchstöberte ich die Liste auf der Suche nach Erfindungen aus Rheinland-Pfalz – und fand nur eine: das „Leichtgewichts-Brillenglas“ von Marga Faulstich in Mainz (1972).

Eine geringe Ausbeute, dachte ich mir, und: Da geht noch mehr in unserem exportstarken Bundesland! Aus Pressegesprächen weiß ich, dass gerade im nördlichen Rheinland-Pfalz viele Hidden Champions sitzen, also Unternehmen, die in ihrer Nische einen Weltruf haben, in der Heimat allerdings oft kaum bekannt sind. Also habe ich weitergesucht, das Internet und unser Zeitungsarchiv durchstöbert.
In manche Recherchen möchte man sich reinknien und immer weiter graben – nach mehr Details, mehr Fakten, noch mehr Beispielen. Hier war das definitiv der Fall. Die Ausbeute war beeindruckend – wenngleich wieder nur ein kleiner Ausschnitt aus der Wirklichkeit. Viele Unternehmen haben F&E-Abteilungen, also Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, um neue Produkte zu entwickeln oder bestehende Verfahren zu verbessern. Selbst wenn nicht Weltneuheiten entstehen, sind diese Entwicklungen Motor für den Fortschritt.
Menschen, die für eine Sache brennen
Es ist mir Ehre und Vergnügen zugleich, Aufmerksamkeit auf Menschen zu lenken, die für eine Sache brennen. Zum Beispiel Franziska Bechberger-Gaber aus Boppard, die einen Kompressionsstrumpf für Sportpferde realisierte. Oder Produktentwickler der Rheinischen Provinzial-Basalt- und Lavawerke (RPPL) bei Ochtendung, die einen wasser- und lichtdurchlässigen Baustoff entwickelt haben, der zur Flächenentsiegelung beitragen soll.
Der Gründer der Firma Schottel in Spay, Josef Becker, revolutionierte 1950 den Transport zu Wasser durch die Erfindung des Ruderpropellers, der Antrieb sowie Steuerung vereint und Motorleistung optimal in Schubleistung umwandelt. Schlepper können seither Container- und andere Schiffe sicher in Häfen bugsieren, Wind und Strömung trotzen. Apropos Container: Der quaderförmige „Intermediate Bulk Container“ (IBC) – ein Kunststofftank, der fest auf einer Palette montiert ist und leichter als Fässer transportiert und gestapelt werden kann – wurde 1974 von Udo Schütz, Gründer der Schütz-Werke in Selters, ausgetüftelt.
Viele Produkte sind kaum noch wegzudenken aus unserem Leben. Ich wünsche Gründern und Unternehmen, dass sie auch künftig ihre Ideen umsetzen können.
Die Autorin
Barbara Malik, Jahrgang 1970, ist seit 2023 in der Zentralredaktion beschäftigt; im Team der Blattmacher produziert sie täglich mit den Kolleginnen und Kollegen den überregionalen Teil der Rhein-Zeitung. Zuvor trug sie acht Jahre redaktionelle Verantwortung für die „Wirtschaftszeitung“ der Rhein-Zeitung und hatte die Gelegenheit, regionale Wirtschaftsunternehmen vorzustellen. Für die „Allgemeine Zeitung Mainz“ war sie fünf Jahre als Videojournalistin mit Kamera und Stativ unterwegs und berichtete über die breite Vielfalt lokaler Themen, beginnend bei A wie „Amtseinführung von Michael Ebling als Mainzer Oberbürgermeister“ bis Z wie „Red-Bull-Flugtag im Mainzer Zollhafen“. Genau diese Vielfalt an Themen und ihr Stellenwert für die Menschen begeistert sie am Journalismus.

