Die Größe des Vereins, der auch ein Vierteljahrhundert später noch den beruflichen Alltag prägt, erschließt sich im Moment der ersten Kontaktaufnahme nicht. Doch der Mann, der auf dieser Dienstreise tiefe Spuren im journalistischen Gedächtnis hinterlassen wird, ist schon damals kein Unbekannter. Im Gegenteil. Sonntage im Kreis der Familie sind von den Sportsendungen der Öffentlich-Rechtlichen geprägt – und Andrzej Grubba ist einer jener Protagonisten, die das Kind im Westerwald tief beeindrucken. Seine Art Tischtennis zu spielen fasziniert in den Hallen der Welt genauso wie vor dem TV.
Prägende Begegnung in Frýdek-Místek
1958 nahe Danzig geboren, prägt der Pole zunächst den Tischtennissport in seinem Land, ab Mitte der 1980er-Jahre dann auch in Deutschland. Bis auf Rang vier der Weltrangliste schafft es Grubba in jener Zeit, in der ihn Vereinsgründer Manfred Gstettner zum TTC Zugbrücke Grenzau lotst. Fortan ist Grubba ein Star in der Bundesliga. Spielt er auf internationaler Bühne, ist das auch der Sportreportage an besagten Sonntagen einen Beitrag wert. Vor allem die Kunst, den Schläger von der gewohnten rechten wie selbstverständlich in die nicht weniger talentierte linke Hand zu nehmen, beherrscht keiner so wie er.

Das ist die Erinnerung, mit der jene Dienstreise im Jahr 2000 beginnt. Ziel ist das Städtchen Frýdek-Místek in Tschechien, wo es für Grenzau darum geht, den Europapokal der Landesmeister zu gewinnen. Die erste Begegnung mit Andrzej Grubba im Hotel vor dem Spiel, die zweite in der Halle beim 4:2 gegen TTVA Valcorny Frýdek-Místek (nach einem 4:0 im Hinspiel), die dritte an der Bar. Bis dahin sind Grenzau und Grubba aus Sicht des Sportvolontärs der Rhein-Zeitung ein Bundesligist aus der Region mit einem Trainer, der Erinnerungen an Kindheitstage weckt.
Das soll die vierte Begegnung mit Andrzej Grubba grundlegend ändern. Weiterfahrt mit dem Team nach Würzburg, wo es gleich wieder um Bundesligapunkte geht. In einem Auto die Spieler, im anderen der Trainer und der Volontär von der Zeitung. Aus Herrn Grubba ist längst Andrzej geworden, der die Fahrt nutzt, um von seinem Leben zu erzählen. Den Jahren in Polen, dem Wechsel in die Bundesliga, seiner Familie, mit der er nur wenige Kilometer von der Zugbrückenhalle entfernt lebt. Der Weltklassespieler von einst spricht über Orte, an die ihn sein Sport geführt hat, über Weggefährten und Talente wie Timo Boll, deren Zeit noch kommen soll. Stunden vergehen wie Minuten.
Lieblingsspieler des Ehrenpräsidenten und Vereinsgründers
Überliefert ist von Andrzej Grubba dieses Zitat: „Spieler wie Waldner und Appelgren haben Geschichte geschrieben, aber ich war immer nur Zweiter oder Dritter. Man wird mich relativ schnell vergessen.“ Hier irrte der geniale Spieler, dessen Leben 2005 im Alter von nur 47 Jahren viel zu früh endete. Manfred Gstettner schwärmt noch heute von seinem „Lieblingsspieler“, überall in der Zugbrückenhalle zeugen Fotos vom Größten, der je für den Verein gespielt hat. Und die erste Dienstreise für die RZ ist nicht wegen Grenzaus 4:2 in Frýdek-Místek in Erinnerung geblieben.
Der Autor
Marco Rosbach, Jahrgang 1974, schreibt seit 1996 für die Rhein-Zeitung. Begonnen hat er während des Studiums als Praktikant und war bis zu seinem Volontariat als freier Mitarbeiter für den Sport im Westerwald im Einsatz. Nach Stationen in Montabaur und Altenkirchen wurde er 2001 Sportredakteur in Bad Ems, wo er 2007 die Funktion des stellvertretenden Redaktionsleiters übernahm. 2010 kehrte er nach einem Jahr in der Zentrale der Rhein-Zeitung in Koblenz als Leiter des Regionalsports für die Kreise Westerwald, Altenkirchen und Rhein-Lahn zurück zu seinen journalistischen Wurzeln. Die Plätze und Hallen in der Region waren ihm seit jeher (mindestens) so lieb wie die Glitzerwelt in den großen Stadien. Seit 2024 ist er stellvertretender Leiter des gesamten Regionalsports der Rhein-Zeitung. Über den Tischtennis-Bundesligisten TTC Zugbrücke Grenzau berichtet er seit mehr als zwei Jahrzehnten.


