Nervige Staus, schwere Unfälle, gefühlt ewige Baustellen und – nicht zu vergessen – die lang ersehnte Fahrt in den Urlaub: Die Autobahn 3 ist für viele Menschen im Westerwald und der Region Teil des Lebens. Auch in den Medien taucht eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen Deutschlands immer wieder auf. Ein besonderes Schauspiel ereignete sich jedoch am 27. August des Jahres 2017.
Zahlreiche Reporter hatten an diesem Sonntagmorgen am Lahnufer Stellung bezogen, um die Sprengung von sechs Pfeilern der 1965 freigegebenen Autobahnbrücke bei Limburg mitzuverfolgen. Es war der spektakuläre Abschluss des 2015 begonnen Rückbaus der alten Flussüberquerung. Trotz akribischer Vorbereitung lief dann aber doch nicht alles glatt.

Einmal lang, zweimal kurz, dreimal kurz: Das waren die drei akustischen Signale, auf die es ankam. „In Deckung gehen“, „Sprengung steht unmittelbar bevor“ und „Sprengung beendet“. Doch als das laute Getöse abebbte und sich der Staub verzog, ragten immer noch zwei Pfeiler in den Himmel. Lediglich vier Betonsäulen waren ins Tal gekracht. Grund, so war zu hören, war ein technischer Fehler.
Der Stau auf der A3 wurde länger als ursprünglich geplant. Der Schiffsverkehr auf der Lahn blieb gestoppt, die Sperrzone hatte weiterhin Bestand. Rund 250 Anwohner und Gäste eines nahe gelegenen Campingplatzes waren in Sicherheit gebracht worden.
Mehr als 100.000 Fahrzeuge jeden Tag
Es dauerte rund eine halbe Stunde, bis die Sprengmeister erneut das Signal gaben. Beim zweiten Anlauf klappte es dann – auch die beiden anderen Zeugen des imposanten Bauwerks stürzten in Lahntal. Die restlichen Pfeiler wurden später maschinell abgebrochen.
Auch wenn Zerstörung ein Ende bedeutet, steht sie gleichzeitig für einen Neubeginn. Denn die alte Lahnbrücke hat Platz gemacht für die neue, 2016 fertiggestellte und parallel verlaufende Flussquerung. Diese Lahntalbrücke ist dann auch für das enorme Verkehrsaufkommen gerüstet: Mehr als 100.000 Fahrzeuge rollen tagtäglich an dieser Stelle über die Autobahn.
Der Autor
Markus Eschenauer schrieb seine ersten Artikel während des Studiums der Germanistik und Geschichte. An das Volontariat bei der Rhein-Zeitung schlossen sich verschiedene Stationen innerhalb der Redaktion an. So war er unter anderem als Online-Redakteur und stellvertretender Redaktionsleiter im Rhein-Lahn-Kreis tätig. Aufgewachsen in der kleinen Lahngemeinde Miellen, lebt Markus Eschenauer inzwischen mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern in Sainscheid. 2023 übernahm er die Leitung des neu gegründeten Redaktionsverbunds Westerwald und verantwortet seitdem die Westerwälder Zeitung sowie die Rhein-Zeitung im Kreis Altenkirchen. Seine Motivation für den Journalismus war es immer, mit Menschen in Kontakt zu kommen, ihre Ansichten, Sorgen, aber auch Wünsche und Hoffnungen zu erfahren, um daraus Geschichten zu machen, die informieren, zum Nachdenken anregen und vielleicht sogar etwas zum Besseren verändern. „Das treibt mich auch weiterhin an“, betont der 45-Jährige.


