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Der größte Pflegedienst der Nation
Zu Hause alt werden - das ist der Wunsch der meisten Menschen. Allein ist das in der Regel nicht möglich, oft springen Familienm
Zu Hause alt werden - das ist der Wunsch der meisten Menschen. Allein ist das in der Regel nicht möglich, oft springen Familienmitglieder als Pflegepersonal ein. Eine anspruchsvolle Aufgabe.
Jens Kalaene. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Pflegende Angehörige leisten millionenfach einen wichtigen Beitrag – und werden dabei selbst zu häufig übersehen. In einer Serie zum Thema Pflege bekamen sie 2018 den Raum, ihre Geschichten zu erzählen.

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Wenn es ums Thema Pflege und pflegende Angehörige geht, wird es sehr schnell sehr persönlich. Wildfremde Menschen lassen einen teilhaben an schweren Zeiten im Leben, geben Verletzlichkeit zu, manchmal auch Überforderung. Sie erzählen vom Kampf mit den Behörden, der Pflegekasse, der viel Kraft und Nerven kostet. Beides etwas, was pflegende Angehörige nicht im Übermaß haben. Sie erzählen von schwierigen Entscheidungen, die zu treffen waren, etwa wenn es um einen Kurzzeitpflegeplatz geht, damit die Pflegenden selbst mal Luft holen können – und vom schlechten Gewissen, das sie dabei die ganze Zeit begleitet. Manchmal fließen dabei auch Tränen.

4,9 Millionen Menschen werden zu Hause gepflegt

2019 habe ich mich im Rahmen meines Volontariats bei der Rhein-Zeitung mit dem Thema pflegende Angehörige beschäftigt und dafür Menschen gesucht, die mir ihre Familiengeschichte erzählen. Dafür brauchte es Zeit, ein offenes Ohr – und ganz viel Vertrauen. Dafür danke ich allen Gesprächspartnerinnen – ja, es waren drei pflegende Frauen, die exemplarisch für die Millionen Angehörige stehen, die den größten Pflegedienst der Nation stellen. Laut Zahlen des Zentrums für Qualität in der Pflege werden rund 4,9 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland zu Hause versorgt – eigenständig oder mit Unterstützung eines Pflegediensts.

Kathrin Hohberger
Kathrin Hohberger
Jens Weber

Drei starke Frauen ließen mich ein wenig an ihrem Leben und ihrem Pflegealltag teilhaben: Eine Mutter, die wie eine Löwin für Inklusion kämpft sowie die beste Versorgung für ihren Sohn mit Muskelerkrankung, eine Tochter, die liebevoll ihre Eltern pflegte und der bewusst war, dass sie für eine gewisse Zeit im goldenen Käfig sitzt, und eine weitere Tochter, die das heimische Wohnzimmer zum Lebensmittelpunkt für den Vater machte, Pflegebett inklusive.

Jede Familie ist anders, jede Situation individuell. Eins vereint aber all diese Geschichten: Wer die Eltern, den Partner oder ein beeinträchtigtes Kind pflegt, wird zu häufig übersehen. Viel zu oft sind diese Menschen unsichtbar, weil sie zwischen Arztterminen, Versorgung und Formularen aufgerieben werden. Sie und ihre Leistungen müssen sichtbarer werden, sie müssen gehört werden.

Persönliche Geschichten verbinden

Das Sprechen über Sorgen und Nöte kann etwas Heilsames haben. Wenn bisher Ungesagtes laut ausgesprochen wird und auf Verständnis trifft, kann es seinen Schrecken verlieren. Umgekehrt gilt auch: Diese persönlichen Geschichten können anderen Menschen helfen. Ihnen zeigen: Ich bin mit meinen Sorgen, Ängsten und – manchmal auch negativen – Gefühlen nicht allein. Noch heute habe ich die Nachricht einer Leserin im Ohr, die sich mit tränenerstickter Stimme bei der Kollegin im Service-Center gemeldet hat: „Danke für diesen Artikel, ich habe gedacht, da schreibt jemand über mein Leben.“ Zusammen ist man eben weniger allein.

Zur Autorin

Kathrin Hohberger, Jahrgang 1977, arbeitete bereits während des Studiums als freie Mitarbeiterin im Korrektorat der Koblenzer Rhein-Zeitung. Von 2018 an absolvierte sie ein Volontariat in der Zentralredaktion, wo sie seitdem zunächst als Redakteurin und jetzt als Nachrichtenchefin arbeitet. Für die Serie zum Thema Pflege und pflegende Angehörige bekam sie 2020 den Förderpreis des Zeitungsverlegerverbandes Rheinland-Pfalz-Saarland. Für sie ist Lokaljournalismus so wertvoll, weil er die Geschichten und Themen der Heimat erzählt und auch Menschen zu Wort kommen lässt, die sonst oft unsichtbar bleiben.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre Soziales

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