Der Koblenzer als solcher wird ja nicht mit irgendeinem gerade verfügbaren Wasser getauft, sondern bekanntermaßen mit „Rhein- on Musselwasser“. Und noch obendrauf „met Wein“. Von Bier ist im Schängel-Lied, der Koblenzer Stadthymne, keine Rede.
Natürlich sind wir zuvorderst eine Weingegend. Und doch gibt es ein Bier, das eng mit der Stadtgeschichte verwoben ist, auch wenn es vielleicht nicht die Flüssigkeit ist, die wir im Alter von schon sechs Monaten über den zumeist katholischen Schängel-Schädel gekippt bekommen.

Das gute alte Königsbacher
Die Rede ist vom guten alten Königsbacher, benannt nach dem gleichnamigen Bach in Stolzenfels. Es ist ein Pils aus dem Rheinland, wie es halt einfach schmecken muss. Lange Jahre arbeitete ich in Württemberg für die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“. Meine schwäbischen Freunde und Kollegen sahen mich stets irritiert an, wenn ich mal wieder ein Stubbi aus der alten Heimat mitbrachte und es ihnen mit einem so gönnerhaften wie erfolglosen „Hier! Ein richtiges Bier für dich!“ überreichte (Nette hat in Württemberg übrigens auch nicht übermäßig gut funktioniert).
Die Koblenzer Brauerei steht wie keine zweite für die Braukultur in der Stadt, unter anderem das Königsbacher Pils entsteht hier – doch nun haben sich Mitarbeiter mit Kritik gemeldet. Sie klagen über den Zustand der Gebäude, sprechen von Schimmel und Schäden, bemängeln, dass sie nicht wissen, wie ...
Schimmel, Schäden, Zukunftsängste: Angestellte der Koblenzer Brauerei äußern Kritik
Wieder zurück in meiner Geburtsstadt Koblenz und von nun an für die Rhein-Zeitung schreibend, durfte ich mich sodann relativ bald publizistisch mit meinem Tauf-, pardon, Heimatbier auseinandersetzen. Ein richtiger Grund zur Freude war das allerdings nicht. Einige Mitarbeiter der Koblenzer Brauerei in Stolzenfels, wo Königsbacher noch immer gebraut wurde, hatten sich in düsterer Vorahnung geäußert. Es lief nicht so richtig mehr am Königsbach.
In der Kritik standen die Qualität der Biere, die finanzielle Situation des Unternehmens, auch der Umgang mit den Mitarbeitern war Thema. Mein erster großer Artikel im Juli 2023 mit dem Titel „Ärger im Koblenzer Bierparadies“ machte die Debatte um den Gerstensaft öffentlich, die in Kneipen und auf den Marktplätzen bereits geführt wurde.
Brauerei ist am Ende nicht zu retten
Was nicht ausblieb: der Vorwurf, die Probleme überhaupt erst herbeigeschrieben und der Brauerei damit geschadet zu haben. Das gute alte „Tötet den Boten“, es ist auch in modernen gesellschaftlichen Debatten en vogue wie eh und je. Einige Monate später ging dann alles ganz schnell: Die Brauerei musste ins Insolvenzverfahren, die Frage nach der Zukunft auch der Marken Königsbacher und Nette stand im Raum. Aus der ursprünglichen Rhein-Zeitungs-Recherche wurde spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Medienspektakel, das etliche Journalisten beschäftigte – Kollegen in Rheinland-Pfalz ebenso wie die Lebensmittelfachpresse.
Die Brauerei war am Ende nicht zu retten. Für die Königsbacher Biere ging die Causa allerdings am Ende gut aus. Die Bitburger Braugruppe hielt ja bereits die Markenrechte und beschloss, von nun an Königsbacher selbst zu brauen. Seitdem findet das Rhein-Mosel-Pils seinen Weg aus der Eifel ins Großstädtchen. Getauft wird zwar immer noch nicht damit – doch die Koblenzer dürfen sich weiterhin „ihres“ Bieres nach guter alter Rezeptur erfreuen.
Der Autor
Peter Meuer, Jahrgang 1981, ist gebürtiger Koblenzer. Nach dem Abitur am Bischöflichen Cusanus-Gymnasium zog es ihn nach Württemberg. In Tübingen studierte er Geschichte, Politik, Rhetorik. Während dieser Zeit arbeitete er als Freier Journalist unter anderem für „Stuttgarter Zeitung“, „Südwestpresse“, stern.de, SWR. Ende der 2000er-Jahre volontierte er bei der „Leonberger Kreiszeitung“, einer Lokalausgabe der „Stuttgarter Zeitung“. Zwischenzeitlich arbeitete er als Teamleiter beim Kinder- und Jugendzeitschriftenverlag Blue Ocean Entertainment, wechselte dann zurück zu „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ – als stellvertretender Leiter der Redaktion Ludwigsburg. Schließlich ging es für ihn wieder in die alte Heimat. Seit Sommer 2023 ist er bei der Rhein-Zeitung Redaktionsleiter für den Verbund Rhein-Mosel. Journalist wurde er, weil er von Menschen und ihren Geschichten erzählen will. Und weil er daran glaubt, dass eine offene Gesellschaft öffentliche Debatte braucht.


