Prostituierte zu Tode gequält
Diesen Kriminalfall wird Koblenz nicht vergessen haben
Das Landgericht in Koblenz: Kaum eine Gerichtsverhandlung in der Stadt an Rhein und Mosel wühlte die Prozessbeobachter derart au
Das Landgericht in Koblenz: Kaum eine Gerichtsverhandlung in der Stadt an Rhein und Mosel wühlte die Prozessbeobachter derart auf wie jene zu dem grausamen Schicksal der 31-jährigen bulgarischen Prostituierten.
Thomas Leurs

Als Gerichtsreporter muss man ein dickes Fell haben, denn man ist Tag für Tag mit schrecklichen Schicksalen von Menschen konfrontiert. Doch es gibt Fälle, bei denen auch Reporter etwas mit nach Hause nehmen. Der Rauental-Prozess war ein solcher.

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Koblenz wird den Kriminalfall um die zu Tode gequälte Prostituierte im Rauental nicht vergessen haben. Kaum ein Verfahren in der Stadt an Rhein und Mosel wühlte Prozessbeobachter so auf wie jenes zu dem grausamen Schicksal der 31-jährigen Bulgarin.

Während des Prozesses im Jahr 2024 am Koblenzer Landgericht standen verheerende Verletzungen der Frau im Fokus. Es hatten sich tiefe menschliche Abgründe aufgetan: Die Bulgarin erlitt 53 Brüche an 39 Knochen, sie durchlitt ein unvorstellbares Martyrium – durch physische, psychische und sexuelle Gewalt.

Ausweis abgenommen

Ihre Peiniger waren nach Überzeugung des Gerichts zwei Landsleute aus dem Rotlichtmilieu: eine 40-jährige Bulgarin und ihr 48-jähriger Freund. Auf den Handys der beiden sichergestellte Fotos und Videos sollen die Gewalt dokumentieren. Die 31-Jährige war Ende 2023 an einer Entzündungsreaktion des Körpers verstorben.

Das Gericht urteilte, dass das Paar die 31-Jährige als Prostituierte hatte schuften lassen, um an Geld für den eigenen Lebensunterhalt zu kommen. Der Tatort: ein Apartment im Koblenzer Stadtteil Rauental. Dort sei ein Klima der Angst erzeugt und der 31-Jährigen zusätzlich der Ausweis abgenommen worden, um ihre Flucht zu verhindern.

Johannes Mario Löhr war von 2022 bis 2026 in der Zentralredaktion in Koblenz Gerichtsreporter - und berichtete über große Verfah
Johannes Mario Löhr war von 2022 bis 2026 in der Zentralredaktion in Koblenz Gerichtsreporter - und berichtete über große Verfahren in der Stadt an Rhein und Mosel. Heute ist er Reporter im Redaktionsverbund Westerwald.
Jens Weber

Das Paar wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt – wegen Mordes in Tateinheit mit einem besonders schwereren Fall der Zwangsprostitution sowie Freiheitsberaubung mit Todesfolge. Auch die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Das heißt, dass nach Ablauf der Mindestverbüßungsdauer der lebenslangen Freiheitsstrafe von 15 Jahren auch bei guter Prognose keine Entlassungsautomatik eintritt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Was sich in einem journalistischen Artikel aufgrund der notwendigen professionellen Distanz eigentlich verbietet, soll mir in diesem Fall bitte ausnahmsweise gestattet sein. Nämlich zu sagen: Möge diese arme Frau in Frieden ruhen.

Der Autor

Johannes Mario Löhr ist 36 Jahre alt, hat in Siegen Literaturwissenschaft studiert – und schreibt bereits seit 2018 für die Rhein-Zeitung. 2019 begann er dort nach freier Mitarbeiterschaft ein Volontariat, im Anschluss wurde er Redakteur in der Lokalredaktion in Betzdorf. Ab 2022 arbeitete er als Gerichtsreporter in der Zentralredaktion in Koblenz und berichtete über große Verfahren in der Stadt an Rhein und Mosel. 2026 wechselte er wieder zurück ins Grüne – und ist nun Reporter des Redaktionsverbunds Westerwald. Er ist Journalist geworden, um die Öffentlichkeit informieren und unterhalten zu können.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Justiz

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