Zukunft des Journalismus
Der Mensch denkt, die Maschine dient
Hier der Mensch, dort die digitale Maschine. Auch die Rhein-Zeitung setzt bereits an vielen Stellen Künstliche Intelligenz ein -
Hier der Mensch, dort die digitale Maschine. Auch die Rhein-Zeitung setzt bereits an vielen Stellen Künstliche Intelligenz ein - zur Automation wiederkehrender Prozesse, für Effizienzgewinn. Beim Erzeugen journalistischer Inhalte aber hat der Mensch weiterhin das Sagen.
Peter Steffen. Peter Steffen/dpa

Journalismus im KI-Zeitalter: Die Rhein-Zeitung ist ebenso gelassen wie gerüstet. Sie verweigert sich neuen Entwicklungen keineswegs. Aber sie prüft und bewertet das Mögliche zunächst und setzt es dann schnell und zielgerichtet um.

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Rheinland-Pfalz. 80 Jahre sind eine lange und doch kurze Zeit. Lange, weil diese Zeitspanne statistisch ziemlich genau derjenigen eines durchschnittlichen Menschenlebens entspricht. Einem Leben und einer Zeitspanne, in dem und in der viel passieren kann. Doch kurz, weil man – nach Jahren gerechnet – noch sehr viel weiter zurückgreifen muss, um zu ergründen, was genau jetzt, mitten in unserer Gegenwart, passiert.

Die Rede ist – natürlich – vom Aufwachsen der Künstlichen Intelligenz (KI). Kein Bereich der Wirtschaft und Gesellschaft und somit auch kein Beruf scheint davon unberührt zu bleiben. Sieht man einmal davon ab, dass der Begriff KI einigermaßen unscharf verwendet wird (vom simplen Sprechroboter über Flächenberechnungs-Automaten bis hin zu schon deutlich klügeren Agenten und interpretierenden Modellen), so trifft die Beobachtung der Umwälzung insgesamt dennoch grundsätzlich zu.

Wann gab es das letzte Mal in der jüngeren Menschheitsgeschichte ähnlich tief reichende Entwicklungen? Bei der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg? Während der industriellen Revolution? Durch die Kernspaltung? Oder vielleicht erst quasi kürzlich, bei der Marktreife der ersten Smartphones? Vermutlich von allem etwas. Aber dennoch hat man den Eindruck, als gehe KI noch tiefer. Sie konfrontiert uns nämlich im Namen und damit im Anspruch mit dem, was wir für uns in unserem Innersten in Anspruch nehmen: intelligent zu sein und auf Basis dieser – natürlichen oder natürlich erworbenen – Intelligenz zu handeln.

Jetzt soll das alles schlagartig nichts oder weniger wert sein. KI stellt bessere Diagnosen als Ärzte, macht aus Buchhaltung ein Hochgeschwindigkeitsrennen, verändert das Wesen des Krieges und damit auch des Friedens und wird zum Agenten in immer mehr Lebenslagen. Und auch die Kreativwirtschaft steht, wie könnte es anders sein, ganz vorne in der Reihe möglicher Anwendungsfälle. Egal ob Bilder, Töne, Texte oder Mischformen daraus – KI kreiert sie schneller und beständiger als ihre Schöpfer.

Das ist nicht erst seit 2026 so und für sich genommen auch gar kein Problem. Im Gegenteil: So lange Kunst als Kunst und Fiktion als Fiktion gekennzeichnet oder deutlich genug als solche wahrnehmbar sind, weitet das unsere Sinne. Jeder von uns kann auf dieser Basis selbst entscheiden, ob er oder sie das Künstliche goutiert oder nicht. Deutlich heikler wird es aber, wenn sich das Künstliche als Realität tarnt, am Ende noch mit – Algorithmen und Datenketten sei Dank – gezielt ausgespielter wirtschaftlicher oder politischer Agenda. Dann wird die Fiktion zum Fake und die Chance zum Chaos.

