Jahrzehntelang prägte das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich die Landschaft in der Region. Der riesige Kühlturm aus Beton war kilometerweit zu sehen. Bereits seit Ende 1980er-Jahre ist das KKW aber außer Betrieb und mit der Sprengung des Kühlturms 2019 wurde der schrittweise Abbau erstmals deutlich von außen sichtbar. Doch was hat sich seither im Inneren des Werks getan?
Dieser Frage durfte ich 2024, damals noch als freie Mitarbeiterin der Redaktion , nachgehen. Gemeinsam mit weiteren Medienvertretern aus der Region ging es hinein in die fensterlose Betonkuppel, in deren Herz noch immer der Reaktorkern schlummert.

Eine Mischung aus Neugier und Nervosität begleitete mich, als ich das Empfangsgebäude des ehemaligen Kernkraftwerks betrat. Ein Ort, den wohl jeder in der Region kennt, aber den nur die wenigsten jemals von innen gesehen haben. Was für eine aufregende Chance, mit eigenen Augen zu sehen, wie der Rückbau einer solchen Anlage abläuft, dachte ich mir.
Strenge Sicherheitskontrollen
Doch bevor es in die Reaktorkuppel ging, galt es ein paar wichtige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Jeder, der die sogenannte Kontrollzone betreten wollte, musste sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Ja, bis auf die Unterwäsche. Mit einem orangen Overall, Helm, Sicherheitsschuhen und einem Dosimeter zur Überwachung der Strahlung ausgestattet, ging es dann weiter durch die Sicherheitsschleuse.
Rund 150 Arbeiter wuseln trotz Stilllegung seit Jahrzehnten täglich durch das Werk. Für sie waren die Sicherheitsmaßnahmen Alltag, aber auf mich als Besucher wirkte das Ganze fast schon wie eine Szene aus einem Katastrophenfilm. Mich beschlich der Gedanke: Worauf habe ich mich hier bloß eingelassen? Ist das gefährlich? Doch die Zweifel verflogen, als ich erfuhr, dass sich der Reaktorkern fernab der Arbeiter und Besucher in einem Wassertank befand, der die radioaktive Strahlung fast vollständig abschirmte.
Einiges zum Staunen im Kern der Kuppel
In der gigantischen Reaktorkuppel angekommen war das tosende Rauschen der Lüftung, das vom Gewölbe hallte, allgegenwärtig. Ich bestaunte die übergroße Materialschleuse, warf einen Blick auf die Videoüberwachung des Reaktorkerns, lauschte den Erklärungen des Werkleiters und machte unzählige Bilder.
Was mich als Anfängerin besonders freute: Eines dieser Fotos schaffte es später auf die Titelseite unserer Zeitung. Zu sehen war ein Werksmitarbeiter, der an der Kontrollbasis sitzt und über mehrere Bildschirme im Auge behält, was gerade in der Betonkuppel und um den Reaktorkern herum passiert.
Ich konnte es kaum erwarten, den Text zu schreiben, der all das später an die Leser weitergeben würde. Termine wie dieser haben mir gerade zu Beginn meiner journalistischen Arbeit gezeigt, in welche Rollen wir Reporter schlüpfen dürfen und müssen. Wir sprechen mit Experten, die uns komplexe Informationen und Vorgänge erklären und geben unser Bestes, dieses Fachwissen so zu übersetzen, dass am Ende jeder verstehen kann, was vor sich geht. Zum Beispiel in einem Kernkraftwerk vor der eigenen Haustür.
Die Autorin
Kim Fauss ist 25 Jahre alt und h at in Bad Honnef ein duales Bachelorstudium im Tourismusmanagement absolviert. Die ersten Berührungspunkte mit dem Lokaljournalismus sammelte sie 2023 mit einem mehrmonatigen Praktikum und später als freie Mitarbeiterin. Seit Sommer 2024 ist sie als Volontärin mit an Bord und durchläuft dabei verschiedene Stationen, um die redaktionelle und journalistische Arbeit kennenzulernen. Bereits als Kind wollte Sie Reporterin werden, da sie schon immer eine Leidenschaft fürs Schreiben und Geschichtenerzählen hatte. Hinzu kam der Wunsch nach einer abwechslungsreichen und sinnstiftenden Arbeit, bei der sie täglich Neues lernt, interessante Menschen trifft und auch mal hinter die Kulissen blicken kann.


