Erwin, Jünter oder Dino Hermann: Kostümierte Maskottchen sind vor allem bei Fußballvereinen sehr beliebt, feuern sie die Mannschaften an und heizen den Massen in den Stadien ein. Ein wahrer Geniestreich des Marketings war es, als die Stadt Zell an der Mosel mit ihren 4000 Einwohnern im Jahr 2019 darauf sann, die Marke Schwarze Katz – benannt nach der weit über die Grenzen des Anbaugebietes Mosel hinweg bekannten Weinlage – offensiv einzusetzen. Bereits seit 2012 ziert eine Schwarze Katz überlebensgroß den Kreisel der Bundesstraßen 53 und 421 (angelehnt an die Freiheitsstatue von uns gern „Lady Liberty“ genannt). Folgerichtig lernte das Maskottchen der Stadt 2019 „laufen“ – mittels eines zwei Meter großen plüschigen Kostüms. Und ich war mittendrin, statt nur dabei, wie man so schön sagt.
Als wir in der Redaktion Cochem damals zum ersten Mal davon hörten, trauten wir unseren Ohren kaum. War schon der 1. April? Doch nein, die Stadt Zell meinte das ernst! Namentlich die damalige Beauftragte für das Stadtmarketing, Lisa Pearse-Danker. Sie ersann vieles rund um die Schwarze Katz. Auch das plüschige Kostüm. Die Idee: Bei Veranstaltungen sollte ein Zeller oder eine Zellerin (Größe 1,70 bis 1,90 Meter) in die Katz schlüpfen und unerkannt für gute Laune sorgen – und zwar allein durch Gestik, „die Katz spricht nicht“, so Pearse-Danker damals eindringlich.

Als erste Belastungsprobe hatte die Katz das Zeller Weinfest vor der Brust – bei knackigen 30 Grad plus. Ich begleitete sie mit Block und Kamera und sah trotz des eifrigen Winkens und Posierens nicht eine Schweißperle außen am Fell. Innen sah es wohl ganz anders aus, wie ich bald selbst am eigenen Leib spüren sollte.
Denn: Für ein Projekt stieg ich selbst in das Kostüm. Ich wurde zur Schwarzen Katz. Und ich konnte nur wenige Augenblicke nach Anlegen des plüschigen Etwas erahnen, wie es sich für meine Vorgänger etwa beim Weinfest im Sommer angefühlt haben muss. Trotz Lüftung mittels Propeller im Kopf war es heißer als in jeder finnischen Sauna. Nichtsdestotrotz spielte ich meine Rolle als Katz bei der Veranstaltung des Schützenvereins knappe drei Stunden lang. Winken, Posieren, Schabernack treiben – und das alles unerkannt, „die Katz wars ja“. Interessant war: Es machte etwas mit den Menschen, dass die Katz da war. Die Mienen hellten sich auf, jeder wollte ein Foto.

Das Kostüm erfreut sich mittlerweile immer noch großer Beliebtheit und wird noch zu Veranstaltungen getragen – auch knapp sieben Jahre später. Damit hat die Stadt Zell etwas Bleibendes erschaffen. Die Stärkung der Marke Schwarze Katz ist gelungen. Das Kostüm, so lächerlich es auf den ersten Blick auch schien, wurde zum Erfolg.
Es war nicht alles für die Katz
Diese Geschichte blieb mir in Erinnerung präsenter als so manch andere. Niemand musste mir zweimal sagen, dass ich für eine Reportage in dieses Kostüm springen sollte. Frei nach dem Motto: „Alles für die Katz“. Die Idee des Marketings hingegen war nicht für die Katz, sondern ein Geniestreich.
Der Autor
Daniel Rühle, Jahrgang 1990, studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Geschichte, Politikwissenschaft und Archäologie. 2018 kam er durch ein Praktikum zur RZ und begann kurz darauf sein zweijähriges Volontariat mit Schwerpunkten in den Lokalredaktionen Cochem-Zell und Neuwied. Anschließend bot der Verlag ihm eine Stelle als Redakteur an. Von Oktober 2020 bis Juni 2025 war er festes Redaktionsmitglied im Verbund Rhein-Ahr und bearbeitete Themen im Kreis Neuwied. Im Juli 2025 wurde er Nachrichtenchef im Redaktionsverbund Mittelrhein-Hunsrück und koordiniert die Themen in den Kreisen Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück. Darum ist er Journalist geworden: „Geschrieben habe ich schon immer gern. Warum also nicht für die Zeitung? Im Lokalen gibt es viele spannende Geschichten und Menschen, jeder Tag ist anders.“