Sogar ohne fälschenden Vorsatz ist dies aufgrund des Wesenskerns von KI leider leicht möglich. Den größten Fehler macht man als Nutzer oder Rezipient nämlich dabei, wenn man glaubt, dass KI echte Antworten liefert. Genau das tut sie nämlich nicht. Sie ist nur ein Papagei. Allerdings einer, der brillant mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen vermag. Sprich: mit dem, was sie kennt, beziehungsweise mit dem, was man ihr beigebracht hat. Auf Basis dieses Wissens produziert sie Ergebnisse. Diese sind je nach Anwendungsfall auch durchaus brillant oder wenigstens brauchbar. Aber an manchen Stellen jedoch genau nicht. Das Vermitteln von Information oder erst recht ihr initiales Erzeugen zum Beispiel fällt eindeutig in die letztgenannte Kategorie.

Auch die Rhein-Zeitung setzt KI bereits an vielen Stellen ein. Vor allem dort, wo man auf diese Weise immer gleiche Prozesse automatisieren kann, entsteht tatsächlich der Effizienzgewinn, von dem die Befürworter der neuen Technologie so gerne sprechen. In der Redaktion sind dies zum Beispiel die gezielte Zuweisung von Material aus den Mail-Postfächern für die weitere Verarbeitung, das Erzeugen kurzer Meldungen mit standardisierbaren Textbausteinen wie Ort, Datum und Uhrzeit, das Glätten von Fachsprache in allgemein verständliches Deutsch (so wird zum Beispiel aus einer „Lichtzeichenanlage“ die gute alte „Verkehrsampel“) und – zunehmend – sogar das Layouten der Zeitungsseiten.

Damit setzt die Rhein-Zeitung auch 80 Jahre nach ihrer Gründung fort, was sie schon immer ausgezeichnet hat: Sie verweigert sich neuen Entwicklungen keineswegs. Aber sie prüft und bewertet das Mögliche zunächst und setzt es dann schnell und zielgerichtet um. Dies war bereits bei der Einführung des E-Papers der Fall und bei der Schaffung von rhein-zeitung.de. Wenn es allerdings darum geht, journalistische Inhalte zu erzeugen, dann steht auch weiterhin der Mensch im Mittelpunkt. Nur er oder sie ist in der Realität zuhause und kann sie reportieren und einordnen. Der Reporter oder die Reporterin kennt den Bürgermeister. KI kennt einen Text oder ein Bild, in dem der Bürgermeister vorkommt. Oder in dem dem Bürgermeister etwas nachgesagt wird. Oder in dem er nur fälschlicherweise vorkommt. Oder die KI plappert wie der schon einmal erwähnte Papagei brav nach, welches Bild der Bürgermeister von sich und seiner Politik öffentlich gezeichnet sehen möchte.

Alle Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, die diesen Text jetzt gelesen haben, mögen verzeihen. Aber das Beispiel illustriert den entscheidenden und anhaltenden Unterschied zwischen Menschen und Maschinen sehr plastisch. Im Alltag ergänzen sich beide zweifellos und längst gut, nur muss eben jeder seinen eindeutigen Platz haben. Wenn es darum geht, Informationen zu erzeugen, die uns als Gesellschaft auch weiterhin dabei helfen, unsere hektische Zeit zu verstehen und alle Dinge verlässlich zueinander in Beziehung zu setzen, ist der Mensch bei der Rhein-Zeitung weiterhin das Maß aller Dinge.

Mit diesem Versprechen gehen wir auch in das 81. und alle weiteren Jahre unserer Arbeit. Unser Journalismus entsteht von Hand und ist deshalb so wertvoll. Wenn wir dabei KI gern und zunehmend routiniert zur Unterstützung einsetzen, machen wir dies transparent. Wir bleiben neugierig und aufgeschlossen, sind aber nie kritiklos. Weder bei KI noch bei allen anderen Themen. Und wenn wir dabei Fehler machen, dann stehen wir zu ihnen, korrigieren sie und sind ansprechbar. Weil wir Menschen sind, die für Menschen schreiben. Jetzt und in Zukunft.

