Gesammelte Fußball-Erinnerung
Bolzplatz – Kleinod und Sehnsuchtsort
Mit Bolzplätzen verbinden sich so manche Kindheitserinnerungen.
Mit Bolzplätzen verbinden sich so manche Kindheitserinnerungen.
Jens Büttner/dpa. picture alliance / dpa

So fühlt sich Fußball an – Kicken auf dem Bolzplatz hat so manche Kindheit geprägt. Im Jahr 2018 erwachten Erzählungen von der guten alten Zeit zum Leben.

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Am Anfang war eine kleine Meldung. Aufgeschnappt in den Untiefen der Nachrichtendienste irgendwann im März des Jahres 2018. Die Bolzplatzkultur in Deutschland solle zum Unesco-Weltkulturerbe werden, hieß es da. Liest sich auf den ersten Blick nicht wirklich wie die Schlagzeile des Jahrtausends. Beim zweiten Gedanken spielten sich aber vor dem inneren Auge Szenen aus der eigenen Kindheit ab. Allesamt schöne Erinnerungen.

Der Bolzplatz, rötlich staubiges Kleinod, Zufluchts- und Sehnsuchtsort nach den Schulaufgaben – häufig auch davor oder sogar stattdessen ... Hier ließ sich es sich nach Herzenslust bolzen, dribbeln, tricksen, und auch ein bisschen pöbeln. Fußball in seiner ursprünglichen Art ohne Schnickschnack und Klimbim. Dafür mit aufgeschrappten Knien, in die sich nach besonders beherzten Grätschen die roten Kieselsteinchen sogar im Bindegewebe festsetzten – und heute dort noch ganz leicht zu sehen sind.

Jochen Dick
Jochen Dick
Kevin Rühle. MRV

Jedenfalls wurde aus diesen Erinnerungen schnell mehr: zuerst eine Kolumne im Hauptsport der Rhein-Zeitung und ihrer Heimatausgaben, verbunden mit einem Aufruf an die Leserinnen und Leser, ihre eigenen (Kindheits-)Geschichten von der guten alten Bolzplatzzeit aufzuschreiben und zuzusenden. Das Echo war überwältigend und überaus lesenswert – und die gesammelten Bolzplatzgeschichten wurden samt mitunter historischem Bildmaterial auf zahlreichen Sonderseiten abgedruckt. Doch das konnte es nicht gewesen sein bei einem Thema mit derart viel Lokal-Potenzial.

Ex-Torwart Wolfgang Kleff als Vorleser

So entstand die Idee, eine Veranstaltung hierzu ins Leben zu rufen. Unterstützt vielleicht durch einen wohlgesonnenen prominenten Partner. Um die Bolzplatzgeschichten noch einmal mit Leben zu füllen. Bei Lotto Rheinland-Pfalz, seit jeher verlässlicher und engagierter Förderer des Sports, genügte ein Anruf – und die Bolzplatzgeschichten waren auch als Veranstaltung geboren. Weitere Ideensammlungen später las schließlich Wolfgang Kleff, früherer Kulttorwart unter anderem von Borussia Mönchengladbach sowie sechsmaliger Nationalspieler, im Druckzentrum der Rhein-Zeitung in Koblenz vor mehr als 100 geladenen Gästen ausgewählte Bolzplatzgeschichten vor. Manchem Zuhörer trieb es bei so viel Fußball-Nostalgie die Tränen in die Augen. Selbstredend waren die Autoren jener Erinnerungen als Ehrengäste geladen.

„Bei den Geschichten habe ich eine Gänsehaut bekommen“, sagte Kleff nach dem stimmungsvollen Abend, bei dem der Fußball-Freestyler Tommy Rist seine Tricks im Rahmenprogramm präsentierte. Und schnell kam die Idee, mit den Bolzplatzgeschichten durchs Fußball-Land Rheinland-Pfalz zu ziehen, eine ganze Veranstaltungsreihe in der Region zu etablieren. Leider aber wurde – wie so häufig auch im Sport – die Corona-Pandemie zum Spielverderber und verhinderte eine Fortsetzung. Immerhin zählt die Bolzplatzkultur seit diesem Jahr tatsächlich zum Unesco-Weltkulturerbe.

Der Autor

Jochen Dick, Jahrgang 1975, begann 1998 als freier Mitarbeiter bei der Mainzer Rhein-Zeitung seine journalistische Laufbahn. Nach Stationen unter anderem bei der „Bild“-Zeitung und Radio RPR volontierte er bei der Rhein-Zeitung im Sport und wurde 2005 Sportredakteur. Nach einem Wechsel zum Landessportbund Rheinland-Pfalz, wo er vier Jahre in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig war, kehrte er 2012 als Sportchef zur Rhein-Zeitung zurück.

Ressort und Schlagwörter

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