Richtlinien zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz für die Redaktion der Rhein-Zeitung

1. Werkzeug – nicht Ersatz

Wir sehen KI nicht als Ersatz für journalistische Arbeit, sondern als wichtiges ergänzendes Werkzeug, um in dieser Arbeit noch bessere Ergebnisse zu erzeugen. Es ermöglicht uns, unsere Arbeitsabläufe zu optimieren, Freiräume im Alltag zu erschließen und Inhalte neu aufzubereiten. Dabei bleibt unser Versprechen immer gleich: Wir sind unabhängig, arbeiten gründlich und immer im Wissen um unsere Verantwortung gegenüber unseren Lesern und Usern.

2. Der Mensch hat das letzte Wort

Alle von uns veröffentlichten Inhalte werden von Journalistinnen und Journalisten geprüft, bewertet und erst dann freigegeben. Keine KI erstellt bei uns Texte, Bilder oder Videos, die vollständig und unverändert publiziert werden. Menschen behalten die Hoheit über alle Veröffentlichungen und bleiben die maßgebliche Instanz.

3. Risiken immer im Blick

Wir nutzen KI für Recherche und Themenfindung, Analyse vor allem großer Datenmengen, Übersetzungen, Wandlung von Sprache zu Text oder für Infografiken – und prüfen dabei Risiken wie falsche oder verzerrte Ergebnisse, Datenschutz, Quellen- und Informantenschutz sowie Persönlichkeits- und Urheberrecht. Etwas, das wir nicht verifizieren können, verwenden wir nicht. Dies gilt auch für Material, das uns von freien Mitarbeitern zugeliefert wird.

4. Sensible Daten und Fotos

Sensible Daten wie noch unveröffentlichtes Material oder rechtlich geschützte wirtschaftliche Informationen geben wir nicht in externe KI-Systeme ein. Bilder von realen Terminen oder Ereignissen sowie Porträts von Personen fertigen wir ausschließlich mit physischen Kameras. KI setzen wir lediglich bei Grafiken oder Symbolbildern zur Unterstützung ein.

5. Transparenz

Beiträge, die inhaltlich oder sprachlich zu einem erheblichen Teil von KI neu generiert wurden, kennzeichnen wir. Funktionen wie Rechtschreibprüfung, inhaltliche Zusammenfassungen ohne Hinzufügungen oder automatische Layouts, die im Hintergrund ablaufen, werden nicht kenntlich gemacht. In Texten, die das Kürzel „red“ tragen, können solche KI-Anwendungen zum Einsatz gekommen sein. Aber auch hier hat immer ein Mensch das letzte Wort.

6. Überprüfen und lernen

Wir überprüfen unsere Richtlinien in regelmäßigen Abständen und passen sie bei Bedarf entsprechend an. Diese Aufgabe übernimmt eine KI-Arbeitsgruppe innerhalb der Redaktion, die alle eingesetzten Werkzeuge und selbst kreierten Prompts oder Bots im Blick behält. Wir schulen zudem fortlaufend zum Umgang mit KI. Grundsätzlich halten wir alle Kolleginnen und Kollegen an, sich offen mit den Möglichkeiten von KI auseinanderzusetzen und Vorschläge für ihre Nutzung zu machen. Entscheidend sind aber auch dabei Transparenz und Offenheit. Etwas, was nicht dokumentiert und freigegeben ist, findet keinen Eingang in unsere journalistischen Angebote. Die Chefredaktion entscheidet letztinstanzlich über die Fortschreibung der KI-Richtlinien und in allen Zweifelsfällen.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Zeitgeschichte

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